Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Das „Atelier D“ in Düdelingen: Ein Marktplatz der Ideen
Kultur 3 Min. 31.05.2016

Das „Atelier D“ in Düdelingen: Ein Marktplatz der Ideen

Justine Blau, Marlène Kreins, Nora Wagner und Misch Feinen laden zum Austausch in ihr neues kreatives Zuhause nach Düdelingen ein.

Das „Atelier D“ in Düdelingen: Ein Marktplatz der Ideen

Justine Blau, Marlène Kreins, Nora Wagner und Misch Feinen laden zum Austausch in ihr neues kreatives Zuhause nach Düdelingen ein.
Fotos: Chris Karaba
Kultur 3 Min. 31.05.2016

Das „Atelier D“ in Düdelingen: Ein Marktplatz der Ideen

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
Kalt, feucht, düster: Das „Atelier D“ wirkt auf den ersten Blick wie ein unfertiger Ort. Doch gerade darum geht es den vier Künstlern des Projekts. Das „Atelier D“ soll als ungeschliffene Werkstatt den kreativen Austausch fördern.

Von Pol Schock

Marlène Kreins wirkt besorgt. Seit Stunden regnet es wie aus Eimern und so langsam füllt sich das alte Eisenbahnatelier im „Site du Laminoir“ mit Wasser. Dass dadurch die geplante Eröffnungsfeier unter freiem Himmel des Projekts „Atelier D“ mit Barbecue, Bier und Quinoa-Salat ins Wasser fällt, ist da noch das geringste Problem. Denn die Künstlerin Marlène Kreins arbeitet mit Trennscheiben und Schweißbrennern. Elektrische Maschinen, die nicht in Berührung mit Wasser kommen dürfen.

Erst seit einigen Wochen ist sie im Besitz dieser Werkzeuge, die man eher auf einer Baustelle suchen würde. Sie hatte eine entsprechende Anzeige in der „Musel-“ sowie in der „Sauerzeidung“ geschaltet. Und der Zuspruch darauf war unerwartet groß. Mehr als ein Duzend Anrufe mit Angeboten habe sie erhalten – „vorwiegend ältere Herren.“

Doch nun drohen ihre Secondhandmaschinen, mit denen sie eigentlich vorhatte, in den nächsten Wochen Kunstwerke aus Metall zu erschaffen, im Wasser zu versinken. Doch Hilfe naht, der „Service Technique“ der Stadt Düdelingen rückt mit vier Arbeitern an. Das Wasser wird abgepumpt.

Chris Karaba

Was wie eine Anekdote am Rande klingt, kann eigentlich symptomatisch für das gesamte Projekt des „Atelier D“ stehen. Denn dahinter steckt ein partizipativer Ansatz von vier engagierten jungen Künstlern: Nora Wagner, Misch Feinen, Justine Blau und Marlène Kreins. Sie nutzen für ihr Projekt das Secondhand-Gebäude des „Site du Laminoir“ in Düdelingen, rufen zur Kollaboration mit anderen Künstlern auf, und wenn sie mal gar nicht weiterwissen, suchen sie die Unterstützung der öffentlichen Hand.

Veränderung „von unten“

Das „Atelier D“ bietet seit gestern bis zum 2. Juli am Rande des „Festival de la Culture industrielle et de l'Innovation“ zahlreiche Kunstprojekte mit Workshops, Perfomance-Darbietungen und Ausstellungen. Darunter eine Zukunftswerkstatt „Atelier Utopie“ am 4. und 5. sowie am 11. und 12. Juni. Doch ein einzelnes Projekt hervorzuheben, würde den Charakter der Initiative verkennen. „Es gibt keinen Klimax“ sagt Misch Feinen. Es gilt vielmehr, das „Atelier D“ als Ganzes zu betrachten. Die Philosophie dahinter sei von größerer Bedeutung.

Und tatsächlich bietet das „Atelier D“ einen durchaus innovativen Ansatz. Die vier Künstler haben sich zum Ziel gesetzt, die Zeugnisse der Industriegeschichte zur modernen Agora zu formen – eine Art Marktplatz für Ideen, in dem Fragen des gesellschaftlichen Miteinanders ausgehandelt werden. Und zwar nicht mit „Beton und Geld“ wie beispielsweise im unmittelbar benachbarten Belval, sondern die Veränderung soll „von unten“ kommen. Bestehende Gebäude sollen erhalten bleiben, deren Funktion soll nur kreativ umgedeutet werden.

Sie werfen damit die gleichen Fragen über Urbanismus und Wohnungsbau in Luxemburg auf, wie der Luxemburger Pavillon bei der Architekturbiennale in Venedig. Als Referenz dient dabei das „Rockerill“ in Charleroi. Auch hier wurde mit vergleichbar bescheidenen Mitteln eine alte Industriestädte in einen kreativen Ort umgewandelt.

Chris Karaba

Die vier Künstler haben für ihr Projekt eine Unterstützung von 12 000 Euro von der Stadt Düdelingen erhalten. Das „Atelier D“ soll zunächst bis zum 2. Juli in Betrieb bleiben und steht jedem Besucher zur Besichtigung frei zur Verfügung. Was danach mit dem Projekt sowie mit den Gebäuden, die sei kurzem in der Hand des „Fonds de Logements“ sind, passieren soll, sei noch nicht klar.

Doch allzu gerne würden die vier Künstler aus einer kurzfristigen Idee, eine langfristige Agora etablieren. Doch nun gilt es erstmals, die kleineren Probleme in den Griff zu bekommen – und z. B. Wasser aus dem Gebäude zu pumpen.

www.dkollektiv.org

www.festivalbassinminier.lu


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Kunst füllt Leerstand
Die Gemeinde Düdelingen schloss sich 2017 dem Konzept von Pop-up-Stores und kurzlebigen Galerien an. Sie belebt damit nachhaltig ihr Stadtzentrum, lockt junges Publikum an und setzt sich in Szene.
Lokales, Projekt “Ancienne lingerie silhouette“, Pop-Up store, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
Hariko nach Esch/Alzette umgezogen
Das Kunstprojekt Hariko ist aus Bonneweg ausgezogen. Eine neue Bleibe wurde in Esch gefunden. Hier werden Künstler Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Dafür müssen sie mit Jugendlichen arbeiten.
Einweihung Hariko Auffang- und Jugendzentrum in Esch/Alzette. (Foto: Alain Piron)
Urban Art in der Hauptstadt: Sprayer willkommen
Ob eine Hauswand an der Rue des Capucins, der Durchgang über die Großbaustelle Royal-Hamilius oder ein Luftschacht auf dem Knuedler: Mit bunten Kunstwerken bringen Graffitikünstler Farbe in die Hauptstadt – mit der Unterstützung der Stadt Luxemburg.
Künstler Alain Welter hat das jüngste Werk am Knuedler realisiert.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.