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Charb, Cabu, Wolinski, Tignous: Mit der Kalaschnikow ausradiert
Kultur 3 Min. 07.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Die Zeichner im Porträt

Charb, Cabu, Wolinski, Tignous: Mit der Kalaschnikow ausradiert

Schüsse auf Charlie Hebdo, Schüsse auf die Meinungsfreiheit.
Die Zeichner im Porträt

Charb, Cabu, Wolinski, Tignous: Mit der Kalaschnikow ausradiert

Schüsse auf Charlie Hebdo, Schüsse auf die Meinungsfreiheit.
AFP
Kultur 3 Min. 07.01.2015 Aus unserem online-Archiv
Die Zeichner im Porträt

Charb, Cabu, Wolinski, Tignous: Mit der Kalaschnikow ausradiert

Ihre Meinung passte einigen nicht. Man hat sie mit der Kalaschnikow kaltblütig ausradiert. Die Zeichner von Charlie Hebdo im Porträt.

von Marc Thill

Sie alle liebten die Freiheit. Ihre Meinung aber passte einigen nicht. Man hat sie mit der Kalaschnikow kaltblütig ausradiert. Die Zeichner von Charlie Hebdo im Porträt.

Charb konnte sowohl mit den Zeichenstift als auch mit der spitzen Feder umgehen, schrieb Leitartikel, zählte sich aber zum Clan der "Crayonneurs", also der Zeichner, in der Redaktion von "Charlie Hebdo".

Charb. Ein Zeichner, aber auch ein "Phraseur". Er schrieb Texte.
Charb. Ein Zeichner, aber auch ein "Phraseur". Er schrieb Texte.
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Die "Phraseurs", die Zeilendrescher, und die "Bohémiens", die Künstler, die Karikaturisten... Das satirische Blatt verfügt über beides. Doch waren die Zeichner immer das Rückgrat von "Charlie Hebdo". Waren? Sind!

Charb schrieb seine wöchentliche Rubrik "Charb n'aime pas les gens". Dafür soll er in den Redaktionskonferenzen öfters seine Pointen, die er in petto hatte, gestestet haben.

Über seine Kindheit sagte Charb einmal in einem Interview mit "Libération": "Ich habe mich en wenig amüsiert, aber auch nicht zu viel. Ich wurde genervt, aber auch wiederum nicht zu viel. Ich habe nicht gelitten, aber ich habe mich auch nicht all zuviel gefreut."  Sein Vater liest "Bande Dessinée", Tintin, Mickey, Charb zeichnete, um dem grauen Alltag zu entkommen, und hörte Punk-Musik.

Charb wurde am 21. August 1967 unter dem richtigen Namen Stéphane Charbonnier geboren. Er trat  2009 als publizistischer Direktor die Nachfolge von Philippe Val an der Spitze von "Charlie Hebdo" an. Val war 2009 zu "Radio France" gewechselt.

Cabu - der Vater des "Beauf" und des "Grand-Duduche"

Cabu im Selbstporträt.
Cabu im Selbstporträt.
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Cabu war der Vater des "Beauf", des vulgären, ungebildeten Spießbürgers. Ein Macho und Rassist, der alles hasst, was modern ist, die Intellektuellen, die Frauen, der auch zotige Witze liebt, was ihn nicht gerade sympatischer macht. Als Gegenpart zum "Beauf" hatte Cabu den "Grand-Duduche" geschaffen, anfangs als Musterschüler, der dann aber genauso wie der "Beauf" mit den Jahren älter wurde und sich zu einem Pazifisten und Gutmenschen entwickelte.

Jean Cabut, so sein richtiger Name, wurde 1938 in Châlons-sur-Marne geboren. Er zeichnete seit seiner Kindheit: Mit 13 Jahren in der Schulzeitung, später in der Lokalzeitung, l'Union, mit der er bis 1961 zusammenarbeitete.  Mit 19 Jahren schaffte es Cabu auf die erste Seite von "Paris Match". Von 1960 bis 1983 war Cabu bei "Hara-Kiri", der satirischen Zeitung, aus der später  "Charlie Hebdo" hervorging.  Cabu zeichnete aber auch für "Le Figaro", den "Canard enchaîné" und viele andere französischen Zeitungen.

Wolinski - der Frauenliebhaber

Wolinski - Cover eines Albums. Leidenschaftlich, erotisch,
Wolinski - Cover eines Albums. Leidenschaftlich, erotisch,
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Ob sinnlich, anrüchig oder hemmungslos, erotische Fantasien suchen uns alle heim. Georges Wolinski brachte sie aufs Papier. Seine Frauen waren leidenschaftlich und entsprangen zumeist nackt der unbeschwerten Zeiten der "freien Liebe", was aber nicht verhinderte, dass Wolinski nach 40 Jahren Ehe von seiner Frau, der feministischen Schriftstellerin Maryse Wolinski, öffentlich der Frauenfeindlichkeit bezichtigt wurde.

Wolinski kam aus der 68er-Bewegung. Der Sohn eines Polen und einer Italienerin emigrierte 1946 mit seinen Eltern nach Frankreich. Zunächst studierte Wolinski Architekt, ein Studium, das er abbrach, um Karikaturen zu zeichen, zuletzt u.a. für Charlie Hebdo", "Paris Match" und "Le Journal du Dimanche". Im Alter von 80 Jahren starb er an diesem Mittwoch...

Tignous, Bernard Maris ...

Unter den Opfern sind natürlich auch die weniger bekannten Namen:  Der Zeichner Tignous, aber auch der Journalist Bernard Maris, ein Wirtschaftler, der Chroniken in vielen Zeitungen schrieb, und auch auf "France Inter" sprach. "Oncle Bernard", wie er genannt wurde, hatte sich als "Altermondialist" ein Namen in der französischen Wirtschaftsjournaille gemacht. Auch er war an diesem 7. Januar in der Redaktionskonferenz von "Charlie Hebdo".

La Grand-Duduche von Wolinski
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