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"Der junge Karl Marx": Auf, auf zum Kampf!
Kultur 1 2 Min. 14.10.2017

"Der junge Karl Marx": Auf, auf zum Kampf!

Vicky Krieps (Jenny Marx), August Diehl (Karl Marx, r.) und Stefan Konarske (Friedrich Engels) stellen die Protagonisten in die richtige historische Perspektive.

"Der junge Karl Marx": Auf, auf zum Kampf!

Vicky Krieps (Jenny Marx), August Diehl (Karl Marx, r.) und Stefan Konarske (Friedrich Engels) stellen die Protagonisten in die richtige historische Perspektive.
Foto: Chris Dewitte
Kultur 1 2 Min. 14.10.2017

"Der junge Karl Marx": Auf, auf zum Kampf!

Thierry HICK
Thierry HICK
2018 wird der 200. Geburtstag von Karl Marx gefeiert. Filmregisseur Raoul Peck widmet sich einer noch weitgehend unbekannten Periode eines der wohl größten Denker des 19. Jahrhunderts.

2018 wird der 200. Geburtstag von Karl Marx gefeiert. Filmregisseur Raoul Peck widmet sich einer noch weitgehend unbekannten Periode eines der wohl größten Denker des 19. Jahrhunderts. Entstanden ist ein Historienfilm ohne Umwege und mit reichlich viel Diskussionsstoff.

 Europa ist in der Krise. Zielstrebige Monarchien, blühendes Bürgertum und unterdrückte Arbeiterklassen stehen sich gegenüber. Die expandierende Industrialisierung Europas wird diese Kluft nur noch verstärken. Eine keimende Opposition blüht langsam auf. Proletariat, Profit, Krise, Ausbeutung, Eigentum, Arbeit und Arbeiterklasse: das Vokabular der dialektischen Auseinandersetzung mit dem Erbgut der Vergangenheit wird immer politischer und virulenter.

1843: Der junge Marx muss ins Exil, der politische Druck auf den Journalisten ist zu groß. Der führende Kopf der oppositionellen Junghegelianer lässt sich mit seiner Frau Jenny in Paris nieder. Friedrich Engels, feiner Bourgeois und Sohn eines wohlhabenden Fabrikbesitzers in England, hat zur selben Zeit eine Studie über die Lebensbedingungen der englischen Arbeiterklasse publiziert. Marx und Engels kommen in Kontakt. Aus der ersten konfliktreichen Begegnung entwickeln sich allmählich eine Freundschaft und ein reger Gedankenaustausch, der mit der Veröffentlichung in London des „Manifest der kommunistischen Partei“ ihren Höhenpunkt hat.

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Dialoge, Streitgespräche, politische Statements

Der aus Haiti stammende Regisseur des für einen Oscar nominierten „I Am Not Your Negro“, Raoul Peck, will diese vorrevolutionäre Epoche, diese Aufbruchstimmung in Europa beleuchten. Als Quellen sollen vor allem Briefe und Schriften der beiden damaligen Denker verwendet werden. Die angestrebte realitätsnahe Darstellung der Fakten wird in „Der junge Karl Marx“ zum obsessionellen Leitmotiv. Dialoge, Streitgespräche, politische Statements bestimmen den Ablauf des fast 120-minütigen Streifens.

Raoul Peck sieht sich als historischen Beobachter, er kommentiert oder beurteilt kaum. Diese Rolle soll dem Zuschauer überlassen werden. Ohne minimale geschichtliche Vorkenntnisse ist der Biopic jedoch nur schwer zu verfolgen und zu verstehen.

Für seine drei Hauptfiguren hat Raoul Peck die optimale Wahl getroffen. Mit August Diehl für Karl Marx, Stefan Konarske als Friedrich Engels und Vicky Krieps als Jenny von Westphalen, Marx' Ehefrau, konnte ein starkes Schauspieler-Trio verpflichtet werden.

August Diehl (r, Karl Marx) und Stefan Konarske (Friedrich Engels).
August Diehl (r, Karl Marx) und Stefan Konarske (Friedrich Engels).
Foto: Chris Dewitte

Das perfekte weibliche Pendant

Die Luxemburgerin Vicky Krieps – die sich unter anderem in „Colonia“ an der Seite von Emma Watson behaupten konnte – ist das perfekte weibliche Pendant zu den beiden starken Männerfiguren. Zwischen Liebe und Empathie für den Ehemann und politischem Engagement ist ihr Spiel von der Vielseitigkeit ihrer Rolle geprägt.

Diehl und Konarske verkörpern ihrerseits mit viel Energie ihre jeweiligen Figuren. Raoul Peck macht sich denn auch eine Freude daraus, die Opposition und die Komplizität der beiden aus den verschiedensten Blickwinkeln zu belichten. Die Bilder sind gedämpft nuanciert. Auch wenn es darum geht, die Kontraste zwischen wohlhabendem Bürgertum und leidenden Arbeiterklassen in Szene zu setzen. Prägende Dekore und lang anhaltende Ruhephasen schaffen ein Ambiente, das sich zum narrativen Element entwickeln kann. Dass Marx und Engels auch Menschen voller Emotionen und Leidenschaft waren, über ihr politisches Engagement hinaus – wird schlicht angedeutet.

Der Rhythmus der Geschehnisse wird – bewusst? – gebremst, so als wollte der Regisseur sich voll auf seine Aufgabe als historischer Zeuge konzentrieren. Eine Wahl, die vom Zuschauer nicht nur Interesse, sondern auch viel Ausdauer verlangt.