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Der schwarze Tag des Rock'n Roll

  • Die Vorboten: Ohrfeigen für Mick Jagger
  • Die Vorbereitungen: Das Anti-Woodstock
  • Kulturschock auf der Hippie-Ranch
  • Sehenden Auges in die Katastrophe
  • Dead Flowers
  • "...und übrig bleibt Hass und Schrecken."
  • Die Vorboten: Ohrfeigen für Mick Jagger 1/6
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  • Dead Flowers 5/6
  • "...und übrig bleibt Hass und Schrecken." 6/6

Der schwarze Tag des Rock'n Roll

Der schwarze Tag des Rock'n Roll
50 Jahre Altamont

Der schwarze Tag des Rock'n Roll


von Tom RUEDELL/ 06.12.2019

Foto: Getty Images

Am 6. Dezember 1969 spielen die Rolling Stones in Kalifornien. 300.000 Fans reisen an. Traurige Bilanz: Eine Reihe von kapitalen Fehlentscheidungen, vier Tote und das - nicht nur kalendarische - Ende der "Roaring Sixties".

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Die Vorboten: Ohrfeigen für Mick Jagger
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Mick Jagger hätte es ahnen können. Der Tag, an dem die unschuldigen Sechziger endeten, begann für den Frontmann der Rolling Stones mit einem Schlag ins Gesicht. Es war der 6. Dezember 1969. Jagger, 26 Jahre alt und einer der wichtigsten Popstars der Welt, war soeben dem Hubschrauber entstiegen, der ihn und seine Band aufs Festivalgelände auf dem Altamont Speedway, etwa 100 Kilometer östlich von San Fancisco gebracht hatte, als ein junger Mann auf ihn zulief und Jagger ohne Vorwarnung mit der Faust ins Gesicht schlug. „Ich hasse Dich!“, rief er dabei – und verschwand in der Menge. Eine Zufallsbegegnung, eine der Tücken des Popgeschäfts - aber auch ein Vorbote dessen, was an dem Tag noch kommen sollte. 

Am Ende des Tages waren vier Konzertgänger tot. Zwei starben bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht auf dem Gelände, einer ertrank im LSD-Rausch in einem Wassergraben. Während diese drei über die Jahre weitgehend namenlos blieben, ist der Tod des vierten bestens dokumentiert, auf Filmmaterial zu sehen und Dreh- und Angelpunkt der Ereignisse in Altamont. Der 18-jährige Afromerikaner Meredith Hunter wird von einem Mitglied der Rockergang Hell’s Angels erstochen, als er vor der Bühne mit einer Waffe herumfuchtelt. Die Stones spielen weiter, was sich rückblickend als richtige Entscheidung erweist - vielleicht die einzige, die an jenem Tag getroffen wurde. Hunter stirbt. Und mit ihm die Hippie-Ära. Wie es zur Katastrophe von Altamont kommen konnte, die sich in diesem Jahr zum 50. Mal jährt, ist eine der größten und gleichzeitig tragischsten Geschichten des Rock’n Roll. 

Gemeinsame Meditation: Der Auftakt zum Woodstock Festival.
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Die Vorbereitungen: Das Anti-Woodstock
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Gemeinsame Meditation: Der Auftakt zum Woodstock Festival.
Foto: Gemeinfrei

Altamont ist so etwas wie der böse Zwilling von Woodstock. Im Sommer 1969 hatten sich auf einem Acker in Bethel, im Hinterland des US-Bundesstaates New York eine halbe Million Menschen versammelt und drei Tage lang ein Festival gefeiert, das zur Legende wurde. Three Days of Peace and Music, ein Versprechen, das die Teilnehmer einlösten. Trotz chaotischer Zustände vor, auf und hinter der Bühne kam es zu keinen größeren Zwischenfällen. Woodstock ging in die Geschichte ein, weil es - überwiegend - friedlich blieb. 

Auf dem Weg nach Woodstock: Peace and music.
Auf dem Weg nach Woodstock: Peace and music.
Foto: gemeinfrei

Der Hippie-Lifestyle war im Mainstream angekommen und hatte der Welt gezeigt, dass er Großes vollbringen konnte, wenn man ihn einfach mal machen ließ. Von all dem war das „Free Concert“ der Rolling Stones im Dezember 1969, bei dem außerdem Grateful Dead, Jefferson Airplane, Santana und einige mehr angekündigt waren, allerdings so weit entfernt wie Altamont von Bethel. Und am Ende sollte sich zeigen, dass Woodstock, in all seinem Glanz und seiner popkulturellen Bedeutung, vielleicht doch eher ein Zufallstreffer gewesen war.

