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Bewegte Preisträger, persönliche Reden
Richard Billingham (l.) bewegte mit seinem Sozialdrama "Ray & Liz" nicht nur die Jury. Kulturministerin Sam Tanson (r.) gratulierte.

Bewegte Preisträger, persönliche Reden

Foto: Laurent Blum
Richard Billingham (l.) bewegte mit seinem Sozialdrama "Ray & Liz" nicht nur die Jury. Kulturministerin Sam Tanson (r.) gratulierte.
Kultur 4 3 Min. 17.03.2019

Bewegte Preisträger, persönliche Reden

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Der Samstagabend war ein besonderer Abend des LuxFilmFestes. Nicht nur, weil die Preise vergeben wurden, sondern auch, weil in diesem Jahr besonders viele Laureaten erschienen, um ihre Auszeichnungen selbst abzuholen.

Er war einer Derjenigen, der an diesem Abend den meisten Applaus bekam: Der britische Regisseur Mike Leigh war der erste, der bei der Preisverleihung des LuxFilmFest eine Auszeichnung überreicht bekam. „Es ist charakteristisch, dass ich nicht weiß, was ich sagen soll.” 

Der 76-Jährige nahm den Ehrenpreis des Festivals am Samstagabend im Kinepolis von dem mauretanischen Regisseur Abderrahmane Sissako entgegen und fand dann doch schelmisch-schöne Worte, nachdem ein Trailer mit seinen wichtigsten Filmen gezeigt worden war. „Sehe ich all die Arbeit, die meine Kollegen und ich bereits geleistet haben, erkenne ich, dass ich langsam an das Ende meines Lebens komme. Das ist furchteinflößend, dabei bin ich doch eigentlich erst 13 Jahre alt.“ 

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Abschließend bemerkte Leigh noch, welche besondere Ehre es für ihn sei, den Preis von Sissako zu erhalten. „Ich liebe seine Arbeit und seinen großen Film ,Timbuktu’.” 

"Meine eigene Geschichte"

Es war ein Abend, an dem in diesem Jahr besonders viele Preisträger erschienen, um ihre Preise selbst abzuholen. So auch Regisseur Billingham, der sichtlich gerührt war, als er für sein Sozialdrama „Ray & Liz” den Grand Prix überreicht bekam: „Der Film erzählt auch meine Geschichte, aber ohne ein professionelles Team hätte ich sie nicht erzählen können.“ 

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Zudem gestand Billingham, dass er einen langen Weg, inklusive 18 Bewerbungen bis zur erfolgreichen Aufnahme an einer Universität, zurückgelegt hat. „Ich habe nie eine Filmschule besucht und das Filmbusiness erst durch meine Produzenten verstanden, ich bin sehr dankbar für diesen Preis." 


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Der Hauptpreis dieser neunten Ausgabe des LuxFilmFestes ist mit 10.000 Euro dotiert. Die internationale Jury setzte sich aus dem argentinischen Regisseur Pablo Trapero, der argentinischen Schauspielerin Martina Gusman, dem israelischen Schauspieler Lior Ashkenazi, dem belgischen Filmregisseur Joachim Lafosse, der französischen Filmcutterin Juliette Welfling und dem Luxemburger Filmregisseur Govinda Van Maele zusammen. 

Mutiger Film

Auch Agostino Ferrente nahm seinen Preis persönlich entgegen. Sein Film “Selfie” dreht sich um Freundschaften unter jungen Männern in einem sozial schweren und gewalttätigen Umfeld in Neapel und bekam den mit 5.000 Euro dotierten Documentary Award. 

“Ich widme die Auszeichnung den Protagonisten des Films und alle Davide der Welt." Davide, der 16-jährige Protagonist von „Selfie", war 2014 irrtümlich von einem Carabiniere in Neapel erschossen worden.  


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Über den Preis der Jugendjury konnte sich Wolfgang Fischer für das Flüchtlingsdrama "Styx", den die luxemburgisch-österreichische Filmfirma "Amour Fou" koproduziert hat, freuen. 

Fischer, der zurzeit in Los Angeles weilt, um den Kinostart des Films in den USA vorzubereiten, ließ von den Amour-Fou-Produzenten Bady Minck und Alexander Dumreicher-Ivanceanu einige Dankesworte verlesen: “Der Film dreht sich um die Frage, wer wir angesichts dieser humanitären Krise sein wollen, wer wir sein sollten und wir tatsächlich sind." 

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„Wir wollten Wolfgang danken, dass er den Mut hatte, diese Geschichte gegen den Willen vieler Menschen zu erzählen. Dies ist der 22. Preis, den der Film gewinnt, aber ein ganz besonderer für uns“, erklärte Dumreicher-Ivanceanu, während sich Minck bei der Jugendjury bedankte: “Wenn ein so politischer und künstlerischer Film einen Preis bekommt, dann können wir sehr froh sein: Dann ist unsere Zukunft in Luxemburg gesichert”. 

Mehr Kinogänger beim Festival

Regisseurin Jasmin Mozaffari vertrat ihr Drama „Firecrackers", das eine Lobende Erwähnung der Jugendjury erhielt. 

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Nach vorläufigen Schätzungen der Organisatoren zählte das diesjährige LuxFilmFest rund 18.600 Kinogänger, was einen Anstieg um 20 Prozent zum Vorjahr bedeutet. 

Bezüglich der Gesamtbesucherzahl, auch der angeschlossenen Veranstaltungen, lagen noch keine Zahlen vor, 2018 gab es hier einen Rekord von mehr als 30.500 Besuchern zu verzeichnen.


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