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„De Gudde Wëllen“ feiert seinen fünften Geburtstag
Kultur 3 6 Min. 07.12.2019 Aus unserem online-Archiv

„De Gudde Wëllen“ feiert seinen fünften Geburtstag

Damit die Qualität inhaltlich im Gudde Wëllen stimmt, picken sich Luka Heindrichs (l.) und Khalid Bartholomé sehr genau die Acts heraus.

„De Gudde Wëllen“ feiert seinen fünften Geburtstag

Damit die Qualität inhaltlich im Gudde Wëllen stimmt, picken sich Luka Heindrichs (l.) und Khalid Bartholomé sehr genau die Acts heraus.
Foto: Laurent Blum
Kultur 3 6 Min. 07.12.2019 Aus unserem online-Archiv

„De Gudde Wëllen“ feiert seinen fünften Geburtstag

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Zufluchtsort für musikalische Entdeckungen: Szeneinsider feiern "De Gudde Wëllen" für sein Konzept. Der Club feiert am 7. Dezember seinen fünften Geburstag.

„Das ist mein absoluter Zufluchtsort in der Stadt. Die perfekte Kombination von exzellentem Musikgeschmack und passioniertem Partymachen“, sagt Hip-Hopper David Galassi. Lange bevor so ein Abend, von denen der Künstler so schwärmt, in dem kleinen Obergeschoss-Saal des Gudde Wëllen überhaupt stattfinden kann, haben die Vorarbeiten das Team in der Luxemburger Altstadt ordentlich auf Trab gehalten.

Künstlerinnen wie Claudine Munospielen im ersten Stock von „De Gudde Wëllen“) in intimer Atmosphäre und ganz nah am Publikum.
Künstlerinnen wie Claudine Munospielen im ersten Stock von „De Gudde Wëllen“) in intimer Atmosphäre und ganz nah am Publikum.
Foto: Laurent Blum

Seit fünf Jahren gelingt ihm ein Balanceakt – zwischen Attraktivität für das Publikum und dem Engagement für die Musik; nicht ohne Stolz, eine Alternative bieten zu wollen – auch gegen den Massengeschmack und rein kommerzielle Interessen.

Alles für gute Bands

Die Programmverantwortlichen Luka Heindrichs und Khalid Bartholomé planen die Events, schaffen Raum für Luxemburger Acts und haben die Booker internationaler Bands und Konzertagenturen Monate im Voraus davon überzeugt, ihre Künstler ins Großherzogtum zu schicken.


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 „Das Engagement generell, eine gute Erreichbarkeit für die Abwicklung und die Betreuung vor Ort müssen stimmen, sonst bekommt man keine Künstler mehr“, hält Heindrichs, der unter anderem auch als Mastermind hinter dem Festival Food For Your Senses verantwortlich war, kurz und knapp fest. Zusammen mit Ben Thommes und Jaakes Hoffmann hat er 2014 den Club, einst das „ Péché Mignon “, „d:qliq“ oder auch „Serge“ übernommen. Das fünfjährige Bestehen soll morgen kräftig gefeiert werden.

Musikalischer Gast der Geburtstagsfeier ist Mezerg:

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Selbst einen Schlafraum für Bands gibt es. „Und einen Backstageraum, der legendär ist“, sagt Jazzer Pascal Schumacher, der die nahe Atmosphäre zum Publikum wertschätzt. „Eines meiner ersten Konzerte habe ich dort noch in Zeiten des "Péché Mignon"gespielt und mich verbindet bis heute sehr viel mit dem Ort.“  

Die Bar im Erdgeschoss wird auch für Performances genutzt.
Die Bar im Erdgeschoss wird auch für Performances genutzt.
Foto: DGW

Wichtig sei, so Heindrichs, das Vertrauen, dass vor Ort ein interessiertes Publikum zuhören wird und der Club unter Insidern einen guten Ruf hat. Und das muss immer neu bestätigt werden. Selbst wenn es am Standort eben schon ähnliche Konzepte und Strukturen gab, stehen die Betreiber persönlich als Gesicht für den Club. Dann ist es auch notwendig eine Hand mit anzupacken, wenn die Bands anreisen. „Wir haben ein Logistik-Problem in der Altstadt und müssen, wenn die Acts kommen, alles in wenigen Minuten ausladen können. Eine andere Anliefermöglichkeit gibt es leider nicht.“

