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Causa Lunghi: Mudam nimmt Demission an
Mudam-Direktor Enrico Lunghi will es nicht bei seinem Rücktritt belassen.

Causa Lunghi: Mudam nimmt Demission an

Foto: Lex Kleren
Mudam-Direktor Enrico Lunghi will es nicht bei seinem Rücktritt belassen.
Kultur 3 Min. 07.11.2016

Causa Lunghi: Mudam nimmt Demission an

Maxime LEMMER
Das Mudam hat die Demission von Enrico Lunghi nicht zurückgewiesen. Zahlreiche internationale Künstler stärken unterdessen dem Mudam-Direktor den Rücken.

(ml) - Der Verwaltungsrat des Mudam hat am Montag in einer Pressemitteilung auf die Demission von Enrico Lunghi reagiert. Der Verwaltungsrat, dessen Vorsitz  Erbgroßherzogin Stéphanie hat, bedauert den Schritt des Mudam-Direktors, hat aber dessen Demission nicht zurückgewiesen.

Im Wortlaut: "Le conseil d'administration remercie Monsieur Lunghi pour ses huit années d'engagement au sein du musée. L'intelligence et le professionnalisme avec lesquels il a mené la programmation artistique et les qualités relationnelles qu'il a su faire valoir dans le monde de l'art ont contribué de façon significative au rayonnement dont bénéficie actuellement le Mudam."

Der Verwaltungsrat kündigte ferner an, er wolle bald ein Auswahlverfahren starten, um den Posten neu zu besetzen.

Disziplinarverfahren bald abgeschlossen

Enrico Lunghi, der nach seinem Rücktritt rechtliche Schritte angekündigt hat, darf zurzeit kein Interview geben. Es sei im Interesse der Prozedur, dass keine der verwickelten Parteien sich in der Öffentlichkeit äußere, zitiert der Sender 100,7 den "commissaire à la discipline". Das Verfahren soll in den kommenden zwei Wochen abgeschlossen sein.

In einem Brief an den internationalen Museumsverband Cimam hat Lunghi Klartext geredet. Er werde es nicht einfach hinnehmen, dass seine Ehre und sein Ruf verletzt worden seien, heißt es in dem Dokument, das dem "Luxemburger Wort" vorliegt. Premier- und Kulturminister Xavier Bettel habe ihm nicht die Gelegenheit gegeben, seine eigene Version des Sachverhalts zu schildern, beschwert sich Lunghi.

Lunghi erntet Sympathie

Auf der Webseite des internationalen Komitees der Museen und Sammlungen für moderne Kunst erntet Enrico Lunghi unterdessen Sympathie. Künstler und Galeristen zeigen sich solidarisch mit dem Mudam-Direktor, der noch vor Jahresende seinen Posten zur Verfügung stellen wird.

Seine luxemburgischen Kritiker hätten Lunghi seit Jahren drangsaliert, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme. Die Bedingungen, die dazu geführt hätten, dass Lunghi das Handtuch geworfen habe, seien eine Drohung für all diejenigen, die im Bereich der modernen Kunst professionell tätig seien. Der ganze Vorgang sei anti-demokratisch gewesen.

Bettel hält sich bedeckt

Kulturminister Xavier Bettel möchte derzeit keine Stellung beziehen. Das Umfeld des Premier- und Kulturministers verweist lediglich auf das laufende Verfahren. Überhaupt hält sich die Politik in der sogenannten "Causa-Lunghi" bedeckt.

Ex-Premierminister Jacques Santer, der jahrelang den Mudam-Verwaltungsrat geleitet hat, macht keinen Hehl daraus, dass er den Rücktritt von Enrico Lunghi persönlich bedauert. Die Zusammenarbeit mit dem Mudam-Direktor sei stets gut gewesen, so Santer, der jedoch nicht mehr dazu sagen wollte, da er die genauen Hintergründe der Affäre nicht kenne.

Santer kritisiert Bettel

Wenig Verständnis hat Santer für die Vorgehensweise von Premier Xavier Bettel. "Falls ich zu diesem Zeitpunkt Staatsminister gewesen wäre, hätte ich zunächst eine Untersuchung in Auftrag gegeben, bevor ich eventuell weitere Schritte eingeleitet hätte", sagte Santer gegenüber dieser Zeitung.

In ähnliche Richtung argumentiert auch die ehemalige Kulturministerin Octavie Modert: "Bettel hat mehr als Medienminister und weniger als Kulturminister gehandelt. Er liebt die Medien mehr als die Kultur." Die CSV-Politikerin wundert es, dass Bettel sofort ein Disziplinarverfahren angeordnet hat, ohne sich im Vorfeld Lunghis Version anzuhören. Des Weiteren hätte der Premierminister auch die RTL-Mitarbeiterin zum Tathergang befragen können.

"Mehr Medien- als Kulturminister"

Modert zufolge habe Enrico Lunghi zusätzlich darunter gelitten, dass das Mudam und dessen Ausstellungspolitik  in verschiedenen Kreisen seit jeher umstritten sei. Dies sei bei der Bewertung der Sachlage eingeflossen. Die künstlerische Leitung eines Museums könne jedoch nicht von einem Verwaltungsrat übernommen werden.

Enrico Lunghis Geste gegenüber der Journalistin bezeichnet Octavie Modert als "unglücklich". Der Mudam-Direktor habe sich für sein Verhalten entschuldigt. Deshalb sollte man ihm keinen Zacken aus der Krone brechen. Lunghi sei der geeignete Mann gewesen, um eine Institution wie das Mudam mit internationaler Ausstrahlung zu führen.

Etwas zurückhaltend reagiert André Bauler (DP), der Präsident des parlamentarischen Kulturausschusses. "Es steht mir nicht zu, diese persönliche Angelegenheit zu kommentieren oder ein Urteil darüber abzugeben, da ich keine Kenntnis über das Dossier habe, so Bauler. Er wisse auch nicht, was Lunghi dazu bewogen habe, seinen Rücktritt anzukündigen.



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