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Seinen Anfang genommen hatte das „Free Concert“ in Altamont als Marketing-Idee. Die Rolling Stones tauchten Ende 1969 langsam aber sicher aus der ersten schweren Krise ihrer Bandgeschichte auf. Der Ausstieg von Mitgründer und Mastermind Brian Jones und sein tragischer Tod zwei Tage vor dem „Free Concert“ im Hyde Park, das eigentlich gedacht war, den hochtalentierten, aber farblosen Jones-Nachfolger Mick Taylor einzuführen – das alles hatte an den Kräften der Band gezehrt. Doch mit dem neuen Mann an der Gitarre waren sie wieder da, neue Songs waren entstanden und seit November waren Jagger, Richards und Co. zum ersten Mal seit 1966 wieder auf US-Tour – mit Vorgruppen wie Chuck Berry, BB King oder auch Ike & Tina Turner. 

Was noch fehlte, um der erfolgreichen Konzertreise die Krone aufzusetzen – und den Stones-Ruhm dauerhaft verwertbar zu machen – war ein Gratiskonzert. Eine Antwort auf Woodstock, das die Stones wegen Mick Jaggers erfolglosem Ausflug in die Schauspielerei (er weilte für Dreharbeiten zum zurecht vergessenen Western „Ned Kelly“ in Australien) verpasst hatten. Als netten Nebeneffekt könnte man die Kritiker ruhigstellen, die die hohen Ticketpreise der bisherigen Stones-Konzerte in den USA bemängelt hatten. 

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Zusätzliche Motivation kam aus der Tatsache, dass es zu Woodstock einen Konzertfilm geben sollte, der sich gerade im Schneideraum (unter anderem bei Martin Scorsese) befand und im Frühjahr erscheinen sollte. Dem in Sachen PR ebenso talentierten wie ambitionierten Stones-Frontmann war das Potenzial klar: Die Stones würden mit einem eigenen Konzertfilm die Woodstock-Macher auf der Zielgeraden überholen. Filmmaterial gab es schon, die Filmemacher Albert und David Maysles und Charlotte Zwerin hatten das Konzert im Madison Square Garden in New York vom 27. November mitgefilmt, auch im legendären Muscle Shoals Studio in Alabama waren sie kurz vor dem „Free Concert“ bei Stones-Aufnahmen dabei gewesen. 

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Kulturschock auf der Hippie-Ranch
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Ländliches Idyll: Grateful Dead auf ihrer Farm, vorne Jerry Garcia.
Foto: gemeinfrei

Schnitt an die Westküste, nach San Francisco. Hier, im Epizentrum der Hippie-Bewegung, gab es die „Free Concert“-Idee bereits, vorangetrieben von den  Bands Jefferson Airplane und Grateful Dead, die beide in Woodstock dabei gewesen waren (allerdings ist der Auftritt von Grateful Dead weder auf dem Livealbum noch im Konzertfilm vertreten). Kostenlose Konzerte im Golden Gate Park hatten sie schon gespielt, jetzt sollte ein „Woodstock West“ her, am Liebsten mit den Stones als Zugpferd. 

Die Stones sollten mit den Dead abhängen, dann würde man sehen. Als würden die Stones in einer Hippie-Scheune abhängen. Also echt.

Sam Cutler

Um das einzufädeln, traf sich Sam Cutler, der Tourmanager der Stones, am 18. November mit den Grateful Dead in deren Hauptquartier, einer Ranch in Novato, Kalifornien. Das Treffen war ein Kulturschock. Cutler war von den Rolling Stones - für damalige Verhältnisse - professionelle Ansprüche an Konzertproduktionen und Verhandlungen gewöhnt. Mit der Hippiekultur der Westküste war der eher nüchterne Brite vorher noch nie in direkten Kontakt gekommen, jetzt stand er mitten drin und fragte sich, ob das so eine gute Idee gewesen war. 


