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Cannes 2019 von A bis Z

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von Vesna ANDONOVIC/ 14.05.2019

Die Croisette steht wieder ganz im Zeichen des Films.Foto: Festival

Von Dienstag an gibt es viel zu entdecken bei den 72. Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Luxemburg ist mit vier Projekten vertreten. Unser kleines Festival-ABC gibt den Ein- und Überblick.

Bis zum Samstag, dem 25. Mai, wenn im Grand Auditorium Louis Lumière des Festivalpalasts die Preisträger der 72. Auflage der Internationalen Filmfestspiele von Cannes gekürt werden, steht die Croisette ganz im Zeichen des Films – und auch ein klein bisschen Kopf. Luxemburg ist diesmal mit gleich vier Projekten vertreten. Unser kleines Festival-ABC gibt den Ein- und Überblick – und verrät, was man bei dem Großaufgebot an Filmen und Namen auch schnell mal übersehen könnte.

A wie ... A-Festival und B wie ... Boursier

Die Internationalen Filmfestspiele von Cannes gehören zu den weltweit 15 A-Festivals mit internationalem Wettbewerb. Dieser Champions League des Films gehören u. a. noch die Berlinale, die Mostra von Venedig sowie die Festivals von Karlovy Vary, Locarno, Montréal, San Sebastián, Tokyo und Kairo an.

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Wie jedes Jahr unterstützt der Film Fund auch diesmal junge Filmschaffende aus dem Großherzogtum mit einer kleinen Stipendiums-Finanzspritze, um Festivalluft zu schnuppern. 2019 sind dies die Schauspieler Sophie Mousel, Nilton Martins und Astrid Roos sowie das Künstlerduo Karolina Markiewicz und Pascal Piron.

C wie ... Croisette und D wie ... Delon

Palmen zieren die Croisette, Cannes‘ Wappen – und inspirierten das Motiv des dort vergebenen Filmpreises: Sie erinnern an den heiligen Honoratus von Arles, der mit einem Palmwedel giftige Schlangen vertrieb. Der von ihm gegründeten Abtei Notre-Dame de Lérins gehörten ab 1030 die Ländereien des heutigen Cannes.

Schauspiellegende Alain Delon erfährt diesmal eine besondere Ehrung.
Foto: AFP

Jedes Jahr ehren die Internationalen Filmfestspiele einen Filmschaffenden mit einer Goldenen Palme für sein Lebenswerk: 2019 ist dies Alain Delon, Jahrgang 1935, der unvergessene Darsteller aus „Il gattopardo“ (1963), „Le clan des Siciliens“ oder „La piscine“ (1969), der zuletzt 2008 Julius Cäsar in „Astérix aux jeux olympiques“ gab.

E wie ... Elton John und F wie ... Frémaux

Auch die außerhalb vom Wettbewerb laufenden Produktionen haben in Cannes so manches Highlight zu bieten – wie die Stippvisite von Elton John, der sich zur Vorführung von „Rocketman“ angekündigt hat. Vielleicht will der Weltstar einfach nachprüfen, ob Taron Egerton seinen Job als ... Elton John da auch richtig macht.

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Das Herz des Festivals ist Thierry Frémaux. Seit 2007 leitet er als „délégué général“ die Filmfestspiele von Cannes und weiß nicht nur mit seinem Wissen, sondern auch dank seiner ungezwungenen Art, Experten und Stars gleichermaßen zu begeistern. 2019, so verspricht er, gibt es „Romantisches und Politisches“ und „Genrekino“.

G wie ... Gender und H wie ... Hauruckaktion

Es war das Bild der 71. Auflage: 82 Filmfrauen posierten auf der Treppe des Festivalpalasts. Die Gender-Realität sieht derweil weniger rosig aus: Vier der 21 Wettbewerbsbeiträge wurden von Frauen (Céline Sciamma, Justine Triet, Jessica Hausner und Mati Diop) inszeniert. In die offizielle Auswahl schafften es immerhin 15.

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Fast hätten Quentin Tarantino und Abdellatif Kechiche die Deadline für die 72. Auflage verpasst. Doch in monate- und nächtelangen Hauruckaktionen stellten sie ihr „Once Upon a Time ... in Hollywood“ (165 Minuten) bzw. „Mektoub, My Love: Intermezzo“ (240 Minuten!) dann doch fertig – und wurden fürs Palmenrennen nachnominiert.

