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"Das Ding aus dem Meer": Totentanz von Nosbusch und Feit
Kultur 2 Min. 12.01.2016

"Das Ding aus dem Meer": Totentanz von Nosbusch und Feit

Ein Boot wird der Partygesellschaft zum Verhängnis.

"Das Ding aus dem Meer": Totentanz von Nosbusch und Feit

Ein Boot wird der Partygesellschaft zum Verhängnis.
Foto: Foto: Guy Jallay
Kultur 2 Min. 12.01.2016

"Das Ding aus dem Meer": Totentanz von Nosbusch und Feit

Hartes deutschsprachiges Theater: Laura Schroeder stellt aktuell im Kapuziniertheater ihre Version von Kricheldorfs "Das Dina aus dem Meer" vor. Unsere Kritikerin Maria Falkner hat sich das Stück angeschaut.

Von Maria Falkner

Aufeinanderprallende Gesellschaftsentwürfe und starke Persönlichkeiten bekamen die Zuschauer am Premierenabend von Rebekka Kricheldorfs „Das Ding aus dem Meer“ geboten. Unter der Regie von Laura Schroeder wurde das Kapuzinertheater zum Schauplatz einer apokalyptischen Farce, die sich auf einem Partyschiff abspielt und fünf Charaktere in den Fokus nimmt.

Titelfigur ist „das Ding“, das in der Tiefe lauert und das sich intellektuell nicht begreifen lässt. Es ist weder für die Zuschauer noch für die fünf Personen an Bord tatsächlich erkennbar, denn für jeden Partygast ist dieses „Etwas“ etwas anderes.

Luc Feit und Désirée Nosbusch sind als Carla und Boris auf einem Partyboot auf dem offenen Meer gefangen.
Luc Feit und Désirée Nosbusch sind als Carla und Boris auf einem Partyboot auf dem offenen Meer gefangen.
Foto: Guy Jallay

Für die soeben beförderte Oberärztin Carla (Désirée Nosbusch) gibt sich das Ding anfangs noch als Fisch zu erkennen. Ihr schmieriger Sexualgefährte Boris (Luc Feit) sieht in ihm jedoch vielmehr eine bewegliche Insel mit größter Anziehungskraft.

Dunkler Ritt Richtung Katastrophe

Carlas Sohn Ronnie (Timo Wagner), der so gerne Ronald genannt werden möchte, erklärt das „Etwas“ zum würdigen Gegner, den er in seinen Computerspielen so vehement vermisst und beginnt es zu mästen, um seine Bekämpfung noch schwieriger zu gestalten.

Individueller könnte das Bild vom Ding also nicht sein. Serviermädchen Mimi (Anouk Wagener) nimmt es als schleimiges Ding wahr und einzig Bernice (Sabine Vitua), Carlas beste Freundin, behält die Kontrolle und kommentiert die Ereignisse in ein Diktiergerät.

Wahrer Psychokrieg

„Das Ding aus dem Meer“ ist ein Kammerspiel. Das Schiff ist der einzige Schauplatz, auf dem die fünf Schauspieler ihren Psychokrieg austragen und ohne großes Dekor auskommen müssen.

Die Szenerie ist angenehm spartanisch und die Dialoge der Protagonisten stehen im Vordergrund. Auf die groß angekündigte Härte und Schärfe von Kricheldorfs Sprache wartet man hingegen vergeblich. Sie ist Alltagssprache und die meisten Bürowitze sind vermutlich schlimmer. Lediglich das misogyne Mundwerk von Boris fällt auf. So stellt er nach mehreren missglückten Annäherungsversuchen an Mimi fest, dass er eigentlich nur mehr an Frauen über 40 interessiert sei, deren Körper nicht mehr nach Babys schreien.

Feit besetzt seine Rolle mit einer sarkastischen Bösartigkeit, die er äußerst unbefangen und lässig zu spielen vermag. Boris’ Machosprüche finden beim Publikum Gefallen und auch Feit selbst hat Spaß an der Darstellung seiner Figur.

Nosbusch als "Karrierepute"

Seine erfolgreiche Rollenpartnerin Carla ist Brunos Antonym, eine gefühlskalte und rational kalkulierende Frau. Glaubhaft mimt Nosbusch diese Karrierepute, die selbst ihrem psychisch labilen Sohn keine Zuneigung entgegenbringt. Dieser wird von Timo Wagner als jugendlicher Komplexhaufen mit schweren psychischen Problemen verkörpert, der erst durch das „Ding“ aufzublühen vermag.

Das Schauspielensemble: Désirée Nosbusch, Luc Veit, Sabine Vitua,  Anouk Wagener (v.l.n.r) und Timo Wagner (vorne).
Das Schauspielensemble: Désirée Nosbusch, Luc Veit, Sabine Vitua, Anouk Wagener (v.l.n.r) und Timo Wagner (vorne).
Foto:Guy Jallay

Dabei spielt Wagner wohl am unkonventionellsten den muttergeschädigten Jungen. Einzig an Kellnerin Mimi findet er Gefallen, die als anfänglicher Gegenpol die einzig positive, jedoch naive Gestalt an Bord ist.

Fünf Persönlichkeiten, fünf Gesellschaftsbilder und ein „Ding“. Letztendlich wird das Partyschiff zur Szenerie eines Katastrophenspiels, dem durch die großteils langjährige Spielroutine der Darsteller das wirklich Katastrophale abhanden kommt.

Obwohl nur wenige Partygäste das „Ding aus dem Meer“ überleben, bleibt das Stück zwar ein bitterböses, aber dennoch irgendwie lustiges Bühnenspiel.

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Rebekka Kricheldorf, „Das Ding aus dem Meer“, inszeniert von Laura Schroeder; noch am 12. und 13. Januar um 20 Uhr im Kapuzinertheater. Tickets: 20, 15 und 8 Euro. Reservierungen unter Tel 47 08 95 1 und www.luxembourgticket.lu


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