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Ben Harper beschert der Rockhal bittersüßen Blues
Ben Harper kehrt nach seinem Auftritt im Jahr 2016 mit neuen Songs in die Rockhal zurück.

Ben Harper beschert der Rockhal bittersüßen Blues

Foto: Claude Piscitelli
Ben Harper kehrt nach seinem Auftritt im Jahr 2016 mit neuen Songs in die Rockhal zurück.
Kultur 3 4 Min. 07.06.2019

Ben Harper beschert der Rockhal bittersüßen Blues

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
„Der Traurigkeit ins Auge zu blicken, ist eine Möglichkeit, sie zu überwinden.": Songwriter und Multiinstrumentalist Ben Harper hat sich mit einem aktuellen Album zurückgemeldet. Am kommenden Mittwoch stellt er die neue Platte „No Mercy In This Land“ mit den Innocent Criminals in der Rockhal vor.

Instinktiv, bittersüß und narrativ: Songwriter und Multiinstrumentalist Ben Harper stellt am kommenden Mittwoch sein neues Album in der Rockhal vor. Mit der Mundharmonikalegende Charlie Musselwhite und der Band Relentless7 hat er „No Mercy In This Land“ aufgenommen. Damit führen sie ihre Zusammenarbeit von „Get Up!“ fort, die 2014 mit einem „Grammy“ als bestes Blues-Album gewürdigt wurde. 

Ben Harper, nach „Get Up!“ von 2013 ist „There Is No Mercy In This Land“ das zweite Album, das Sie mit Charlie Musselwhite aufnehmen. Was fasziniert Sie an seiner Musik?
Es gibt nicht mehr viele legendäre Musiker aus dieser Zeit. Mit jemandem wie ihm zu arbeiten, ist eine sehr seltene Gelegenheit, diese Chance wollte ich ergreifen.


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Sie sind zwar eher als Solosongschreiber bekannt, aber brachte Charlie Musselwhite Texte ein? 
Ja, aber Charlie und die Band haben bei einigen Songs vor allem musikalisch mitgearbeitet. Für „The Bottle Wins Again“ schrieb ich den Text, Jesse (Jesse Ingalls, Bassist von Relentless7, Anm. d. Red.) unterstützte mich musikalisch, „Found The One“ schrieb ich ebenfalls und Gitarrist Jason (Mozersky, Anm. d. Red.) und Drummer Jimmy (Paxson, Anm. d. Red.) komponierten die Musik. Der Großteil der Songs stammt von mir, aber es gab einen bedeutenden Beitrag der anderen.

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„The Bottle Wins Again“ ist ein sehr trauriger Song, mit Zeilen wie „Broken hearts and broken dreams/Turns out they weigh the same/Passed down through generations/Like the family name“. Wie kamen Sie zu dieser pessimistischen Sicht?
Der Traurigkeit direkt ins Auge zu blicken, ist eine Möglichkeit, sie zu überwinden. Das war mein Ansatz.

Und hat er funktioniert?
(Lacht.) Es fühlt sich beim Spielen gut an. Ich denke, dass der Song mir dabei hilft, eine Hürde zu überwinden.

Blues hat nicht die Renaissance erlebt, die er verdient.


Hatten Sie bei Ihren 14 Studioalben je eine Schreibblockade?
Manchmal kommen die Songs nicht. Dann versuche ich, es nicht zu erzwingen, sondern vertraue auf Geduld. Das ist der Schlüssel, denn jeder Autor geht einmal durch eine Phase, in der die Ideen nicht so fließen.

Was tun Sie dagegen?
Ich lese viel, höre viel Musik; von Mozart über Yo-Yo Ma bis zu Public Enemy so ziemlich alles.

Was ist Ihr Lieblingssong auf der neuen Platte?
Das ist der Titelsong, es geht um die Zeiten, in denen wir leben. Der Titel „No Mercy In This Land“ ist allerdings eine Paraphrase, also keine Feststellung, sondern eine offene Frage und das ist etwas ganz anderes.

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Dass Sie und Charles Musselwhite zum ersten Mal gemeinsam spielten, geht auf John Lee Hooker zurück, der Sie beide 1993 für ein Konzert in einen Pub einlud.
Ja, das war verrückt.

Wie hat sich der Blues seitdem entwickelt?
Blues ist in bestimmten Kreisen zentral geblieben. Es gibt immer den Willen, Blues und R&B zu stärken, aber ich denke nicht, dass Blues die Renaissance erlebt hat, die er verdient. Aber es könnte jeden Moment passieren.

Der Traurigkeit ins Auge zu blicken, ist eine Möglichkeit, sie zu überwinden.


Wieso blieb das Comeback aus?
Gute Frage. Andere Stile wie Folk haben, etwa mit Mumford and Sons, ihre Renaissance erlebt. Man muss seinen Anteil leisten, weiter komponieren und inspiriert bleiben. So ist mein Song „No Mercy In This Land“ bei den Blues Music Awards als Song des Jahres nominiert, was für mich sehr aufregend ist. Sogar mehr als es die Nominierung der Platte als „Best Traditional Blues Album“ bei den Grammys war.

Mit der Band The Innocent Criminals haben Sie jahrelang gearbeitet und gehen, nach einer Pause, wieder mit ihr auf Tour. Was bekommen Sie von dieser Band, das Sie von anderen nicht bekommen?
An diesem Punkt sind wir eine Band aus Brüdern. Ich mache schon so lange mit der Originalbesetzung der Innocent Criminals Musik, wir beenden unsere Sätze gegenseitig, gesprochen wie auch gespielt. Wir haben beim Byron- Bay-Bluesfest in Australien ein Konzert mit der Originalbesetzung gegeben, und es war eines der unglaublichsten Konzerte, die ich je gespielt habe. Ich hatte selten so einen Riesenspaß!

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Wenn man einander so gut kennt, ist da noch Raum für Überraschung und Improvisation?
Das ist der Trick. Jeder von uns ist so weit, dass er mit vielen verschiedenen Musikern arbeiten könnte. Aber wir haben uns dafür entschieden, einen Bogen zu schlagen und wieder zusammenzuspielen. Tourfreie Phasen geben uns nicht nur Zeit, unsere Beziehungen zu vertiefen, sondern auch, um unsere Energien wieder aufzuladen. Das ist, was uns früher passiert ist, wir waren zu lange unterwegs. Aber tourfreie Zeit ist genauso wichtig wie die Musik selbst. Man sollte es nicht übertreiben, damit man noch improvisieren kann. Jazz ist eine der improvisatorischsten Kunstformen, eine weiße Leinwand; Blues, Reggae und Folk hingegen haben eine stärkere Struktur. Aber dennoch ist es bei ihnen ausschlaggebend, zu improvisieren. Besonders melodisch, textlich und akustisch in den Solos. Und da ist tourfreie Zeit wichtig, um anderen Künstlern zuzuhören, Dinge zu durchdenken und sich der Musik frisch nähern zu können.
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Ben Harper und The Innocent Criminals am kommenden Mittwoch, 12. Juni, ab 20.30 Uhr, in der Rockhal. Karten (47 oder 67 Euro plus VVG) über www.rockhal.lu.  


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