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Ausblick 2018: Nationalbibliothek: Bestandssicherung in stürmischen Zeiten
Kultur 1 2 Min. 02.01.2018 Aus unserem online-Archiv

Ausblick 2018: Nationalbibliothek: Bestandssicherung in stürmischen Zeiten

Kultur 1 2 Min. 02.01.2018 Aus unserem online-Archiv

Ausblick 2018: Nationalbibliothek: Bestandssicherung in stürmischen Zeiten

Braucht es eigentlich noch eine neue Nationalbibliothek, wenn doch scheinbar alles digital verfügbar ist? Gerade dann! Doch neben der Eröffnung 2018 bräuchte es auch mehr Klarheit um die Rolle der Institution.

Von Daniel Conrad

Die Räumlichkeiten zu beengt, ausgelagerte Bestände mit hohen Depot-Mietkosten, die Wege zu lange, die Präsenzbibliothek zu klein, keine angemessenen und zeitgemäßen Lesesäle, sowie gesicherte Aufbewahrungsmöglichkeiten unter klimatisch idealen Bedingungen – die Problemlage war einfach nicht mehr tragbar.

Politisch ist nach der Verabschiedung des Gesetzes im Jahr 2013 um das Projekt der neuen Nationalbibliothek und der Umzug weg vom „Alen Kolléisch“ scheinbar ausdiskutiert – ein allgemeines Aufatmen war zu verspüren, endlich einen gefühlten Schlussstrich um die zähe, jahrzehntelang schwelende Debatte um einen Neubau inklusive Standortsuche ziehen zu können.

Und selbst wenn es noch Bedenken gab, die neue Nationalbibliothek (BNL) nicht in der Nähe von Nationalarchiv und dem Universitätsstandort Belval zu bauen, scheint die Kritik zumindest in der breiten politischen Öffentlichkeit inzwischen verhallt.

112 Millionen Euro sind für den Entwurf des Architekturbüros Bolles & Wilson und die Ausführung des betrauten Luxemburger Büros WW+ geplant – und laut den Verantwortlichen liegt, so im September 2017, die Baustelle mit eigenem Tram-Halt an der Avenue Kennedy im Zeit- und Finanzplan.

Im Herbst 2018 soll endlich dann die Eröffnung am Bricherhaff in Kirchberg gefeiert werden. Spöttern zufolge noch rechtzeitig vor den Parlamentswahlen und der Pensionierung der aktuellen Direktorin, der Historikerin Monique Kieffer.

Ob der Umzug wirklich aller 1,5 Millionen Medien im Bestand in die neuen Räume dann schon abgeschlossen sein wird, ist noch fraglich. Der Umzug gerade zum Teil sensibler Bestände ist keine einfache Sache und verlangt Fingerspitzengefühl.

Und die Aufgabenliste auch am neuen Standort mit seiner imposanten Architektur mit Lesesälen auf mehreren Ebenen, großzügigen Magazinen und dem Versprechen einer „Wohlfühlbibliothek“ der kurzen Wege, ist lang. Es soll um mehr als um die Bewahrung, Dokumentation, Aufarbeitung und Bereitstellung des Luxemburger Schriftgutes gehen.

Die Nationalbibliothek soll gleichzeitig das Bibliothekswesen im Land und die Strategie um digitale Inhalte mindestens federführend koordinieren – ohne selbst den Charakter einer städtischen Leihbücherei zu bekommen; aber sie soll für den Normalbürger bis zum hoch spezialisierten Forscher interessant sein.

Das zuständige Kulturministerium jedenfalls stockt die Mittel für 2018 eigens auf. Rund 2,11 Millionen Euro mehr gehen im neuen Jahr an die Nationalbibliothek (inklusive einer Ausschreibung von vier neuen Personalstellen). Damit liegt der Jahresetat bei 12,66 Millionen Euro.

Doch könnten bei der inhaltlichen Umsetzung zumindest Kreuzungspunkte zu den Missionen anderer Kulturinstitutionen noch für Gesprächsstoff sorgen. Ein Beispiel: Was sammelt wer und an welchem Standort? Und wo macht welcher Bestand wirklich Sinn?

Da lagern dann irgendwann Luxemburgensia in der Kirchberger BNL, an die auch das Institut Grand-Ducal angeschlossen ist, die Luxemburgistik-Bestände liegen in der Universitätsbibliothek in Belval und die Sammlung der Luxemburger Autoren-Nachlässe im Centre National de Littérature in Mersch.

Und was gehört davon eigentlich ins Nationalarchiv eines Landes, das immer noch kein novelliertes Archivgesetz hat? Das hat als Projekt auch schon einige Jahre auf dem Buckel.


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