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Das Geheimnis der toten Nonne: Wer tötete Schwester Cathy Cesnik?
Kultur 1 3 Min. 25.06.2017

Das Geheimnis der toten Nonne: Wer tötete Schwester Cathy Cesnik?

Schwester Cathy Cesnik (1942-1969). Musste sie sterben, weil sie zu viel wusste?

Das Geheimnis der toten Nonne: Wer tötete Schwester Cathy Cesnik?

Schwester Cathy Cesnik (1942-1969). Musste sie sterben, weil sie zu viel wusste?
FOTO: NETFLIX
Kultur 1 3 Min. 25.06.2017

Das Geheimnis der toten Nonne: Wer tötete Schwester Cathy Cesnik?

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Ein rätselhafter, bis heute unaufgeklärter Mord an einer beliebten Schulschwester hat in einem katholischen Lyzeum in Baltimore Ungeheuerliches ans Tageslicht befördert. In einer investigativen Dokumentarserie betreibt Netflix eine fesselnde Wahrheitssuche.

Von Marcel Kieffer

Nur vier Wörter zieren ihren Grabstein: Sister Catherine Cesnik S.S.N.D. 1942-1969. Eine schlichte Erinnerung an einen wunderbaren Menschen und an eine große Tragödie – an einen geheimnisvollen Mordfall, der seit fast 50 Jahren die Öffentlichkeit in den USA beschäftigt und nun auch in Form einer Netflix-Dokumentarserie in seiner erschütternden Unbegreiflichkeit wieder auflebt.

Ein in all seinen Einzelheiten rätselhafter und bis heute unaufgeklärter Mord, hinter dem sich die dunklen Abgründe eines in seinen Ausmaßen noch immer nicht ganz absehbaren Missbrauchsskandals auftun, der vor allem auf das Erzbistum Baltimore, aber auch die US-Ermittlungs- und -Justizbehörden ein mehr als trübes Licht wirft.

Es geht um die Wahrheit in dieser hervorragend gemachten, auf akribischen Untersuchungen beruhenden investigativen Dokumentation, in der Regisseur Ryan White spannend und eindringlich die Opfer porträtiert, Zeitzeugen zu Wort kommen lässt, verdächtigen Spuren und offenen Fragen nachgeht. Es geht um eine immer wieder dem Begreifen entfliehende Wahrheit und dabei vor allem um die Frage, was alles hätte vermieden werden können, wenn rechtzeitig und verantwortlich gehandelt worden wäre. Auch Cathy Cesnik könnte dann noch am Leben sein ...

Zwei unerschrockene Frauen

„The Keepers“ ist die aufrüttelnde Dokumentation der unerschrockenen und unermüdlichen Spurensuche zweier Frauen, – Gemma Hoskins und Abbie Schaub – die Schwester Cathy in den 1960er-Jahren am katholischen Keough-Gymnasium in Baltimore als Schülerinnen kennen und schätzen gelernt hatten. „Sie war die Verkörperung von Güte und Mitfühlen.

Sie hatte die Gabe, deine Seele zu besänftigen und gab dir den Mut dazu, dich als Person und Individualität zu verwirklichen“, sagen sie noch heute. Mit dem plötzlichen Verschwinden der beliebten Nonne am 7. November 1969 und dem Auffinden ihrer Leiche knapp zwei Monate später haben sie sich bis heute nicht abgefunden, nicht zuletzt auch deshalb, weil sich hinter dem brutalen Mord weitere dunkle Geheinisse auftun, an deren Aufklärung offenbar viele nach wie vor kein Interesse haben.

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Ans Licht gebracht haben dennoch die beiden mutigen Frauen so manches in der Folge des rätselhaften Verbrechens an Schwester Cathy. Musste diese sterben, weil sie einen notorischen Missbrauchstäter und Vergewaltiger, den Schulseelsorger am Keough-Gymnasium, Father Joseph Maskell, stoppen wollte? Spur für Spur gehen „The Keepers“ dem Verdacht nach, der auch dank dem bewundernswerten und entschlossenen Auftreten damaliger Missbrauchsopfer in die erschütternde Erkenntnis unvorstellbarer Verbrechen hinter den Mauern des Keough-Gymnasiums mündet.

Nach einer Brief-Aktion mehr als 20 Jahre nach dem Mord an Schwester Cathy lösten sich die Zungen damaliger traumatisierter Opfer, wobei vor allem die Zeugnisse der mit zynischer Diabolik von Maskell missbrauchten Jean Wehner dem Zuschauer nahe gehen. Die Medien wurden aufmerksam, die Gerichte schalteten sich ein, doch legten sich Erzbistum Baltimore und Ermittlungsbehörden in einer Weise quer, die stutzig macht und an ihrem ehrlichen Willen zweifeln lässt, Maskell tatsächlich zu bestrafen und den Opfern, die sich in immer größerer Zahl zu erkennen gaben, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Mit allen Mittel vertuscht?

Und was für einen in seinen Ausmaßen nicht mehr zu ignorierenden Missbrauchsskandal zutraf – Maskell wurde immer wieder vom Erzbistum geschützt und starb schließlich, ohne dass er sich je hatte vor der Justiz verantworten müssen – war auch für den Mord an Schwester Cathy wahr. Waren viele nicht doch weniger an der Wahrheit als an deren Vertuschung interessiert? War sie Opfer des brutalen Maskell geworden, vor dem sie die Kinder von Keough in Schutz nehmen wollte? Hatte dieser die junge Jean wirklich zu ihrer Leiche geführt, um ihr seine Allmacht zu beweisen? War der mysteriöse Bruder Bob der Mörder, dem Maskell, so wie anderen, Kinder zuführte? Oder führte die Spur vielleicht doch in andere Richtungen?

Bei ihren von den Behörden wenig unterstützten Nachforschungen sind Gemma Hoskins und Abbie Schaub auch auf zwei gewaltbereite Sonderlinge gestoßen, deren auffälliges Verhalten auf ihre Täterschaft schließen könnte. Andere Fragen tun sich auf, die Glaubwürdigkeit von Zeugen wird plötzlich erschüttert. Der Fall, der noch heute als „cold case“ von den Behörden nicht definitiv zu den Akten gelegt ist, wird mit jedem Jahr zum immer größeren, dunkleren Mysterium. Ein Mysterium um den Mord an einer mutigen Nonne, vor allem aber, so Gemma und Abbie, um ein Verbrechen, das es mit allen Mittel zu vertuschen galt.

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„The Keepers“ ist als siebenteilige Serie auf Netflix abrufbar.

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