I wie ... Iñárritu und J wie ... Jury

Den Vorsitz der diesjährigen internationalen Jury hat der vierfache Oscar-Preisträger Alejandro González Iñárritu. Im Vorjahr machte der mexikanische Regisseur von u. a. „Babel“ und „The Revenant“ mit dem immersiven VR-Projekt „Carne y Arena“ auf sich aufmerksam – und zeigte Flüchtlingsschicksale aus erster Hand.

Oscarpreisträger Alejandro Gonzalez Inarritu sitzt der Jury vor.
Foto: AFP

Unter Präsident Iñárritu werden US-Schauspielerin Elle Fanning sowie die Filmemacher Maimouna N’Diaye (Burkina Faso), Kelly Reichardt (USA), Alice Rohrwacher (Italien), Robin Campillo (F), Paweł Pawlikowski (PL) und Yorgos Lanthimos (GR) mit dem französischen BD-Autor Enki Bilal über die Goldene Palme entscheiden.

K wie ... Komödie und L wie ... Luxemburg

Seine 72. Ausgabe beschließt das Festival am 25. Mai mit der „Dernière séance“ von „Hors Normes“ des Regieduos Olivier Nakache und Eric Toledano („Intouchables“). Die Sozialkomödie mit Vincent Cassel und Reda Kateb erzählt die Geschichte zweier Sozialarbeiter, die sich um autistische Kinder und Jugendliche kümmern.

Der Film „O que arde“ (Tarantula) läuft in der Reihe „Un certain regard“.
Foto: Tarantula

Luxemburg ist bei der 72. Auflage mit vier Koproduktionen überaus gut vertreten. In der „Un certain regard“-Reihe laufen „Les hirondelles de Kaboul“ (Melusine Productions), „O que arde“ (Tarantula) und „Chambre 212“ (Bidibul). „The Orphanage“ (Samsa Film) läuft derweil bei der „Quinzaine des réalisateurs“.

M wie ... Marché du film und N wie ... Netflix und Co.

Fernab des Glamours geht es beim 60. Marché du film ums Geschäft. Über 12.000 akkreditierte Fachbesucher aus 114 Ländern sehen sich hier nach Produktions- und Vertriebsmöglichkeiten für ihre Ideen und Projekte um. Auch Luxemburg ist zum 18. Mal mit einem Pavillon für 20 Gesellschaften und drei Vereinigungen mit von der Partie.


Der große Brand, der ein Dorf bedroht, spielt eine wesentliche Rolle in dem Drama.
Luxemburger Preishoffnungen in Cannes
Drei Luxemburger Koproduktionen laufen im offiziellen Wettbewerb von Cannes. Im Rennen um einen Preis in der Reihe „Un certain regard" sind „Viendra le feu", „Les Hirondelles de Kaboul" und „Chambre 212".

Während die US-Amerikaner ihren „Academy Awards“ Filmen, die von Streamingdiensten wie Netflix, Amazon und Co. koproduziert werden, längst einen festen Platz eingeräumt haben, glänzen letztere in Cannes weiterhin durch Abwesenheit. Der Grund: der Protest französischer Kinobetreiber über Vertriebsmodalitäten.

O wie ... Ökumenische Jury und P wie ... Palme  

Neben den offiziellen Auszeichnungen werden auch eine Reihe Preise unabhängiger Jurys verliehen. Zu diesen zählt u. a. der Fipresci-Preis der Filmkritikervereinigung oder auch – seit 1974 – der Preis der ökumenischen Jury, in der Vertreter der katholischen Organisation Signis und der protestantischen Interfilm mitabstimmen.

Das Objekt der Begierde.
Foto: AFP

Seit 1998 wird die Goldene Palme, entworfen von Caroline Scheufele, in den Werkstätten des Schweizer Juwelierhauses Chopard gefertigt. Fünf Kunsthandwerker brauchen 40 Arbeitsstunden, um 118 Gramm 24-karätiges Gold und einen Bergkristall zur Trophäe zu machen. Ihr Materialwert wurde 2017 auf 25 000 Euro geschätzt.

Q wie ... Quentin Tarantino und R wie ... Rambo oder Rider

Er ist wieder da: 25 Jahre, nachdem er mit „Pulp Fiction“ die Goldene Palme gewann, ist Quentin Tarantino mit „Once Upon a Time ... in Hollywood“ wieder im Wettbewerb vertreten. Bis zuletzt hatte Hollywoods Enfant terrible an seinem Werk geschnitten – und wurde in allerletzter Minute in den Wettbewerb aufgenommen.

