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Das Mudam-Programm 2017: Von Tony Cragg bis Su-Mei Tse
Enrico Lunghi (2.v.r.) stellte mit seinem Team das Programm des Mudam 2017 vor.

Das Mudam-Programm 2017: Von Tony Cragg bis Su-Mei Tse

Foto: Steve EASTWOOD
Enrico Lunghi (2.v.r.) stellte mit seinem Team das Programm des Mudam 2017 vor.
Kultur 3 Min. 01.12.2016

Das Mudam-Programm 2017: Von Tony Cragg bis Su-Mei Tse

Marie-Laure ROLLAND
Marie-Laure ROLLAND
Es sollte der letzte Auftritt des scheidenden Mudam-Direktors werden: Enrico Lunghi und sein Team stellten das Programm des Museums für 2017 vor.

(mlr/dco/C.) Die Antwort auf die unklaren Perspektiven und die ungelöste Frage nach dem „Was nun?“ wird weiter über dem Mudam schweben. Vor dem Hintergrund der Affäre um das RTL-Interview stellte der scheidende Mudam-Direktor Enrico Lunghi noch seine letzten kuratorischen Projekte für das Museum am 1. Dezember in einer Pressekonferenz vor. An seiner Seite: die Kuratoren Christophe Gallois, Marie-Noëlle Farcy und Clément Minighetti, die die Leitlinien nun weiterführen, die ihr scheidender Direktor noch mitgestalten konnte. Bis 2018/19 sind schon Ausstellungen geplant, im Fokus der Pressekonferenz standen aber die Schauen 2017.

Der britische Star-Bildhauer Tony Cragg zu Gast

Im Jahr 2017 darf das Publikum sich auf drei Höhepunkte im Veranstaltungskalender des Mudam freuen. Den Anfang macht im Februar (ab dem 11.2. bis 3.9.2017) die monografische Ausstellung des international bekannten Bildhauers Tony Cragg, die in den oberen Galerien sowie im Grand Hall zu sehen sein wird und Teil einer Reihe von Einzelausstellungen zu Künstlern aus der Sammlung des Mudams ist.

Tony Cragg: Forminifera, 1994.
Tony Cragg: Forminifera, 1994.
Photo: Rémi Villaggi

Gleichzeitig zur Ausstellung von Tony Cragg laufen zwei weitere Einzelausstellungen. Die erste zeigt das vielgestaltige Werk von Darren Almond (vom 11.2. bis 14.5.2017, Fotografien, Skulpturen, Gemälde, Videoinstallationen), dessen Umgang und Verständnis von kosmischer, geologischer und menschlicher Zeit zentrale Fragestellung ist. Bei der zweiten Ausstellung werden Arbeiten des jungen Fotografen Samuel Gratacap  (vom 11.2. bis 14.5.) präsentiert, die um Themen von brennender Aktualität kreisen: Es geht um Flüchtlinge und ihre Fluchtwege. Der erste Höhepunkt des Mudam-Jahres wird so von Arbeiten dreier Künstler aus unterschiedlichen Generationen geprägt, die sich auch in Praxis und Fragestellungen grundlegend unterscheiden. Das Mudam bleibt sich in seiner Offenheit also auch weiterhin treu.

Ad Reinhardt und seine grafischen Arbeiten

Ab Juni 2017 bekommen die Besucher des Mudam Gelegenheit, mit den Zeichnungen des amerikanischen Künstlers Ad Reinhardt (17.6.2017 bis 21.1.2018) einen weitgehend unbekannten Aspekt dieses bedeutenden Vertreters der amerikanischen Abstraktion kennenzulernen und sich mit der Wirkung seiner Satiren in der heutigen Zeit zu beschäftigen. 

Ad Reinhardt: Untitled, 1943.
Ad Reinhardt: Untitled, 1943.
Photo: Estate of Ad Reinhardt, New York

Gleichzeitig präsentiert das Mudam Arbeiten von zwei Künstlern, die in ihrem Schaffen ganz andere Wege beschreiten. Martin Eder (17.6. bis 10.9.2017) bewegt sich im Grenzbereich zwischen bildender Kunst, Musik und Performance, während Mary Reid Kelley (17.6. bis 10.9.2017) sich für ihr Werk von den frühen Jahren des Films und vom Theater inspirieren lässt. Außerdem werden weitere Teile der Mudam Sammlung im Rahmen einer thematischen Ausstellung rund um den Begriff der Erzählung  (17.6. bis 10.9.2017) präsentiert. 

Le retour de Su-Mei Tse

Den dritten Höhepunkt im Programmjahr 2017 bilden zwei Projekte von beachtlichem Umfang: Die für die Künstlerin Su-Mei Tse (7.10.2017 bis 8.4.2018) vom Museum konzipierte monografische Ausstellung ist exemplarisch für das Engagement des Mudam für die Künstler aus dem Großherzogtum. Zum einem unterstützt das Haus die Künstlerin bei der Produktion neuer Werke, zum anderen verschafft es ihren Arbeiten Sichtbarkeit auf internationaler Ebene: So ist es der Initiative des Mudam zu verdanken, dass die Ausstellung im Frühjahr 2018 im Aargauer Kunsthaus und damit in einem bedeutenden Schweizer Museum zu sehen sein wird.

Su-Mei Tse: "Pays de neige", vidéo, 2015.
Su-Mei Tse: "Pays de neige", vidéo, 2015.
Photo: Su-Mei Tse

Flatland / Abstractions narratives #2  (7.10.2017 bis 15.4.2018) wiederum ist das Ergebnis eines ehrgeizigen Forschungsprojekts zweier Gastkuratorinnen. Die Schau nähert sich der Abstraktion als einer der zentralen Fragen des 20. Jahrhunderts aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive und beschäftigt sich mit dem Konzept der Erzählung und ihrer Einbettung in das Reale. In diesem Kontext werden Werke von Künstlern zu sehen sein, die eine Vielzahl formeller und konzeptueller Gemeinsamkeiten aufweisen.

Grenzübergreifendes Zusammenarbeiten

Parallel zum Ausstellungsprogramm wird das Museumsjahr durch eine Reihe von Kulturveranstaltungen geprägt. Das Mudam bietet zahlreiche einzigartige Plattformen, in denen sich Genres und Disziplinen überlagern, so zum Beispiel das After-Work-Event Up To Eleven oder der zweimal jährlich stattfindende Designmarkt Marché des créateurs, der seit 2010 die Begegnung zwischen innovativen Designern und der Öffentlichkeit fördert.

Darüber hinaus setzt das Mudam auch weiterhin auf fruchtbare Kooperationen mit Institutionen und Veranstaltungen wie d'stater muséeën, Luxembourg City Film Festival, CinEast, Luxembourg Art Week oder Rainy Days und leistet auch auf dieser Ebene einen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben in Luxemburg. So organisiert das Mudam etwa anlässlich der Luxembourg Art Week 2017 gemeinsam mit dem Centre Pompidou-Metz ein Wochenende der zeitgenössischen Kunst in der Großregion unter dem Titel Est Express.


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Itv Enrico Lunghi (10e anniv Mudam), Foto Lex Kleren