Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Das Salz in der Sprachsuppe
Kultur 3 Min. 20.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Das Salz in der Sprachsuppe

Was haben Suppe, Säue, Eisenbahn und der Fußballprofi Andi Möller gemeinsam? Einfach – sie alle haben auf ihre Weise den Weg in den Sprachgebrauch gefunden.

Das Salz in der Sprachsuppe

Was haben Suppe, Säue, Eisenbahn und der Fußballprofi Andi Möller gemeinsam? Einfach – sie alle haben auf ihre Weise den Weg in den Sprachgebrauch gefunden.
Foto: dpa
Kultur 3 Min. 20.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Das Salz in der Sprachsuppe

Sprichwörter und Redewendungen: ausdrucksstarke Bilder und historische Informationen.

(KNA) - Sprichwörter transportieren Lebenserfahrungen und viel Geschichte. Manche der geflügelten Worte erklären sich von selbst. Andere sind für heutige Zeitgenossen ziemlich unverständlich.

Eine alte Stadt: ein Gewinkel aus Gässchen und Plätzen, alten und neuen Häusern, mit Zubauten aus verschiedenen Zeiten. So hat der Philosoph Ludwig Wittgenstein (1889-1951) die Struktur jeder Sprache beschrieben.

Das gilt besonders für die Redewendungen, die jeder Sprache ihre besondere Note geben. Als „Salz in der Sprachsuppe“ bezeichnet sie der Dudenverlag. Denn hinter geflügelten Worte und Redewendungen verbergen sich spannende Geschichten und Lebenserfahrung; sie sind Fenster in vergangene Zeiten und verraten viel über die Gesellschaft, in der sie entstanden sind.

„Allerhöchste Eisenbahn!“  

Autorin Katharina Mahrenholtz erzählt in dem neuen kleinen Buch des Dudenverlags „Allerhöchste Eisenbahn!“ die Geschichte von 100 Redewendungen, die die deutsche Sprache so interessant machen. Denn sie zaubern ausdrucksstarke Bilder in unsere Köpfe. Viele sind selbsterklärend. Den Fels in der Brandung hat jeder sofort genau vor Augen, ebenso wie den Elefanten im Porzellanladen. 


Die Neuinfektionen verlangsamen sich, den Krankenhäusern steht das Schlimmste aber noch bevor, mahnte Paulette Lenert.
Kommunikationsexperte: "Verschiedene Minister reden zu langsam"
Pedro Castilho, Trainer für öffentliche Auftritte, analysiert Gestik und Ausdrucksweise der regierenden Politiker in den Pressekonferenzen seit dem Anfang der Pandemie.

Dass die Redensart „von Pontius zu Pilatus laufen“ eigentlich keinen Sinn ergibt, weiß auch derjenige, der nicht besonders bibelkundig ist. Doch woher kommt die „treulose Tomate“? 

Was meint „mein lieber Scholli“? Dass der Begriff „einen vom Pferd erzählen“ auf die Erzählung vom Trojanischen Pferd zurückgeht, ist nicht unbedingt selbstverständlich. Und um den Begriff „aus dem Schneider sein“ zu durchschauen, muss man etwas von der mittelalterlichen Sozialgeschichte verstehen: Damals galten Schneider als magere, arme Schlucker und typische Verlierer. Wer „aus dem Schneider“ war, hatte es geschafft.

Autorin Mahrenholtz führt die Leser auf amüsante Art zurück in die griechische Mythologie, in biblische Geschichten oder in die Welt der Volksmärchen. „In Sack und Asche gehen“ etwa erinnert an den Propheten Jona, der die Stadt Ninive zur Buße auffordert und Gottes Strafe abwendet. Und wer eine folgenschwere Entscheidung trifft, überschreitet, wie Julius Caesar, sprichwörtlich den Fluss Rubikon.

„Früher war mehr Lametta“

Manche Ausdrücke haben es aus den Sonderwelten der mittelalterlichen Handwerker, aus alten Studentenbräuchen oder der jiddischen Sprache in die deutsche Hochsprache geschafft. „Gäbe es einen Nobelpreis für Redewendungen, dann hätte Luther ihn verdient“, schreibt Mahrenholtz. Ob „Perlen vor die Säue werfen“, „sein Licht nicht unter den Scheffel stellen“ oder „auf Sand bauen“: Durch seine Bibelübersetzung habe er wie kein anderer die deutsche Sprache mit stehenden Ausdrücken, Sprüchen und Wortneuschöpfungen bereichert.

Auch Goethe und Schiller haben den Deutschen zahlreiche Redewendungen beschert: Aus Goethes „Faust“ etwa stammt der Satz „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“. „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“, heißt es in Schillers Lied von der Glocke. 

„Gut gebrüllt, Löwe“  

Auch der Ausdruck „seine Pappenheimer kennen“ stammt vom schwäbischen Dichter. In seinem „Wallenstein“ würdigt der gleichnamige Feldherr aus dem 30-Jährigen Krieg damit das Kavallerieregiment des Grafen zu Pappenheim. Erst später macht die deutsche Sprache aus dem Lob eine abschätzig-ironische Bemerkung über Menschen, deren Schwäche man genau zu kennen glaubt. So zeigt sich, dass viele Sprichwörter im Lauf der Zeit ihre Aussage verändert haben.


Auch wenn man in manchen Cafés in Berlin noch auf Englisch bestellen muss, gehört Deutsch immer häufiger zum guten Ton.
Hippes Deutsch: Sprachschulen für Selbstzahler boomen
Grammatikfibeln, Verben deklinieren, Wort-Ungetüme buchstabieren: Deutsch zu lernen war für viele Einwanderer lange nicht Priorität. Das hat sich geändert.

Äußerst einflussreich war allerdings auch ein nicht-deutscher Dichter. Ob „Gut gebrüllt, Löwe“, „Mein Königreich für ein Pferd“ oder „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage“: Von William Shakespeare haben es viele Wörter und ganze Sätze in den deutschen Alltagswortschatz geschafft.

Mit „Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien“ hat es etwa Fußballprofi Andi Möller zu einem etwas zweifelhaften Erfolg gebracht.
Mit „Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien“ hat es etwa Fußballprofi Andi Möller zu einem etwas zweifelhaften Erfolg gebracht.
Foto: Reuters

Sprichwörter und Redewendungen  

Sprache lebt. Und deshalb werden auch ganz aktuelle Sätze zu Sprichwörtern und Redewendungen – mal gewollt und mal unfreiwillig. Mit „Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien“ hat es etwa Fußballprofi Andi Möller zu einem etwas zweifelhaften Erfolg gebracht. Und wer kennt nicht „Die spinnen, die Römer“ aus den Asterix-Heften? Loriots geflügeltes Wort „Früher war mehr Lametta“ hat wegen Urheberrechts-Streitigkeiten schon die Gerichte beschäftigt. Und von Barack Obamas Wahlkampfslogan „Yes we can“ ist es nicht weit bis zu Kanzlerin Merkels Versicherung in der Flüchtlingskrise „Wir schaffen das“. 

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.