TO GO WITH AFP STORY BY JAMES PHEBY
(FILES) A file picture taken in New York on May 10, 2005, shows Rolling Stones members Mick Jagger (L) and Keith Richards. Most London shoppers rush by 165 Oxford Street without a second glance -- but it was here 50 years ago that The Rolling Stones played their first gig and changed the landscape of pop music forever. Mick Jagger, Keith Richards and Brian Jones played The Marquee Club on July 12, 1962 with three others, the first time they performed under the band name which would become synomymous worldwide with excess and muscial flair.   AFP PHOTO / TIMOTHY A. CLARY/FILES
"Wiessel mol d'Scheif": Mit der Museumsbahn zurück nach Dartford
Die Rolling Stones feiern auf "Blue & Lonesome" ihren Gründungsmythos - und den Chicago Blues. Das ist angemessen, kompetent umgesetzt, und legitim ist es auch. Aber brauchen wir diese Platte?

“Es war verrückt”, erinnert er sich im hörenswerten Podcast "All Told" der Washington Post, “in der Scheune waren bestimmt achtzig Leute, Männer, Frauen, Kinder, dazu Hunde und Pferde, die Band irgendwo dazwischen. Und alle hatten Rederecht, also sagten auch alle irgendwas. Am Ende kam raus, dass wir es machen wollten, dann schauten alle zu Jerry Garcia, der das Ganze dann irgendwie absegnen sollte.” Garcia, der legendäre Grateful-Dead-Boss war einverstanden: Die Stones sollten mit den Dead auftreten. Details könne man ja später klären. “Süß, aber gleichzeitig naiv in extremis”, nannte Cutler das rückblickend. 

Zu den offenen Details gehörte unter anderem die Frage nach der Sicherheit des - genauso noch zu findenden - Veranstaltungsorts. Die Hippies in San Francisco hatten zu diesem Zweck schon öfter auf die Dienste des berüchtigten Bikerclubs Hell’s Angels zurückgegriffen. Was klingt, wie ein Gegensatz ist auch einer, allerdings existieren die Hippies, die Biker und die Polizei an der Westküste in einer Art Spannungsfeld, in dem sie sich gegenseitig in Schach halten. Das ordnende Element heißt: Drogen. Die Bands brauchen Ordner bei ihren Konzerten, die Polizei kommt nicht in Frage, “denn die hätten uns ja sofort wegen Dope in den Knast gesteckt”, wie Grace Slick von Jefferson Airplane sich erinnert. “Die Angels machen das nicht, können aber genauso tough sein wie die Polizei. Die waren immer okay.” 

Die Hell's Angels kämpfen, da sind die gut drin. Wenn Du nicht willst, dass der Tiger Deine Gäste frisst, lädst Du den Tiger nicht zum Essen ein.

David Crosby

Die Angels wiederum mögen - wie die Hippies - Musik, Drogen und die Vorstellung, gemeinsam gegen die Polizei zu sein. Eine fatale Verharmlosung der tatsächlichen Verhältnisse. Musikjournalist Greil Marcus, damals junger Reporter für den Rolling Stone, bringt es auf den Punkt: “Die Angels waren eine rassistische, frauenfeindliche, Drogendealerbande. Nichts anderes.” Auch die Stones kannten die Hell's Angels von ihrem Free Concert im Hyde Park im Juli - allerdings war der englische Ableger des Motorradclubs bestenfalls ein müder Abklatsch, was den kompromisslosen “Biker Lifestyle”, aber auch die Gewaltbereitschaft anging. Mick Jagger hatte daher keine Bedenken, den Vorschlag anzunehmen, die Hell’s Angels zu engagieren. Sie sollten auf der Bühne sitzen und Fans daran hindern, diese zu stürmen. Im Gegenzug erhielten sie Bier im Wert von 500 Dollar - inflationsbereinigt im Jahr 2019 etwa das Siebenfache. Planmäßig betrunkene, kriminelle Biker als Sicherheitsdienst - eine glasklare Fehlentscheidung. 

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Sehenden Auges in die Katastrophe
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Foto: Getty Images

Und es wird nicht besser, nicht professioneller, nicht verständlicher. Noch ohne Festivalgelände in der Hinterhand kündigt Mick Jagger am 26. November bei einer Pressekonferenz in New York ein Gratiskonzert in Kalifornien für den 6. Dezember an. Ja, wir spielen, ja, es wird riesig. Details? Später. 

