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Der große Traum des Serge T.
Kultur 4 Min. 30.03.2017 Aus unserem online-Archiv
„Bommeleeër Buddha“ in der Kulturfabrik

Der große Traum des Serge T.

Serge Tonnar und Legotrip stellen am 1. April ihr neues Album "Bommeleër Buddha" in der Escher Kulturfabrik vor.
„Bommeleeër Buddha“ in der Kulturfabrik

Der große Traum des Serge T.

Serge Tonnar und Legotrip stellen am 1. April ihr neues Album "Bommeleër Buddha" in der Escher Kulturfabrik vor.
Foto: Maskénada
Kultur 4 Min. 30.03.2017 Aus unserem online-Archiv
„Bommeleeër Buddha“ in der Kulturfabrik

Der große Traum des Serge T.

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Funkstille ist immer verdächtig. Sie muss aufhorchen lassen. Denn wenn man eine Zeit lang nichts von Serge Tonnar hört, führt der Mann etwas im Schilde. Was genau, erfahren wir am 1. April in der Kulturfabrik. Eines ist sicher: Es ist kein „Abrëllsgeck“.

von Vesna Andonovic

Funkstille ist immer verdächtig. Sie muss aufhorchen lassen. Denn wenn man eine Zeit lang nichts von Serge Tonnar hört, dann führt der Mann etwas im Schilde. Was genau, erfahren wir am 1. April. Und eines ist jetzt schon sicher: Es ist alles andere als ein „Abrëllsgeck“.

„Was soll das eigentlich – diese Frage mit dem Alter?“, meint Serge Tonnar auf die Erkundigung hin, ob es die Jahre sind, die aus dem Bommeleeër einen Buddha – sprich aus dem gesellschaftskritischen Revoluzzer einen abgeklärten Philosophen – gemacht haben, und nippt am Wasserglas.

Zehn Uhr morgens in Mersch, wir haben es uns gerade auf dem Ledersofa im Wohnzimmer der Familie Tonnar gemütlich gemacht, im Bücherregal rechts von der Couch steht Bob Dylan neben Kinski und einem „Naher Osten“-Wälzer, Familienfotos zieren ein Regal links davon, von einem anderen, gleich gegenüber, blicken Porträts der Beatles auf uns herab.

„Jetzt mal im Ernst, ich denke beide Charakterzüge waren stets in mir, nur brauchte es eben eines gewissen Alters, damit sie auch gleichberechtigt nebeneinander existieren können“, meint er mit einem Augenzwinkern.

Der Halbtagskünstler

Der Morgen gehört gewöhnlich dem Administrativen – „Computer, Papierkram und so ...“ –, erledigt wird es meist am Tisch in der Küche – „mein ,Büro‘ und Lieblingsplatz im Haus“ – mit Ausblick auf ein Gemälde von André Regagnon – „Erbstück der Oma“ – und Steve Jakobs großherzogliche Familie mit Micky-Maus-Ohren.

Die „Arbeit“ beginnt meist am Nachmittag: „Ich bin dann wohl eine Art Halbtagskünstler“, scherzt Tonnar. Von der „Ticktatur“, die er in seinem „Dajeelo!“ besingt, lässt Serge Tonnar sich ebenso wenig treiben wie von Moden. Deadlines hingegen mag er schon: „Die zwingen dich nämlich, etwas endgültig loszulassen.“ Und am 1. April steht auch schon die nächste an: Dann stellen Tonnar und seine drei Kollegen von Legotrip ihr neues Album „Bommeleeër Buddha“ in der Kulturfabrik vor.

Serge Tonnar und seine drei treuen 
Legotrip-Mannen – Misch Feinen, Eric Falchero und Rom Christnach (v.l.n.r.) – stellen am 1. April in der Kulturfabrik das neue Album vor.
Serge Tonnar und seine drei treuen 
Legotrip-Mannen – Misch Feinen, Eric Falchero und Rom Christnach (v.l.n.r.) – stellen am 1. April in der Kulturfabrik das neue Album vor.
Foto: Sam Flammang

Fünf-Sekunden-Quickie

Wie lange saß er denn eigentlich Modell für das Porträt, das die japanische Künstlerin Kumiyo von ihm fürs Cover entwarf? „Fünf Sekunden – genau so lang brauchte sie nämlich, um ein Foto von mir zu schießen“, verrät er.

