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Cindy Sherman sucht schöne Hässlichkeit
Kultur 1 2 Min. 19.01.2019

Cindy Sherman sucht schöne Hässlichkeit

Künstlerin Cindy Sherman lichtet sich am liebsten selbst ab - und entblößt die Stereotypen unseres Alltags.

Cindy Sherman sucht schöne Hässlichkeit

Künstlerin Cindy Sherman lichtet sich am liebsten selbst ab - und entblößt die Stereotypen unseres Alltags.
Foto: Getty Images
Kultur 1 2 Min. 19.01.2019

Cindy Sherman sucht schöne Hässlichkeit

Seit Jahrzehnten gehört die US-Amerikanerin Cindy Sherman zu den gefragtesten und erfolgreichsten Künstlern der Welt. Ihr liebstes Foto-Motiv: Sie selbst, aber immer in anderen Verkleidungen, immer auf der Suche nach der Schönheit in der Hässlichkeit. An diesem Samstag wird sie 65 Jahre alt.

DPA - In der Kunst von Cindy Sherman geht es immer um Cindy Sherman – aber auch immer in verschiedener Verkleidung. Mehr als 500 Fotos in verschiedenen Maskeraden hat Sherman in den vergangenen rund 40 Jahren von sich gemacht. Neuerdings stellt das „große Chamäleon unserer Zeit“, wie die „New York Times“ sie einmal nannte, die Bilder vorzugsweise auf Instagram.

Mit Schminke, Perücken und einer Schatzkiste billiger Accessoires schlüpft Sherman, die heute 65 Jahre alt wird, in Rollen, mit denen sie Stereotypen unseres Alltags entblößt. Ihre Bilder erzielen Millionenpreise, vor Kurzem erst stufte das Ranking „Kunstkompass“ sie wieder unter die zehn wichtigsten bildenden Künstler der Welt ein.

Die Fotografien von Cindy Sherman verdeutlichen auf schmerzliche Weise den Jugendwahn ihrer Landsfrauen. In der Ausstellng „Mapping the Studio“ waren einige ihrer Werke 2010 in Venedig zu sehen.
Die Fotografien von Cindy Sherman verdeutlichen auf schmerzliche Weise den Jugendwahn ihrer Landsfrauen. In der Ausstellng „Mapping the Studio“ waren einige ihrer Werke 2010 in Venedig zu sehen.
Foto: Vesna Andonovic

Kritiker, Fans und Kollegen feiern Sherman für ihre Kunst. „Man kann kein Foto mehr machen, ohne die gesamte Geschichte des Werkes von Cindy Sherman dahinter“, sagte die Künstlerin Marilyn Minter einmal. Zu ihren vielen Auszeichnungen gehört der Kaiserring der Stadt Goslar, vor Kurzem bekam sie den Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt zugesprochen.

Wie ein Eindringling in der Familie

Geboren wurde Sherman 1954 in einer Kleinstadt in New Jersey, wuchs dann aber auf der Halbinsel Long Island östlich von New York auf. Sie war das jüngste von fünf Kindern, ein Nachzügler neun Jahre später. Manchmal habe sie sich wie ein Eindringling in die Familie gefühlt, erinnerte sich Sherman später.

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„Es war nicht so, als ob sie mich nicht mochten, aber ich kam so spät dazu und sie hatten schon eine Familie.“ Manhattan mit seiner reichen Kulturszene besuchte die Familie nur einmal im Jahr, für das Weihnachtsspektakel in der Radio City Music Hall. Nach dem Studium in der Industriestadt Buffalo ermöglichte ihr ein Stipendium der US-Kunststiftung endlich, nach New York City zu ziehen.

Star der Szene mit Papagei

Sherman taucht in die Kunstwelt der Metropole ein und wird bald selbst zu einem Star der Szene. Ohne viel fremde Hilfe macht sie sich an ihre Porträts. Statt Schönheit und Anmut, die Motive der klassischen Kunst, sucht sie Leere, nimmt Sex und Gewalt aufs Korn. Sie sei schon als Kind von Hässlichkeit fasziniert gewesen, sagt sie in Interviews.

Sie stellt Charaktere aus der Antike, der Malerei, Literatur und Märchen sowie aus Film und Mode dar. Sherman ist ihre eigene Maskenbildnerin und Friseuse, Regisseurin und Kamerafrau. Allein in ihrer Wohnung im Szene-Stadtteil SoHo am Hudson River in Manhattan, die auch als Studio fungiert, lichtet sie sich als laszive Marilyn Monroe, Fashion-Model, huldvolle Mutter Gottes oder kreideweiße Leiche ab.

Nach mehreren schlagzeilenträchtigen Beziehungen, unter anderem mit dem Talking Heads-Sänger David Byrne, dem Künstler Richard Prince und dem Filmemacher Michel Auder, ist Sherman inzwischen Single und lebt, wie die „New York Times“ jüngst berichtete, nur mit ihrem Papagei „Mr. Frieda“ zusammen. Das Älterwerden störe sie, vor allem wegen des Einflusses auf ihre Bilder, sagte Sherman einmal. „Alles fällt mit 60 in sich zusammen“. Aber: „Für die Bilder kann ich meinen Hals ja auch abkleben.“


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