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Adrienne Haan heizt Kabarett-Fans im TNL ein
Kultur 2 5 Min. 05.10.2019

Adrienne Haan heizt Kabarett-Fans im TNL ein

Adrienne Haan verbindet in ihren Shows amerikanischen Glamour und europäischen Intellekt.

Adrienne Haan heizt Kabarett-Fans im TNL ein

Adrienne Haan verbindet in ihren Shows amerikanischen Glamour und europäischen Intellekt.
Foto: Jack Denver
Kultur 2 5 Min. 05.10.2019

Adrienne Haan heizt Kabarett-Fans im TNL ein

Sophia SCHÜLKE
Sophia SCHÜLKE
Ein Lied für jeden erdenklichen Gemütszustand: Adrienne Haan liefert am Samstag und Sonntag im TNL eine One-Woman-Show im Kabarett-Stil der wilden Zwanziger.

Sexy, ausgelassen, schicksalsraunend: Kaum eine Zeit wird mythisch so verklärt wie die 1920er-Jahre. Die Entertainerin Adrienne Haan lässt die legendäre Kabarettszene von damals am Samstag und Sonntag für kurze Zeit im TNL wieder auferstehen – genauso und doch anders. Mit der Premiere der Produktion „Zwischen Feuer & Eis – Ein Weimar Berlin Kabarett“ begeht die Deutsch-Luxemburgerin, mit Benjamin Schaefer am Klavier, das 100. Jubiläum der Weimarer Republik. Zudem startet das TNL seinen neuen Zyklus „Text a Musek an der Bar“.

Adrienne Haan, Sie haben Kabarettprogramme rund um die Musik der 1920er- und 1930er-Jahre entwickelt. Was fasziniert Sie an dieser Zeit?
Ich fand die Weimarer Zeit schon im Geschichte-Leistungskurs faszinierend, wenngleich ich die gesamten politischen Hintergründe damals nicht richtig durchschaut habe. Dann habe ich in den USA Schauspiel und Gesang studiert und in diversen Musicals gesungen. Irgendwann wollte ich eine Solokarriere starten, was sehr schwierig ist, und kam zu den Liedern von Kurt Weill, die einfach grandios sind. Ich habe angefangen, mich mehr damit zu beschäftigen und kann nicht mehr davon los. So fand ich auch zu anderen Stücken der 1920er-Jahre. Unter meinen zwölf Programmen gibt es aber auch andere Themen, so bietet etwa „Rock le Cabaret“ französische Chansons verrockt.

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Worin besteht der Reiz an den Liedern dieser Zeit?
Kurt Weill hat sehr spezifisch komponiert; selbst ein positives Stück hat er trotzdem sehr viel in Moll-Tonarten geschrieben. Dann kommen die Texte von Brecht dazu; die Stücke sind alle sehr lyrisch, sehr lang und sehr politisch. „Alles Schwindel“ von Mischa Spoliansky etwa kann eins zu eins auf heute übertragen werden. Auch Balladen wurden lyrisch und musikalisch hochwertig verfasst – im Vergleich zu heutigen Popsängern haben die Künstler damals richtige Texte geschrieben. Außerdem ist es nicht nur die Zeit der politischen Grabenkämpfe, sondern auch die Epoche, in der die Kabarettszene entstanden ist, in der die sexuelle Revolution und die Schwulenbefreiung begannen, was letztlich von den Nazis wieder zerschlagen wurde.

Die Shows sind der kleinste Teil meiner Arbeit.

Adrienne Haan, Entertainerin

Sie legen Wert auf historisch akkurate Auftritte, wie gehen Sie vor?
Für alle meine Programme habe ich immer sehr viel recherchiert. Ich bringe den Glamour des amerikanischen Entertainments mit dem deutschen oder europäischen Intellekt in Verbindung. Ich vermittle Hintergrundwissen und historische Fakten, singe also nicht nur, sondern erzähle auch Geschichten. Es ist eine One-Woman-Show im Kabarett-Stil von damals. Im TNL werden wir im Foyer spielen, um diese Kabarettatmosphäre entstehen zu lassen.