Wer hier nur lässigen Humor ersten Grades im Bild vermutet, darf gerne genauer hinschauen, denn die Haltung der Hände auf dem Bild ist ein „Vitarka Mudra“ – die Position steht für Lehren, Predigen, Diskutieren.

Die subtilen Andeutungen muss man trotzdem nicht erkennen, um die auf dem Album befindliche Musik zu genießen. Waren es früher fetzige Klänge, die wie ein roter Faden die Kompositionen durchzogen, so sind es diesmal die Marimba von Boris Dinev und die Perkussionen von Carole Weber, die wie ein Spinnennetz die 18 Songs des Albums zusammenhalten. Sie schaffen es Folk, Hiphop, Blues, ja sogar Salsa schlüssig untereinander zu verbinden.

Die Apostel ohne Judas

Gereift sind die neuen Stücke seit Ende 2015 – „Für die Arrangements zeichnet sich Eric (Falchero) verantwortlich, er hatte da die ganze Arbeit – und hat sie toll gemacht“, verrät der Künstler.

Ein paar ältere Kompositionen wie „Mir wëllen Iech ons Heemecht weisen“, „Vollékslidd“ oder „Bonjour & Awuer“ wurden ebenfalls für die Gelegenheit aufgemotzt. Wieso gerade sie sich dazu anboten? „Es wäre schade gewesen, sie nicht auch auf einem Album zu veröffentlichen“, so der Musiker, während er die Tür zu seinem Studio im ersten Stock aufstößt – Thierry Van Werveke ist nicht der einzige Kollege, dessen Konzertposter hier die Wand ziert.

Auch gesanglich sieht Tonnar auf dem neuen Album etwas größer – und hat sich für die neue Produktion als vokale Verstärkung einen elfköpfigen Chor zugelegt. Wieso nicht zwölf, wie die Zahl der Jünger? „Na einfach: den Judas haben wir von vornherein weggelassen“, scherzt Tonnar.

Die richtige Erklärung ist natürlich banaler: Ein Sänger fiel in allerletzter Minute aus und die Studiotermine konnten da einfach nicht mehr verschoben werden – „Anfänglich hatten wir drei Sänger pro Stimmlage eingeplant.“ Die Lust am musikalischen Ausprobieren hat Tonnar jedenfalls nicht verloren und kostet dabei gleichzeitig seine künstlerische Freiheit in vollen Zügen aus.

Der Konzertsaal mit Herz und eine Auszeit vom Ich

Warum zieht es den gebürtigen „Lampertsbierger“ nach Esch, um dort sein neues Album vorzustellen? „Es ist einfach der beste Musiksaal im Land – und er hat noch eine richtige ,Seele‘!“, bekräftigt der Legotrip-Anführer.

Ob er nicht manchmal die Schnauze voll hat, der Mann zu sein, der „Belsch Plaasch“ geschrieben hat? „Es wäre doch wirklich nicht in Ordnung, jetzt darüber zu jammern, dass wir diesen Hit hatten“, meint er abgeklärt.

Und wie anstrengend ist es eigentlich, er selbst zu sein? Kurze Denkpause, dann das Eingeständnis: Nächstes Jahr nimmt er sich eine kurze Auszeit – „Ferien von Serge Tonnar“, dixit derselbige.

Der geheime Traum des Serge T.

Das erste Zeichen einer Midlife-Crisis ist das sicherlich nicht, denn neben einer Konzertreihe im Sommer steht noch ein ganz großer Traum hoch oben auf der Liste des Serge T.: „Einmal ein Konzert im großen Saal der Villa Louvigny spielen – da, wo Udo Jürgens 1966 die Eurovision gewann“, verrät er.

Vielleicht erhört ihn die Gesundheitsministerin ja – nicht nur Serge, vor allem das Publikum würde es ihr sicher danken. Wann kann man schon so vielen Menschen etwas Gutes tun – und dann auch noch ohne, dass es überhaupt einen Cent kostet ...

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Am 1. April um 21 Uhr in der Kulturfabrik in Esch. Tickets: Vorverkauf 15 und 12 Euro (zzgl. 2 Euro Vorverkaufsgebühr), Abendkasse 20 Euro. Reservierungen über www.kulturfabrik.lu und www.ticket-regional.de.

Das Konzert wird auf Radio 100,7 live übertragen.

Das Album selbst kann zum Preis von 15 Euro über www.maskenada.lu frei Haus bestellt werden.


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