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Das Böse, mitten im Herzen …
Kultur 1 2 Min. 24.02.2019

Das Böse, mitten im Herzen …

"Black Earth Rising" rückt den Genozid in Ruanda in den Fokus

Das Böse, mitten im Herzen …

"Black Earth Rising" rückt den Genozid in Ruanda in den Fokus
Foto: Sophie Mutevelian/BBC/Netflix
Kultur 1 2 Min. 24.02.2019

Das Böse, mitten im Herzen …

Marcel KIEFFER
Marcel KIEFFER
Ein Gesamtkunstwerk im Serienformat: spannendes und herausragendes Crime-Epos zum Genozid in Ruanda

Der Völkermord in Ruanda als Thema für spannende TV-Serien-Unterhaltung, kann das funktionieren im Respekt einer menschlich und historisch erschütternden, von einer Millionen Opfern verkörperten Tragik? Mit „Black Earth Rising“ liefert Hugo Blick einen positiven, filmisch und thematisch überzeugenden Beweis.

25 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda wirken die Konsequenzen eines der mörderischsten Kapitel in der Menschheitsgeschichte bis heute nach. Indem Netflix diese Thematik im Rahmen einer Eigenproduktion als achtteilige Serie aufgegriffen hat, wird ein Qualitätsanspruch unter Beweis gestellt, der im oft seichten Seriengeschäft keine Selbstverständlichkeit ist.

Mit „Black Earth Rising“ ist dem britischen Autor und Regisseur Hugo Blick in Kooperation mit BBC und Netflix in der Tat ein herausragendes Opus gelungen, in dem sich Spannung, Politik, Verbrechen und Historie zu einem bemerkenswerten Ganzen fügen. Hitchcockartig tritt Blick in der eigenen Serie als zynischer Anwalt eines Massenmörders auf. Mit passend eingefügten grafischen, bildlichen und rhetorischen Sequenzen, die die Tragik des thematischen Rahmens vielfach, ebenso eindrucksvoll wie einfühlsam zum Ausdruck kommen lassen, gerät diese Serie zu einem filmischen Gesamtkunstwerk, dem Leonard Cohens „You Want It Darker“ als Titelsong die passende Note verleiht.

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Die Handlung verknüpft geschickt scheinbar zusammenhanglose Fälle und Einzelschicksale zu einem kohärenten Bild über Ursachen, Umstände und Folgen des unbeschreiblichen Völkermordes, bei dem im Jahr 1994 Milizen des Hutu-Volkes bis zu einer Million Angehörige der Tutsi-Ethnie sowie moderate Hutus niedermetzelten. Die Aufarbeitung dieses unsäglichen Verbrechens vor dem Internationalen Menschenrechtsgerichtshof in Den Haag bietet den Rahmen der geschickt gestrickten Handlung, die in Europa, den USA und Afrika spielt. Im Zentrum steht die junge Genozid-Überlebende Kate Ashby (Michaela Coel), Ermittlerin am Haager Gerichtshof und Adoptivtochter der dort tätigen Anwältin für internationales Recht Eve Ashby (Harriet Walter).

 Ihre schmerzvolle Konfrontation mit der eigenen Geschichte, den verbleibenden Rätseln und nach und nach an die Oberfläche dringenden Lügen über all das, was damals wirklich in Ruanda geschah, stehen im Zentrum einer sich vielfach verästelnden Geschichte, bei denen die Konturen von Täter und Opfer, Schuld und Unschuld, Leid und Verbrechen, aber auch von echtem Bemühen um Gerechtigkeit und kriminellem politischen Kalkül sich ständig verändern.

Neben Kates Wahrnehmung, dass das Böse, das die Opfer in Ruanda einmal heimgesucht hat, sie nie wieder aus ihren Fängen lassen wird, gewinnt diese hervorragende Serie auch durch ihre geschickte Hinterfragung des kolonialen Selbstverständnisses westlicher Nationen eine bedrückende zeithistorische Dynamik.

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„Black Earth Rising“, acht Teile, auf Netflix.