Die fieberhafte Suche nach einer Örtlichkeit beginnt. Mit der Rennstrecke von Sears Point in Sonoma County wird man Anfang Dezember fündig - ideal gelegen, gute Zufahrtswege, Infrastruktur vorhanden. Der Aufbau beginnt. Doch dann schießt der Besitzer quer, der Deal platzt. Zwei Tage vor dem gesetzten Termin wird auf den Altamont Speedway umdisponiert - nochmal etwa 90 Autominuten weiter weg von San Francisco. Über Nacht muss Material transportiert werden. Im Radio werden Aufrufe nach freiwilligen Helfern, Verpflegung und Material gesendet. Ganz knapp wird das Festivalgelände in Altamont fertig, für kurze Zeit sind die “Hippie-Vibes” zu spüren. 

Doch es fehlt an so ziemlich allem. Einer Bühne, die hoch genug ist - man bringt nur etwa neunzig Zentimeter zustande, zudem steht die Bühne am falschen Ende, am unteren Ende eines Hügels anstatt erhöht. Genug Toiletten für die erwarteten 50.000 Besucher. Verpflegung. Parkplätze. Sanitätsdienste. Eine brauchbare Beschallungsanlage. Die überwiegende Mehrzahl der im Laufe des Tages eintreffenden Fans wird nichts vom Konzert mitbekommen, weil Bühne und Anlage viel zu klein sind. 

Either those cats cool it or we don’t play.

Keith Richards

Und dann werden die Macher buchstäblich überrollt: 300.000 Menschen sind unterwegs zum Festivalgelände. Die “Vibes” sind schlecht. Hier ist nicht Woodstock. Es ist kalt, die Menge kommt nicht in Stimmung, drängelt, nimmt keine Rücksicht aufeinander. Dass die Hell’s Angels mit ihren Motorrädern mitten durch die Zuschauer pflügen, um ihre Position vor der Bühne einzunehmen, macht die Sache noch schlimmer. Schon Santana, die erste Band, muss kurz nach 12 Uhr mittags die Show unterbrechen, weil es vor der Bühne zu Schlägereien kommt. Die Angels haben spezielle Knüppel dabei, abgesägte Billardqueues mit Bleigewichten. Sie verprügeln damit jeden, der ihnen, ihren Motorrädern oder der Bühne zu nahe kommt. Die eingeschüchterten Hippies haben dem nichts entgegen zu setzen - außer dem “Peace”-Zeichen. Der nächste, gravierendere Kulturschock. 

Schockierender Gewaltexzess: Die Hells Angels in Aktion.
Schockierender Gewaltexzess: Die Hells Angels in Aktion.
Foto: Bill Owens / Getty Images

Und es wurde noch schlimmer. Marty Balin, Sänger bei Jefferson Airplane, wurde auf der Bühne bewusstlos geschlagen, als er einen Hell’s Angel beim Prügeln störte. Die Flying Burrito Brothers und Crosby Stills, Nash & Young spielen noch, danach wären Grateful Dead dran. Doch die sagen ab, wollen in diesem Umfeld, in diesen “Vibes” keine Musik machen. Der heimische Headliner ist raus, bis zum Auftritt der Stones dauert es 75 Minuten, in denen ab jetzt alles passieren kann. “Nicht ihr stärkster Moment”, kommentiert Stones-Mitarbeiter Cutler die Absage der amerikanischen Kollegen lakonisch im Interview mit der "Washington Post". (Pikantes Detail: Nach der Stones-Tour wechselte Cutler die Lager und wurde Tourmanager für Grateful Dead.)  

Und dann: Die Stones. 

Die Stones mit Mick Taylor (Mitte) im Studio in Muscle Shoals, Alabama, kurz vor dem Konzert in Altamont.
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Dead Flowers
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Die Stones mit Mick Taylor (Mitte) im Studio in Muscle Shoals, Alabama, kurz vor dem Konzert in Altamont.
Foto: LW-Archiv

Altamont, l’anti-Woodstock des Rolling Stones, est plus qu’un concert qui finit mal, c’est un moment charnière, un moment terminal : le temps du «flower power» s’achève, une utopie est morte.

Par Gaston Carré

Il faut, pour comprendre Altamont, voir et revoir «Gimme shelter», le film que les frères Maysles ont consacré à ce concert, chant du cygne pour un monde finissant. Et il faut voir et revoir le moment où MickJagger chante «Sympathy for the devil», car c’est le moment le plus ambigu, le moment le plus schizo de l’histoire du rock.

