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"Anna": Mit den Waffen einer Frau
Kultur 9 2 13.07.2019

"Anna": Mit den Waffen einer Frau

Sasha Luss als KGB-Agentin Anna Politova.

"Anna": Mit den Waffen einer Frau

Sasha Luss als KGB-Agentin Anna Politova.
Kultur 9 2 13.07.2019

"Anna": Mit den Waffen einer Frau

Nicht nur Intelligenz oder Aussehen zählen zum üblichen Waffenarsenal einer Frau: Manchmal kann es auch einfach eine ganz banale Gabel sein. Vor allem dann, wenn ihr gerade die Muniton ausgegangen ist und sie, nach unzähligen Bodyguards – und dem dementsprechenden Body Count – auch noch das eigentliche Ziel ihres Mordauftrags umlegen soll.

So geht es nämlich der (selbstverständlich) schönen und schlauen KGB-Agentin Anna (Sasha Luss) bei ihrer Feuerprobe im Moskauer Restaurant. Natürlich besteht sie die mit fliegenden Fahnen – und spätestens da weiß der Zuschauer: „Anna“ ist ein klassischer Besson – actiongeladen, klischeedurchtränkt, nie sonderlich glaubwürdig – doch unterm Strich herrlich unterhaltsam.

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Schon das Plakat lässt es anklingen: Was Herr Bond kann, vermag Fräulein Anna (Sasha Luss) ebenso. Dabei reiht sie sich nahtlos hinter Nikita (Anne Parillaud), Lilu Dallas (Milla Jovovich in „The Fifth Element“) und Lucy (Scarlett Johansson) ein. Denn Anna beherrscht das Agenten(doppel)spiel ebenso elegant und mit Sex-Appeal durchsetzt, wie ihr männliches Gegenstück.

Altbewährtes statt Experimentierfreude

Was hat es nur mit schönen Frauen, scharfer Munition und Luc Besson auf sich? Denn bei der Filmografie des französischen Regisseurs lässt sich im Wahnsinn durchaus klar eine Methode erkennen. Und Kastrationsangst hegt der Filmemacher Besson angesichts seiner tödlichen Powerfrauen trotzdem sicher nicht.

Dennoch hat „Anna“ mit „Nikita“ (1990) nicht mehr viel gemein: Der französische Regisseur ist in die Jahre gekommen und traut weder sich noch seinen Zuschauern jene Experimentierfreude, die ihn früher auszeichnete, zu.

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Sasha Luss, die bereits in Bessons „Valerian and the City of a Thousand Planets“ Prinzessin Lïhio-Minaa spielte, taucht hier – redlich bemüht – als KGB-Agentin Anna Politova in ...die Modewelt ein.

Nun könnte man eine Art Metaebene vermuten, da die junge Russin, Jahrgang 1992, im richtigen Leben ein gefragtes Modell ist – wenn da nicht Bessons Drehbuch und seine Art, Geschichten zu ausführlich, sprich mit unmissverständlicher Erklärbär-Tendenz, zu erzählen wären.


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Volle Ladung Klischees und Brutalität

Die volle Ladung Klischees und Brutalität, hanebüchener Situationen und vorhersehbarer Entwicklungen kompensiert Bessons spürbare Begeisterung für seine Story und Figur, sowie die formal abwechslungsreiche Umsetzung mit Zeitsprüngen, bei der Besson aber stets schriftlich (!) ausführt, wohin er das Publikum bringt.

Oscarpreisträgerin Helen Mirren ist die eigentliche Augenweide als Annas Ausbilderin und Karikatur der unbarmherzigen, russischen Agentenschmiedin, die mit Hornbrille wie eine weibliche Version von Max Frisch anmutet – mit Zigarette statt Pfeife.

Am Ende ist „Anna“ einer dieser Filme, die unerklärlicherweise, gerade weil sie ziemlich schlecht sind, sich wiederum richtig gut machen.