Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Bilder lesen lernen
Leitartikel Kultur 2 Min. 17.03.2020

Bilder lesen lernen

Auch wenn es vorzeitig beendet werden musste, das 10.LuxFilmFest wird allen in Erinnerung bleiben.

Bilder lesen lernen

Auch wenn es vorzeitig beendet werden musste, das 10.LuxFilmFest wird allen in Erinnerung bleiben.
Pierre Matgé
Leitartikel Kultur 2 Min. 17.03.2020

Bilder lesen lernen

Vesna ANDONOVIC
Vesna ANDONOVIC
Über die kulturelle Sichtbarkeit hinaus, die das LuxFilmFest verleiht, erfüllt es eine weitaus bedeutendere, pädagogische Rolle: nämlich die der „éducation à l’image“, eine im 21. Jahrhundert unerlässliche Kernkompetenz. Doch auch Eltern sind hier gefordert.

Die große Enttäuschung über das vorzeitige Ende des 10. Luxembourg City Film Festival haben die Festivalverantwortlichen heute wohl zumindest ansatzweise verdaut. Es ist ihnen hoch anzurechnen, dass sie keine Sekunde gezögert und die Sicherheit von Publikum und Ehrengästen, wie Jury-Präsidentin Marjane Satrapi, „Four Weddings and a Funeral“-Regisseur Mike Newell und dem zweifachen Oscar-Preisträger Costa-Gavras, über die Perspektive einer denkwürdigen Ausgabe gestellt haben. 

Natürlich hätte man ihnen gegönnt, gar von Herzen gewünscht, dass dieses runde Jubiläum anders ausgefallen wäre. Doch es trägt zweifelsohne auch zur Glaubwürdigkeit dieser Kulturveranstaltung bei, gesundheitliche Bedenken keinem möglichen Imagegewinn untergeordnet zu haben: Dies zeugt von Charakter und Profil. 

Allen anfänglichen Startschwierigkeiten und den üblichen Unkenrufen über die sinnlose Vergeudung von öffentlichen Geldern für Kultur zum Trotz: Das LuxFilmFest hat die nötige Ausdauer bewiesen und ist heute dort angekommen, wo es hingehört und sich weiterentwickeln kann – bei seiner Zuschauerschaft. 

Dies letztlich auch ohne die Schützenhilfe des angekündigten großherzoglichen Paares, das wohl dem Corona-Virus geschuldet sicherheitshalber bereits schon ab der Eröffnung fernblieb. 


Kultur , PK 10.LuxFilmFest / Cinematheque VdL  , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
LuxFilmFest: Luxemburg erzählt die Welt
Roter Teppich für Filme rund um den Globus. Unsere Karte zeigt die internationale Verflechtungen Luxemburger Koproduktionen, die beim LuxFilmFest gezeigt werden.

 Für das Festival ohnehin wesentlicher ist sein Publikum querbeet durch alle Alterskategorien. Und dabei noch wichtiger dessen markant hoher Anteil an Schülern: Über 6 000 an der Zahl sollten diesmal auf das breit gefächerte Kinder- und Jugendangebot zurückgreifen, das von Filmvorführungen bis hin zu Workshops reichte. 

Wurde dieser Jugendanteil früher noch unter vorgehaltener Hand als ein Schönrechnen der Besucherzahlen belächelt, so hat die Konsequenz, mit der das Festival diesen Programmteil ausgebaut hat, derartige Kritiken Lügen gestraft. 

Über die kulturelle Sichtbarkeit hinaus, die das Festival der hiesigen Filmindustrie im Inland und Luxemburg selbst im Ausland verleiht, erfüllt es, fernab des medienwirksamen Scheinwerferlichts, das prominente Gäste bescheren, eine weitaus bedeutendere, pädagogische Rolle: nämlich die der „éducation à l’image“, eine im 21. Jahrhundert unerlässliche Kernkompetenz. 

Eltern müssen Kinder durch die Bilderflut leiten und begleiten - und in Zeiten von Corona umso mehr.

Nicht nur weil die Bilderflut heutzutage allgegenwärtig ist, auch weil sie unsere Weltsicht unbewusst mitprägt, müssen Kinder und Jugendliche diese Bilder lesen lernen – vor allem da die Zeitspanne, die zur Analyse und Einordnung bleibt, immer kürzer und parallel dazu die Gefahr einer Manipulation entsprechend größer wird – und dies in Corona-Virus-Zeiten umso mehr.

Das LuxFilmFest und Schulen sollen, aber auch Eltern müssen hier Verantwortung übernehmen und sich mit dem Bilderkonsum ihrer Kinder auseinandersetzen, sie darin leiten und begleiten. 

Die Ausnahmesituation der Corona-Krise bietet allen die unerwartete Möglichkeit, sich ungestört die Zeit zu nehmen, über das Gesehene zu sprechen und es zu beurteilen. Nur so können Klein und Groß gemeinsam – und trotz beunruhigender Bilder – der Zukunft mit pragmatischer Zuversicht statt lähmender Angst begegnen. 

Kontakt: vesna.andonovic@wort.lu  



Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.