Car Jagger chante et se déhanche à son habitude, il sent que l’ambiance n’est pas bonne, et qu’au rythme de Sympathy vibrent des ondes mauvaises. Bad vibrations, oui, mais Jagger veut y croire encore et continue son cirque, «pleased to meet you», hou-hou, hou-hou, tandis qu’un Hell's Angel, à deux mètres, sur la scène, l’observe d’un regard fou. Le vin cette nuit-là n’est pas bon, l’acide est frelaté, le type écrase ses propres dents, l’écume aux lèvres, et l’on devine son mépris pour ce chanteur qui se trémousse, cet histrion qui n’est pas de son monde, et l’on devine, surtout, que le hiatus qui en cet instant se creuse, entre deux mondes, est le gouffre où toute une époque va s’anéantir.

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Il arrive toujours quelque chose

«Sympathy for the Devil»: Jagger a coutume de dire qu'«il arrive toujours quelque chose de spécial quand nous jouons ce morceau». Là, à Altamont, le chanteur s'interrompt avant le refrain, prenant enfin la mesure des échauffourées qui se multiplient à ses pieds, prenant la mesure aussi de l'énormité de la masse humaine concentrée là, telle que le plus infime mouvement de foule suffirait à écraser comme des mouches les spectateurs agglutinés à la scène.

There’s always something very funny happening, when we start that number.

Mick Jagger

Il faut voir et revoir l'inflexion soudaine de son expression, quand le chanteur, qui dans les premiers instants croit pouvoir jouer encore le maître des cérémonies, appelant posément au calme, comprend que ce festival évolue au bord du précipice. Il faut voir cette expression d'abord hilare et gouailleuse s'assombrir comme tombe un voile, et guetter cet instant si troublant où le doute puis l'effroi figent un visage, et deviner en cette transfiguration, en cette grimace du déniaisement la préfiguration du formidable mouvement de bascule par quoi une chimère va se retourner en son contraire et une fête tourner au drame.

«Brothers and sisters, cool out!»

«Brothers and sisters, cool out! Please cool out!»: Jagger a engendré un monstre et la bête échappe à son emprise, Jagger voit déferler les génies du mal que lui-même venait d'invoquer et procède, par ses appels au calme, à la négation de ce que sept ans durant il n'avait cessé de prôner. «Brothers and sisters, who's fighting and what for? Cool, please cool out»: Jagger implore, et use ce faisant d'une rhétorique déjà caduque, devant ce rassemblement devenu foire d'empoigne, où l'on tabasse, où l'on flippe, soeurs affolées et frères éberlués, comme en catalepsie devant une fureur qui dépasse leur entendement égaré par les trips et le mythe. C'est une folie collective qui s'exaspère sous notre regard, d'aucuns pleurent, d'autres rient comme des déments, quelques-uns prennent la fuite et d'autres dansent encore, en mouvements spasmodiques, comme des zombies piqués d'électrodes.

Un revolver luit dans la nuit

Jagger entonne «Under my Thumb» et la chose arrive, épisode connu, ressassé jusqu'à la nausée: le black à la veste verte, un revolver luit dans la nuit, les Angels se précipitent, une lame de couteau flashe dans la pénombre, le couteau s'abat, le black est à terre, poignardé, les Angels l'achèvent, en meute, rendus fous par l'odeur du sang – Meredith Hunter, 18 ans, est mort massacré.

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Hunter est tué à trois mètres de Jagger, si près des Stones que le cri que pousse sa compagne est capté par leurs micros et porté aux oreilles de la foule incrédule. Les Stones prennent la fuite, pris en charge par un hélicoptère; l'envol de l'appareil, cette débandade de majestés en fuite devant des gueux sont comme une préfiguration de l'évacuation prochaine de Saïgon par les troupes américaines. Jagger dit que si Dieu avait été à Altamont on l'y aurait crucifié.

Pourquoi une époque, l’âge d’or du rock, finit-elle à cet instant-là ? Parce que Jagger, sous le regard de l’ange speedé semble pathétique soudain, un peu ridicule même, et si Jagger est pathétique, si les Stones sont ridicules, c’est le rock tout entier, c’est l’époque qui le porte qui nes ont plus crédibles.

«Let it bleed»

Le reste est Histoire: un désastre en forme de naufrage générationnel, Titanic épileptique, 300.000 jeunes gens coulant dans leur hystérie, lors de ce rassemblement qui devait être fête et dégénéra en amok, en nef des fous sombrant au coda de ces années soixante dont Altamont rédige le testament.