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Am 24. Mai feiert Cannes Sylvester Stallones „Rambo“. Als kleines Dankeschön bringt der dann die ersten Bilder seines „Rambo V: Last Blood“, der im Herbst anläuft, mit. Vor 25 Jahren lief auch „Easy Rider“ im Wettbewerb. Zum Jubiläum reist hier nun Peter Fonda persönlich an – mitsamt einer fuschneuen 4K-Kopie des Films.

S wie ... Stars und Sternchen und T wie ... Transat

Einmal abgesehen von den Oscars vereint kein anderer roter Teppich so viel Stars wie der von Cannes. Mit von der Partie diesmal u. a. Penélope Cruz, Tilda Swinton, Iggy Pop, Léa Seydoux, Tom Waits, Isabelle Huppert, Ben Whishaw, Antonio Banderas, Brad Pitt, Leonardo DiCaprio, Willem Dafoe oder August Diehl.

Kein anderer roter Teppich vereint so viel Stars wie der von Cannes.
Foto: Mathilde Petit / FDC

Cannes; das sind nicht nur Filme für akkreditierte Presse und geladene Gäste, sondern auch das beim (normal sterblichen) Publikum äußerst beliebte „Cinéma de la Plage“: Wo sonst kann man auch Klassiker wie diesmal „La cité de la peur“ des Komikerquartetts Les Nuls so schön genießen wie in einem Liegestuhl am Strand?

U wie ... Unterstützung und V wie ... Varda

Tatkräftige Unterstützung bieten Diego Maradona und Bono – die Fußballlegende für Asif Kapadias Dokumentation über seine neapolitanischen Jahre und der U2-Sänger für „5B“ des zweifach Oscar- nominierten Dan Krauss, der aus dem Alltag auf einer Aids-Krankenstation im San Francisco General Hospital berichtet.

Das Bild der damals 26-jährigen Filmemacherin Agnès Varda ziert das Festivalplakat.
Foto: La Pointe courte/Agnès Varda et ses enfants; Montage: Flore Maquin

August 1954, Pointe Courte – Stadtteil von Sète. Das Bild der damals 26-jährigen Filmemacherin Agnès Varda, die am 29. März verstarb, ziert das Plakat der 72. Festivalausgabe: eine letzte, verdiente Ehrung für die Frau, deren Werke es 13 Mal in die offizielle Auswahl schafften und die 2015 mit der Ehrenpalme ausgezeichnet wurde.

W wie ... Wettbewerb und X wie ... Xavier Bettel

21 Werke und 2.433 Minuten Film haben es in den Wettbewerb geschafft. Neben Altmeistern wie Ken Loach, Terrence Malick, Pedro Almodóvar, Abdellatif Kechiche, den Brüdern Dardennes oder dem Wunderkind Xavier Dolan, gibt es mit u. a. Mati Diop oder Ladj Ly auch Neuzugänge, die für eine Überraschung sorgen könnten.

Nachdem er aus Termingründen 2018 das traditionelle Stelldichein mit der nationalen Filmszene ausfallen lassen musste, ist der zuständige Medienminister Xavier Bettel diesmal wieder mit von der Partie. Am 17. Mai, dem Luxemburger Tag, wird es angesichts der Finanzsorgen des Sektors sicher viel zu besprechen geben.

Y wie ... Youngsters und Z wie ... Zombie

Auch an den Nachwuchs hat das Festival gedacht und lädt mit der Aktion „3 Jours à Cannes“ alle 18- bis 28-jährigen Filmfans ein, an den drei letzten Tagen so manche Weltpremiere zu erleben. Eine sympathisch-nutzvolle Art, die Reihen der Säle aufzufüllen, wenn die meisten Marché-Teilnehmer bereits abgereist sind.

„The Dead Don't Die" versammelt Bill Murray (l.), Chloë Sevigny und Adam Driver vor der Kamera.
Foto: Frederick Elmes /Focus Features/UPI/dpa

Am Anfang steht ... die Apokalypse, und zwar mitsamt Zombies: Denn für den diesjährigen Eröffnungsfilm „The Dead Don’t Die“ zeichnet der amerikanische Regisseur Jim Jarmusch verantwortlich. Komödiantisch, schräg und mit dem entsprechenden Staraufgebot - mit u. a. Bill Murray, Adam Driver und Tilda Swinton.  


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