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Der Inspektor und die Einsamkeit
Kultur 1 3 Min. 28.04.2019

Der Inspektor und die Einsamkeit

Die Serie kommt den Abgründen des banalen und schmalzigen Gefühlskinos gefährlich nahe.

Der Inspektor und die Einsamkeit

Die Serie kommt den Abgründen des banalen und schmalzigen Gefühlskinos gefährlich nahe.
Foto: Netflix
Kultur 1 3 Min. 28.04.2019

Der Inspektor und die Einsamkeit

Marcel KIEFFER
Marcel KIEFFER
Zapping-Kritik der Woche zu "Carlo & Malik": Die zwölfteilige Crime-Serie scheitert bei dem Versuch, Alltagsrassismus in Italien zu thematisieren. Zwischen dem Anspruch der Macher und der Qualität des Endprodukts tun sich doch zu viele Lücken auf, um das Projekt als gelungen zu bezeichnen.

Der Versuch, gewissen hartnäckigen Stereotypen des TV-Seriengeschäfts zu entkommen, ist der neuen, mit der italienischen Rai zustande gekommenen original Netflix-Produktion „Carlo & Malik“ nur ansatzweise gelungen.

Die Idee von Giampaolo Simi und Vittorino Testa, eine Crime-Serie im heutigen Italien zu schreiben, die nicht in die ständigen Mafia-Klischees verfällt und stattdessen eher persönlich motivierte Einzelverbrechen mit der oft dahinter stehenden menschlichen Tragik inszeniert, kann auf Anhieb gefallen, zumal sie mit dem Versuch kombiniert wird, den in dem Land sehr stark verbreiteten Alltagsrassismus zu thematisieren. 

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Allerdings tun sich zwischen dem Anspruch der Macher und der Qualität des Endprodukts doch zu viele Lücken auf, um das Projekt als gelungen zu bezeichnen. Die Geschichte an sich ist banal, doch sie hat Potenzial zu mehr. Als die Polizeidirektion dem römischen Oberinspektor Carlo Guerrieri (Claudio Amendola) den jungen dunkelhäutigen Malik Soprani (Miguel Gobbo Diaz) an die Seite stellt, wird sein hinter grimmiger Bonhomie schwelender latenter Rassismus deutlich.  


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Bei jeder Gelegenheit – ob bei seinen Kollegen im Kommissariat oder im Umgang mit Verdächtigen und Zeugen – trifft Malik auf verletzende Reaktionen und Bemerkungen. Obwohl er sich als hervorragender Ermittler erweist, geben ihm sein Chef Carlo und vor allem dessen langjähriger Vertrauter Mario Muzo (Fortunato Cerlino) Misstrauen und Distanz zu spüren. 

Offensichtliche Parallelen

Als sich zwischen Malik und Carlos Tochter Alba (Rosa Diletta Rossi) eine Romanze anbahnt, nehmen die Spannungen zu. Immer deutlicher bekommt Malik Ablehnung wegen seiner Hautfarbe zu spüren, wobei dem Zuschauer allmählich die tragische Herkunft des jungen Inspektors offenbart wird, der auf einem Flüchtlingsboot von der Elfenbeinküste nach Italien gekommen ist und dabei seine Familie verloren hat. Die Parallele zur heutigen politischen und gesellschaftlichen Realität Italiens ist offensichtlich.

Gerade hier scheitert die Serie leider an der Chance, die angedeutete Einsamkeit des jungen Malik, der vergeblich um Anerkennung und Akzeptanz in dem von Intrigen durchzogenen Kommissariat strebt, in einer weiter führenden und tiefer gehenden Analyse des heutigen Umgangs in Italien mit den Fragen von Rassismus und gesellschaftlicher Integration von Flüchtlingen zu einem gehaltvollen thematischen Gesamtkonzept zu fügen. 


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Stattdessen verzettelt sich die Serie in der Abarbeitung einer über die jeweiligen Einzelfälle gestülpten Rahmenhandlung, wobei es um das auffällige bis verdächtige Verhalten von Carlo im Zusammenhang mit einem mysteriösen Knochenfund geht.

Zwischen den Fronten

Was hat es mit dem seit Jahrzehnten ungelösten Fall der Ermordung eines Danilo Bosca auf sich, in den offensichtlich auch Carlos tot geglaubte Frau und Albas Mutter Clara verstrickt war? Und was hat Carlo bei alldem zu verbergen? So wird bald intern gegen Guerrieri ermittelt, wobei Malik fast zwangsläufig zwischen die Fronten gerät.


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So erschöpft sich das Rassismusthema bald schon auf Kosten eines vordergründigen und in letzter Konsequenz doch sehr stereotypen Spannungsfaktors. Die eigentliche Kriminalgeschichte um den mysteriösen Tod Boscas durch eine Polizeikugel gewinnt die Oberhand, ebenso wie die Frage, wie Malik mit dem Gewissenskonflikt zwischen der Loyalität zu Carlo (und damit auch zu Alba) und dem Auftrag der Polizeidirektorin Micaela Carta (Antonia Liskova), geheim gegen Carlo zu ermitteln, umgeht.

Wer also von der Serie mehr erwartet hat als bloße spannende Unterhaltung, wird die Auflösung der Geschichte, die dann doch schon den Abgründen des banalen und schmalzigen Gefühlskinos gefährlich nahekommt, nicht ohne den Weg für eine nächste Staffel zu bereiten, mit Enttäuschung quittieren. Zumal auch die finale Auflösung der mysteriösen Rahmengeschichte sich der allgemeinen Plattheit der Figurenzeichnungen anpasst. Die schmerzvolle Einsamkeit des schwarzen Flüchtlingsjungen Malik spielt bei all dem keine Rolle mehr.
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„Carlo & Malik“ ist als zwölfteilige Serie auf Netflix abrufbar.





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