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Ausbau kann beginnen: Resistenzmuseum reloaded
Das neue Gebäude (136, rue de l'Alzette) wird nicht nur die Fläche des Museums deutlich vergrößern, sondern auch einen zweiten Eingang für Gruppen ermöglichen.

Ausbau kann beginnen: Resistenzmuseum reloaded

Foto: Jim Clemes
Das neue Gebäude (136, rue de l'Alzette) wird nicht nur die Fläche des Museums deutlich vergrößern, sondern auch einen zweiten Eingang für Gruppen ermöglichen.
Kultur 3 Min. 06.04.2017

Ausbau kann beginnen: Resistenzmuseum reloaded

Pol SCHOCK
Pol SCHOCK
„Endlich!“ Die Erleichterung aller Beteiligten bei der Pressekonferenz im Resistenzmuseum war groß. Denn endlich können die Bauarbeiten am Museum losgehen.

Von Pol Schock

War ja klar, dass die ausgerechnet heute den Platz vor dem Museum mit ihren lauten Maschinen reinigen müssen“, sagt er mit leichtem Galgenhumor zu den beiden Pressesprechern der Gemeinde Esch/Azette, Luc Schloesser und Gilles Kommes. Dann dreht er sich um, bringt das Mikrofon in eine minimal andere Position und zieht den Vorhang, der die Bibliothek verdecken soll, leicht nach rechts.

Fast zehn Jahre hat Frank Schroeder auf diesen Moment hingearbeitet. „Neun Jahre und drei Monate, um genau zu sein“, wie er später in seiner Rede sagen wird. Denn als Frank Schroeder 2008 den Direktorenposten im nationalen Resistenzmuseum in Esch/Alzette antrat, hatte er vor allem ein Ziel: die Renovierung des Museums am Brillplatz. Heute ist es so weit – die Pläne werden in Anwesenheit von Bürgermeisterin Vera Spautz und Staatssekretär Guy Arendt der Öffentlichkeit vorgestellt. Geschafft.

Wie ein Relikt aus anderer Zeit sieht der Sakralbau am Brillplatz aus: hohe Pfeiler, kahle, monumentale Architektur – und vor allem: sehr viel Beton. Das Gebäude am Brillplatz (oder Place de la Résistance) ist beeindruckend und passt rein optisch so gar nicht in das urbane Bild von Esch/Alzette. Und wer sich dem Gebäude nähert oder gar das Foyer betritt, wird ernüchtert feststellen, dass der Zahn der Zeit am Gebäude nagt: schmutzige Fassade, bröckelnde Decken. Fast so, als wäre das Motto: Resistenz gegen Erneuerung.

Erinnerungs- und Gedenkort

Demnach zeigten sich alle Beteiligten am Dienstag erfreut, dass es nun Anfang 2018 endlich losgehen kann. 8,6 Millionen Euro soll das Umbauprojekt kosten. 4,55 Millionen Euro wird der Staat beitragen, 2,5 Millionen die „Œuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte“, und 1,55 Millionen Euro übernimmt die Stadt Esch, die im Besitz des Gebäudes ist. Und im Idealfall sollen die Arbeiten in anderthalb Jahren abgeschlossen sein, „aber schreiben sie lieber zwei“, so der Architekt Jim Clemes.

Für ihn war dabei klar, dass die Ästhetik des Monumentalgebäudes erhalten bleiben soll. Das Gebäude wurde 1956 vom Architekten Laurent Schmit erbaut und sollte ein sichtbares Mahnmal gegen den NS-Terror darstellen. Ein Erinnerungs- und Gedenkort, dessen Funktion man nicht umdeuten wolle. „Ein starker architektonischer Eingriff oder gar ein vollständiger Umbau wäre ein politisches Statement gewesen“, sagt Clemes. Deshalb werden die architektonischen Eingriffe sich in Grenzen halten.

Warum überhaupt noch ein Resistenzmuseum?

Das Museum wird jedoch nicht nur instand gesetzt, sondern auch vergrößert – und zwar deutlich. Nach hinten hin wird ein Durchbruch zum Gebäude in die obere Rue de l'Alzette geschaffen (Lot 1). Dadurch wird die Fläche des Museums sich mehr als verdreifachen: von 265 auf etwa 900 Quadratmeter. Die Erweiterung wird dabei genutzt für die Verwaltung, sanitäre Anlagen, Workshopräume, temporäre Ausstellungen und als alternativer Eingang für Gruppen.

Aber auch ein Teil der Dauerausstellung wird sich im neuen Gebäude wiederfinden. Für die Museografie zeichnet sich Nathalie Jacoby verantwortlich. Sie hegt dabei einen ähnlich puristischen Ansatz wie Clemes und will möglichst wenig am Ursprungsgebäude ändern. Im Gegenteil: Gerade die Monumentalität des alten Gebäudes soll Bestandteil der neuen Ausstellung werden (Lot 2). Sie will die Größe des Raumes nutzen, um die Besucher emotional an das Thema heranzuführen. Dazu sollen neben Porträts auch die Wiedererrichtung einer letzten bestehenden Baracke aus dem Konzentrationslager Hinzert dienen. Der neue Teil soll hingegen stärker auf Fakten und Hintergründe des NS-Apparats eingehen.

Das neue Gebäude (Lot 1) wird das Museum vergrößern. Der alte Teil (Lot 2) wird restauriert.
Das neue Gebäude (Lot 1) wird das Museum vergrößern. Der alte Teil (Lot 2) wird restauriert.

Doch die große Frage: Wofür eigentlich noch ein Resistenzmuseum? Müsse sich ein solches Museum nicht anno 2017 konzeptuell erweitern? Auch hier waren sich alle Beteiligten einig: Vera Spautz sah im Museum nicht nur einen Erinnerungsort für die Jahre 1940-1945, sondern auch eine Plattform für politische Bildung und Integration, die auch auf gegenwärtige Verbrechen gegen Menschenrechte eingehen soll. Gerade deshalb plädierte sie für eine partielle Umänderung des Museumsnamen in: „Musée national de la Résistance et des droits de l'Homme“. Auf Nachfrage zeigte sich auch Staatssekretär Guy Arendt von dieser Idee überzeugt.

In welche Richtung die inhaltlich Gestaltung genau gehen soll, darüber wird in nächster Zeit ein vom Museum aufgestelltes wissenschaftliches Komitee entscheiden. Darin befinden sich unter anderem die Historiker Sonja Kmec, Vincent Artuso, Paul Dostert und Thomas Grotum, aber auch Josiane Weber vom CNL und Viviane Thill vom CNA.

Für die Übergangszeit der Bauarbeiten wird Frank Schroeder übrigens mit seiner Museumsmannschaft in das Gebäude des früheren Friedensgericht ziehen. „Aber spätestens 2020 werden wir wieder hier sein – hoffentlich.“ Man merkt, er kann es kaum erwarten.


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