„Qualität“

Seit fünf Jahren in der Rue du Saint-Esprit, aber schon länger ein Musicclub: "De Gudde Wëllen" hatte unter anderem mit den "d:cliq" einen Vorläufer, der sich an gleicher Stelle schon stark für die Musik einsetzte.
Seit fünf Jahren in der Rue du Saint-Esprit, aber schon länger ein Musicclub: "De Gudde Wëllen" hatte unter anderem mit den "d:cliq" einen Vorläufer, der sich an gleicher Stelle schon stark für die Musik einsetzte.
Foto: Laurent Blum

Zum Geld verdienen komme kaum ein Künstler in den Club, der inzwischen im Jahr rund 90 Veranstaltungen in der Rue du Saint-Esprit bietet. „Es geht eher darum, die Reichweite der Acts zu stärken“, sagt Heindrichs offen. Und durch die Eintrittsgelder allein seien die Unkosten und Gagen nicht zu decken. Das Team in Mannschaftsstärke erhält keine Mittel aus Staatstöpfen wie eine Konvention oder ein Subside – aber eine Pachtermäßigung für den Kulturbetrieb in den alten Mauern. „Und wir kooperieren eng mit der Stadt Luxemburg wie zum Beispiel bei der Open-Air-Bühne zum Nationalfeiertag, die wir programmieren, aber für die Stadt die Kosten trägt.“

Große Gewinne gibt es dennoch beim Gudde Wëllen nicht. „Wir müssen dann Ausgaben und Renovierungen genau im Auge behalten“, hält Heindrichs fest, der bemerkt, „in der Nähe des Mindestlohns“ bezahlt zu werden. Andere Kulturveranstalter nutzen zwar den Club als Veranstaltungsort, doch das letzte Wort haben immer Heindrichs und Co. „Es muss zu uns passen.“

Wer sich in der Luxemburger Szene zum Gudde Wëllen umhört, bemerkt häufig die Wörter „Qualität“ und „Passion“. Das lässt sich auch aus Stellungnahmen anderer Konzertveranstalter (siehe Box) herauslesen. 

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Der Klangtüftler an den Tasteninstrumenten, Jérôme Klein, hat unter anderem mit den Acts Next.Ape, Dillendub, Mad Fox und Metromara im Gudde Wëllen gespielt. Für ihn ist der Platz mitten in der Altstadt einer „der“ musikalischen Entdeckungsorte im Land. „Für uns Musiker ist es einerseits toll so nah am Publikum zu sein. Alles ist da, um ein ausgefeiltes Konzert zu spielen. Und die künstlerische Konzeption dort macht für mich gerade die Diversität aus – Alternative, Hip-Hop, Jazz, Rock, DJs –; immer mit Qualität. Besonders Bands, die kurz vor dem Durchbruch stehen und innovativ arbeiten, fallen auf. Acts wie zum Beispiel ,Tora‘ habe ich dort für mich entdeckt.“

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Georges Goerens, Sänger der Band Seed to Tree, geht auch gerne in den Club, um sich von Bands inspirieren zu lassen. „Wo sonst kann man für acht Euro Bands hören, die musikalisch viel zu bieten haben.“ Und der Club der Rotondes am Bahnhof? „Im Vergleich ist der ja ein Teil des staatlich subventionierten Rotondes-Programm, der eine ganz andere Sicherheit hat“, sagt Goerens. „Es ist wichtig, dass es genau solche mutigen Clubs wie De Gudde Wëllen weiterhin gibt – denn in Deutschland zum Beispiel sterben sie leider immer mehr aus.“ Ähnliche Luxemburger Orte wie einst das Redinger L'Inouï gibt es nicht mehr.

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Die große „De Gudde Wëllen“-Geburtstagfeier steigt am Samstag, dem 7. Dezember, ab 21 Uhr in der Location in der hauptstädtischen Rue du Saint-Esprit. Der Eintritt ist frei. Zum Geburtstags-Linup gehören: Mezerg (FR/Electro), His Dudeness (DJ), Fonclair VS Ralitt (DJ) Kuston Beater VS Legenco, Chook (DJ), Der alte Jäger (DJ) und Hirsto (DJ). Alle Infos unter:

www.deguddewellen.lu



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