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„Das Boot“: Vicky Krieps über Mut, Mitläufer und Überheblichkeit
Vicky Krieps bei der Premiere der TV-Serie "Das Boot" in den Bavaria Studios.

„Das Boot“: Vicky Krieps über Mut, Mitläufer und Überheblichkeit

Foto: Tobias Hase/dpa
Vicky Krieps bei der Premiere der TV-Serie "Das Boot" in den Bavaria Studios.
Kultur 3 Min. 22.11.2018

„Das Boot“: Vicky Krieps über Mut, Mitläufer und Überheblichkeit

Vicky Krieps spielt in der TV-Serie „Das Boot“ eine interessante Rolle. Soll sie weiter zu den Nazis halten oder den französischen Widerstand unterstützen? Eine Frage, die die Luxemburger Schauspielerin auch privat beschäftigt, aus ganz persönlichen Gründen.

(dpa) - Mitläufertum und Widerstand - in der Familie der Schauspielerin Vicky Krieps gab es im Nationalsozialismus beides. So wie in ihrer Rolle in der TV-Serie „Das Boot“. Die Luxemburgerin spielt die deutsche Übersetzerin Simone, die für den Gestapo-Chef von La Rochelle arbeitet. Während ihr Bruder auf U-Boot-Mission im Atlantik unterwegs ist, kommt sie in Kontakt mit Franzosen, die Widerstand gegen die deutschen Besatzer leisten und gerät in einen Gewissenskonflikt. Wie hätte sich Krieps damals verhalten? „Ich könnte nicht sagen, wie ich reagiert hätte“, sagt sie im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München anlässlich des Starts der Serie bei Sky am Freitag (23. November).

Vicky Krieps, wie intensiv haben Sie sich vor den Dreharbeiten mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt?

Ich habe mich mit der Zeit schon immer viel auseinandergesetzt, aber mit der anderen Seite. Mein Opa, Robert Krieps, war im KZ und hat überlebt. Er wurde dann Politiker und hat als Justizminister die Todesstrafe in Luxemburg abgeschafft. Die Geschichte meiner Großmutter hatte ich bislang ausgeblendet.


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Sie sind Luxemburgerin, aber Ihre Mutter ist Deutsche. Welche Rolle hat deren Familie im Nationalsozialismus gespielt?

Die Familie meiner Mutter waren einfach Kriegsbefürworter. Ihr Vater war Offizier in der Wehrmacht, ihre Mutter war eher eine Mitläuferin. Das wurde in der Familie nie besprochen. Jetzt sind sie leider tot. Aber ich habe alte Fotos und Briefe gefunden und Biografien von anderen Leuten aus dieser Zeit gelesen. Ich habe sehr viel gelernt und dabei gemerkt, wie dünn die Linie ist, die da verläuft zwischen Gut und Böse. Und wie schwer es ist zu sagen, auf welcher Seite man selber stehen würde.

Könnten Sie sagen, wie Sie sich selbst verhalten hätten?

Da bin ich zweigeteilt. Ich könnte nicht sagen, wie ich reagiert hätte. Das waren junge Menschen, die haben an das Gute geglaubt. Sie haben wirklich gedacht, dass diese Nationalsozialisten den Menschen helfen würden. Diese Naivität! Gleichzeitig weiß ich, dass es diesen Moment gab, wo sie sich gegen die Nazis hätten entscheiden können. Man hat immer die Möglichkeit, wenn man ehrlich ist, und das macht es so hart. Man hat Familie, Träume, man möchte gerne tanzen gehen. Man denkt darüber nach, welches Kleid man sich schneidern möchte und nicht so sehr darüber, was da eigentlich los ist in der Welt.


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Fragen Sie sich das selbst auch?

Ja, das frage ich mich heute oft. Wie viel von dem, was gerade passiert, kriege ich überhaupt mit? Wie viel ist schon passiert, wo ich stumm zugestimmt habe, ohne es zu wissen? An wie viele Dinge habe ich mich schon gewöhnt, ohne es zu merken? An rechtspopulistische Sprüche etwa oder daran, dass irgendwo in der Welt wieder ein Diktator gewählt oder ein Journalist eingesperrt wird. Sind wir alle vielleicht den Fluss schon viel weiter runter, als wir eigentlich wissen?

Welche Rolle spielen da Serien wie „Das Boot“, die den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg zum Thema haben?

Ich finde, dass man unendlich über den Krieg erzählen kann, vor allem natürlich immer dann, wenn der Film zeigt, wie grausam Krieg ist. Die Serie zeigt auch die Grauzonen. Die Figuren bewegen sich alle zwischen hell und dunkel, da ist niemand nur gut oder nur böse. Wir werden daran erinnert, dass wir Menschen sind, keine Roboter. Es gibt niemanden, der immer nur funktioniert und immer im Recht ist. Da passieren die Fehler, gerade wenn man denkt, man hat eine weiße Weste, wenn man glaubt, einem kann nichts passieren und man sich auf der richtigen Seite wähnt.