Foto: Robert Altman/Getty Images

L'album «Let it bleed» va submerger l'Amérique et le monde fin novembre et début décembre de cette année-là. Le coeur du siècle va saigner en effet, au souvenir d'un âge d'or qui n'aura duré que quatre ans mais qui quarante ans durant va alimenter de brûlantes et ambivalentes nostalgies.

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"...und übrig bleibt Hass und Schrecken."
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Foto: Getty Images

Am Ende will all das keiner so wirklich gewesen sein. Die Grateful Dead sind ausgestiegen. Die Briten und die Amerikaner unterstellen sich gegenseitig, die Idee für das Konzert gehabt zu haben. Sam Cutler schiebt die Verantwortung für die schlechte Bühnensituation auf Chip Monck, den Bühnenbauer und Lichttechniker der Dead. Der sagt, in der Kürze der Zeit war nichts anderes zu machen - er hatte ja kein Material. 

Die Rolling Stones wären gelyncht worden, wenn sie aufgehört hätten. Wir waren auf einer kniehohen Bühne in der Mitte von 300.000 Leuten. Wie sollten wir da rauskommen? Unmöglich.

Sam Cutler

Die Hell's Angels wiederum sind sauer auf Sam Cutler, den “hysterischen Engländer”, wie Angels-Boss Sonny Barger ihn am Tag danach in einem Radiointerview nennt. Cutler habe die Biker in eine nicht zu beherrschende Situation gebracht. Und Jagger, vor allem Jagger, dieser “Idiot”. Der habe sie für dumm verkauft, so Barger. 

Meredith Hunters Obduktion ergibt, dass er unter Drogen stand. Dass er eine Schusswaffe besaß und damit herumfuchtelte ist unstrittig. Dass er zuvor schon von den Angels böse verprügelt worden war, allerdings auch. Alan Passaro, der Hell’s Angel mit dem Messer, wurde 1971 freigesprochen. Das Gericht attestiert ihm, in Notwehr gehandelt zu haben. Frei war er trotzdem nicht, er saß bereits wegen Drogenbesitz eine Haftstrafe ab. 

Einer der Hell's Angels sagte zu mir: Warum weinst Du um den? Der ist es nicht wert!

Hunters Freundin Patty Bredehoft

 Es habe etwas Heldenhaftes gehabt, wie Passaro auf den Mann mit der Waffe zugelaufen sei, so Grateful-Dead-Drummer Mickey Hart, der trotz der Absage seiner Band hinter der Bühne blieb, um die Stones spielen zu sehen. Alles andere als heldenhaft und auch sicher keine Notwehr war, was danach passierte: Die Rocker prügelten minutenlang auf den schwerverletzten, jungen Afroamerikaner ein, der kurz darauf verstarb. 

Grateful-Dead-Gitarrist Jerry Garcia nannte Altamont im Februar 1970 "die Kehrseite der Medaille von Woodstock", und man könne sicher aus der ganzen Sache lernen. Aber was, das wisse er leider auch nicht.   

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50 Jahre später sagt Keith Richards: “Es war ein Alptraum, nicht nur für uns. Wir waren machtlos. Alle waren machtlos, sogar in gewisser Weise die Hell’s Angels. Es war Anarchie. Es hätte noch viel schlimmer ausgehen können.” 

Foto: Screenshot rollingstone.com

Das Rolling Stone Magazine fasst es in einer Sonderausgabe vom 21. Januar 1970 so zusammen: “Altamont war das Ergebnis von diabolischem Egoismus, Medienrummel, Inkompetenz, Manipulation durch Geld und, grundlegend, fundamentalem Mangel an Menschlichkeit.” Vielleicht hat Garcia doch Recht: Die ausführliche Reportage zu den Hintergründen und Versäumnissen zementiert den Ruf der noch jungen Zeitschrift als ernstzunehmendes Medium. 

Es ist an Greil Marcus, dem vielleicht genauesten Chronisten der Ära und ihrer Ideengeschichte, das richtige Bild zu finden: “Die Sixties waren eine große Welle. In Altamont bricht sie sich, das Wasser läuft zurück und man sieht den ganzen Müll und die toten Fische, die liegenbleiben. Das wortwörtliche Ende der Sixties, Dezember 1969. Und übrig bleibt Hass und Schrecken.”


Verwendete Quellen:

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