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"Comeback": TV-Serie mit Publikumsverkehr
Kultur 10 4 Min. 27.09.2012

"Comeback": TV-Serie mit Publikumsverkehr

Wer mit Bernard Michaux beruflich zu tun hat, bekommt irgendwann das Gefühl, dass seine Tage länger als 24 Stunden sind. Irgendwie ist ihm nie etwas zuviel. Und falls doch, dann kann er es wirklich gut verbergen. Eigentlich passend, dass der Filmproduzent unter die Gastwirte gegangen ist und mit der „Bouneweger Stuff“ einen Ort geschaffen hat, wo sich so wunderbar die Zeit vergessen lässt. Was innerhalb weniger Wochen zum hippen Treff mit studentischem Flair geworden ist, wird gleichzeitig die Kulisse für die neue Luxemburger Sitcom „Comeback“ sein.

Von Martine Hemmer

Wer mit Bernard Michaux beruflich zu tun hat, bekommt irgendwann das Gefühl, dass seine Tage länger als 24 Stunden sind. Irgendwie ist ihm nie etwas zuviel. Und falls doch, dann kann er es wirklich gut verbergen. Eigentlich passend, dass der Filmproduzent unter die Gastwirte gegangen ist und mit der „Bouneweger Stuff“ einen Ort geschaffen hat, wo sich so wunderbar die Zeit vergessen lässt. Was innerhalb weniger Wochen zum hippen Treff mit studentischem Flair geworden ist, wird gleichzeitig die Kulisse für die neue Luxemburger Sitcom „Comeback“ sein.

Anders als beim Vorgänger „Weemseesdet“, der nach dem Guckkastenprinzip im Studio entstanden ist, wird „Comeback“ zu einem großen Teil an realen Orten gedreht. „Ich hatte nicht von Anfang an vor, eine Kneipe zu eröffnen. Geplant war zunächst, dass die Produktion für die Zeit der Dreharbeiten ein Café mietet“, erzählt Bernard Michaux. Dann haben wir diese tolle Eck-Kneipe mit einer leer stehenden Wohnung im ersten Stockwerk gefunden. Daraus ist die Idee entstanden, an einem öffentlich zugänglichen Ort zu drehen.“ Dadurch, dass die „Stuff“, wie sie bereits umgangssprachlich genannt wird, von dienstags bis sonntags eine ganz normale Kneipe ist, wird nur montags im Gastbereich gedreht. An den anderen Tagen zieht das Fernsehteam entweder eine Etage höher, in die fiktive WG der Hauptfiguren, oder arbeitet im Freien.

Über die Mattscheibe hinaus. Das erfordert einen größeren logistischen Aufwand, von dem aber das Gesamtkonzept der Sitcom abhängt. Als Vorbilder nennt Bernard Michaux US-Serien wie „How I Met Your Mother“ oder „Modern Family“, die den Pfad der konventionellen linearen Erzählung verlassen. Darüber hinaus soll „Comeback“ keine Einwegkommunikation werden, wie man sie klassischerweise vom Fernsehen gewohnt ist. „Wir bedienen uns der Strategie des transmedialen Erzählens“, erklärt Bernard Michaux, der nach seinen Abschluss an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen die Produktionsfirma Lucil Film gegründet hat. „Was wir machen, hat es in der Form im Fernsehen noch nicht gegeben.“ Vom Prinzip her funktioniere das folgendermaßen: Die TV-Geschichte, die in jeweils 24 Minuten wöchentlich über die Mattscheibe flimmert, ist der rote Faden für ein viel größeres narratives Konstrukt, das sich neben dem Fernsehen aller erdenklichen Medien bedient, vor allem jedoch des Internets, wo ein direkter Austausch mit dem Publikum möglich ist. Was jetzt noch recht theoretisch und verkopft klingt, soll sich dem Zuschauer aber nach und nach erschließen und ihn immer tiefer in die Story hineinziehen.

Bernard Michaux, der bereits bei der erfolgreichen Vermarktung des Kinderfilms „D’Schatzritter an d’Geheimnis vum Melusina“ ein Näschen für effiziente PR-Strategien bewiesen hat, verspricht sich einen regelrechten Hype in den sozialen Medien. Über die Facebook-Seite erhalten die Fans der Serie zum Beispiel Informationen, die sie sonst nirgendwo finden. Dort können Sie auch mit den Protagonisten in Kontakt treten und selbst zum Serienmacher werden, in dem sie sich kritisch über die Sitcom äußern. Da die Folgen immer nur eine Woche im Voraus gedreht werden, kann die Produktion die Anregungen der Zuschauer aufgreifen. Auch offline soll sich der Fan einbringen und sogar persönlich Teil der Sitcom werden, indem er an Veranstaltungen wie Konzerten teilnimmt, die wiederum in die Handlung einfließen. Auf aktuelle Ereignisse wollen die „Comeback“-Macher spontan reagieren. Freitags ist natürlich auch in der „Stuff“ „Comeback“-Gucken angesagt. So wie sich in vielen Städten Deutschlands die Fans zum „Tatort“ am Sonntagabend treffen, kann man beim „Public Viewing“ die Sitcom in großer Runde verfolgen. Worum es in der Serie eigentlich geht, darum macht er zurzeit noch ein großes Geheimnis. Nur soviel verrät er: „Es beginnt damit, dass drei Freunde nach einer durchzechten Nacht eine Wette abschließen, die ihr Leben verändern wird.“ Über die Bedeutung des Titels schweigt er sich derweil aus. „Das wird die große Überraschung“, sagt er.

Unverbrauchte Gesichter. Für die Hauptrollen hat er drei junge Schauspieler quasi von der Schulbank weg gecastet: Für Julie Kieffer und Konstantin Rommelfangen ist „Comeback“ der erste professionelle Auftritt vor der Kamera, obwohl sie ihr Können schon im Jugendtheater bewiesen haben. Tommy Schlesser hatte bereits mehrere Auftritte in Kurzfilmen und hat als Werbemodel gearbeitet. Das Durchschnittsalter am Set dürfte nicht weit über 25 Jahren liegen. Zu den Drehbuchautoren gehören neben Head-Writer Frédéric Zeimet, der als Ko-Autor auch an der Luxemburger Krimiproduktion „Doudege Wénkel“ (ab 3. Oktober im Kino) beteiligt ist, Eric Lamhène, Thierry Faber und Kim Schneider. Wie schon bei „Weemseesdet“ werden auch diesmal wechselnde Regisseure die einzelnen Folgen inszenieren: Eric Lamhène, Christophe Wagner, Jacques Molitor, Loïc Tanson, Eileen Byrne, Beryl Koltz, Thierry Besseling und Govinda van Maele – sozusagen das Beste, was Luxemburg derzeit an jungen Filmemachern zu bieten hat.