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Der Tod von Gauleiter Simon bei den Mierscher Theaterdeeg
Kultur 6 3 Min. 08.05.2021

Der Tod von Gauleiter Simon bei den Mierscher Theaterdeeg

Der Tod von Gauleiter Simon bei den Mierscher Theaterdeeg

Foto: Guy Jallay
Kultur 6 3 Min. 08.05.2021

Der Tod von Gauleiter Simon bei den Mierscher Theaterdeeg

Marc THILL
Marc THILL
Dokumentarisches Theater unter dem Mëchelstuerm in Mersch: Das Hinterfragen von Narrativen, und was Vergangenheit über die Gegenwart erzählt.

„So dunkel hier“ von Elise Schmit (Text) und Anne Simon (Regie) wurde im Februar in Neimënster bereits als Freiluftaufführung auf dem Parvis der Abtei aufgeführt. An diesem Freitag stand es ein weiteres Mal auf dem Programm der Mierscher Theaterdeeg, die noch bis Sonntag dauern - und aufgeführt wird das Stück ein zweites Mal in Mersch auf der Place Saint-Michel am Sonntagabend.

Dezember 1945. Gustav Simon, der ehemalige Gauleiter und Chef der Zivilverwaltung Luxemburgs in der NS-Besatzungszeit, hat sich erhängt. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gestellt und ist noch vor der Überführung und dem Prozess in Luxemburg gestorben. Elise Schmit hat dazu das  Theaterstück „So dunkel hier“ geschrieben, das nach seiner Erstaufführung auf dem Parvis der Abtei Neimënster im vergangenen Februar nun in Mersch bei den Mierscher Theaterdeeg am Freitag auf den Programm stand - als Freilichttheater auf der Place Saint-Michel - und noch ein weiteres Mal am Sonntagabend aufgeführt wird.


Was ist Erzählung, was historische Wahrheit? Gibt es die überhaupt? Das Stück „So dunkel hier“ greift die Ereignisse um den Tod Gustav Simons auf – und die Geschichten darum.
Gauleiter Simon: Mythen um seinen Tod auf der Theaterbühne
Warum Elise Schmits Stück „So dunkel hier“, das am 23. Februar in Neimënster Premiere feiert, weit mehr über die Gegenwart erzählt als über das Ende des Gauleiters.

Mit ihrem Stück „So dunkel hier“ hat Elise Schmit auch die Frage nach dem Umgang von historischen Erzählungen aufgegriffen. So gewiss und unausweichlich das Ende der Geschichte ist, so hartnäckig halten sich dafür aber die Gerüchte über den Ablauf der Ereignisse: War es wirklich Selbstmord? Oder gar Lynchjustiz? Unter welchen Umständen Simon gestorben sein könnte, das erkundet „So dunkel hier“. Im Mittelpunkt stehen vier Protagonisten, deren Schicksale unweigerlich miteinander verstrickt sind: Gustav Simon, Hanns Alexander, Léone Muller und Richard Hengst. Dargestellt wurden sie am Freitag von Marc Baum, Konstantin Rommelfangen, Elsa Rauchs und Nickel Bösenberg.

Foto: Guy Jallay

Mierscher Theaterdeeg noch bis Sonntagabend

Wie haben sich das Theater, aber auch die Inszenierung und vor allem das Schreiben von Stücken in den vergangenen Jahren in Luxemburg entwickelt? Was tut sich auf und hinter der Bühne? Wie arbeiten Schriftsteller und Regisseure zusammen? Welche Wege, beziehungsweise welche Umwege, nimmt ein Text vom Autor bis zum Dramaturg und Regisseur? Welche Formen und Formate kann ein Bühnentext bekommen? Wie werden historische und journalistische Recherchen in ein Bühnenspektakel integriert?

Fragen, die sich ein Theaterpublikum stellt, und auf die man bei den „Mierscher Theaterdeeg“ noch bis Sonntagabend eine Antwort bekommen kann. Dafür haben sich das Kulturhaus und das nationale Literaturzentrum aus Mersch zusammengetan.

Das Programm am Samstag ...

Am Samstag um 15.30 Uhr debattieren unter anderem die Autoren, Regisseure und Schauspieler Olivier Garofalo, Frank Hoffmann, Jean-Paul Maes und Elise Schmit über Wege oder auch Umwege, die ein Schriftstück nimmt, um auf die Theraterbühne zu gelangen.

Um 17 Uhr erzählt Olivier Garofalo, der neben Essays und Kurzgeschichten in erster Linie für das Theater schreibt, unter dem Titel „Vom Blatt zur Bühne“ über seine Arbeit als Dramaturg und Hausautor am Rheinischen Landestheater Neuss sowie über sein Auftragswerk „Am Ende des Tages“. 

Pitt Simon und Luc Schiltz in "Terres arides", ein Stück über die Reise eines Journalisten nach Syrien.
Pitt Simon und Luc Schiltz in "Terres arides", ein Stück über die Reise eines Journalisten nach Syrien.
Foto: Bohumil Kostohryz

Ab 18.30 Uhr liest derselbe Garofalo aus seinem Stück „Im Umbruch“, derweil Ed. Maroldt um 19 Uhr aus seinem Stück „Piccolo Paradiso“ rezitiert.

Um 20.30 Uhr folgt dann „Terres arides“, ein dokumentarisches Theaterstück von Ian De Toffoli und gespielt von den Schauspielern Luc Schiltz und Pitt Simon, über die Reise eines Journalisten nach Syrien. Die Aufführung wird am Sonntag um 17 Uhr wiederholt.

... und am Sonntag

Am Sonntag beginnen die Mierscher Theaterdeeg früh mit einer Theater Matinée ab 11 Uhr. Es lesen mit musikalischer Begleitung die Schauspieler, Musiker und Autoren Frédérique Colling, Catherine Elsen, Tullio Forgiarini, Claudine Muno, Romain Butti, Jeff Schinker, Ian de Toffoli, Claire Wagener, Mady Durrer und Fabienne Hollwege.

Um 15.30 Uhr folgt ein Diskussion über Text und Zeit: Welche Themen und Formen des Theaters werden von der Aktualität verlangt? Es diskutieren Rafael David Kohn, Anne Simon, Ian de Toffolo und Claire Wagener.

Um 17 Uhr wird „Terres arides“ wiederholt und anschließend findet eine letzte Lesung um 18.30 Uhr statt mit Nathalie Ronvaux, Elise Schmit und Rafael David Kohn statt, bevor mit der zweiten Aufführung von „So dunkel hier“ um 20.30 Uhr auf der Place Saint-Michel das Theaterwochenende sein Abschluss findet. 




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