HANDOUT - 24.02.2010, ---: Das Box-Set "Abbey Road" von den Beatles. Vor 50 Jahre wurde das Album Abbey Road von den Beatles veröffentlicht. Das Album wurde nach der gleichnamigen Straße im Londoner Stadtteil St. John's Wood benannt. (Aufnahmedatum und -ort unbekannt - zu dpa «Der letzte Geniestreich: 50 Jahre «Abbey Road» von den Beatles») Foto: Apple Corps Ltd/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Beatles und The Analogues. Das Foto darf nicht verändert und nur im vollen Ausschnitt verwendet werden. Keine Archivierung. Nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
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Inwiefern stoßen Sie bei der historischen Bearbeitung an Grenzen?
In puncto Outfit ist mein Kostüm ein komplettes 1920er-Jahre Outfit, nur die Schuhe sind modern. Aber stimmlich gibt es Unterschiede. Da die meisten Kabarettkünstler damals nicht sehr gut singen konnten, nutzten sie viel Sprechgesang. Da ich viele Stücke mit meiner voll ausgebildeten Musical- und Operettenstimme singe, klingen sie anders als früher. Bei aller Korrektheit unterscheide ich mich von Künstlern wie Max Raabe, der genauso singt wie damals und die Gesangstechnik der Comedian Harmonists genau imitiert. Meine Shows sind immer auch 100 Prozent Adrienne Haan. Die Arrangements sind teilweise für mich geschrieben und die meisten Lieder von Sopran auf Mezzo heruntergesetzt.

Was bieten Sie in „Zwischen Feuer & Eis“ inhaltlich?
Ich hatte in opderschmelz einen Vortrag über „entartete Musik“ gehalten; und da gehören diese Songs auch dazu, denn bis auf „Lili Marleen“ stammen alle Lieder der Show von jüdischen Komponisten und Lyrikern. Diese Musik wurde früher für das Kabarett, also für leichtes Entertainment, geschrieben. Heute aber gilt sie, im Gegenteil zu damals, als intellektuell, weil die Leute nicht mehr gewöhnt sind, richtige Lyrik zu lesen. Doch bestimmte Lieder, etwa Brechts „Ballade vom Paragraphen 218“ über Hitlers Verbot des Schwangerschaftsabbruchs, sollten damals aber schwer sein. In „Feuer & Eis“ mache ich das Publikum auch darauf aufmerksam, dass Rechtsdruck und Antisemitismus aktuelle Bedrohungen sind und dass es Parallelen zur Weimarer Zeit gibt. Aber die Show ist auch extrem witzig und unterhaltend. Es werden alle Gemütszustände abgedeckt.


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Mit „Tehorah“ gastieren Sie am 27. Januar im Theater Esch. Mit dieser Show haben Sie 2015 ihr Debüt in der Carnegie Hall gegeben – was hat Ihnen dieser Auftritt bedeutet?
Das war eine absolut großartige Erfahrung, ich bin sehr stolz darauf. Mit „Tehorah“ trete ich in Esch zum Holocaust Remembrance Day mit Streicherquartett auf. Das Programm erfolgt zur Präsidentschaft Luxemburgs von der International Holocaust Remembrance Alliance 2019.

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Wie organisieren Sie sich als Solokünstlerin?
Das Publikum sieht während der Shows nur den kleinsten Teil meiner Arbeit. Und die Show ist auch das Schöne. Aber 99 Prozent meiner Arbeit ist etwas ganz Anderes, nämlich Buchhaltung, die Organisation von Proben, die Koordination der Musiker, die Akquise von Sälen, das Aufsetzen von Verträgen. Man ist rund um die Uhr beschäftigt, man ist Agent, Buchhalter und Künstler in einem.

Und Ihre Stimme müssen Sie dabei auch noch fit halten, oder?
Bei mir reichen gute Übungen ein bis anderthalb Stunden pro Woche. Aber meine Programme sind stimmlich sehr anspruchsvoll, es geht in die Höhen, in die Tiefen, es gibt Sprechgesang, man singt voll aus. Nicht zuletzt stehe ich als Alleinunterhalter auf der Bühne und der Inhalt des Programms ist emotional anstrengend. Zwei Tage hintereinander aufzutreten und danach auch mit dem Publikum zu sprechen, ist sehr fordernd und dann ist es besser, einen Tag vor dem Auftritt nicht zu reden.

Sie sprechen dann kein Wort?
Nein, ich rede gar nicht, damit die Stimme geölt und ausgeruht ist. Auch danach ist ein Tag zum Ausruhen der Stimme wichtig.
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„Zwischen Feuer & Eis“ am Samstag 20 Uhr (Premiere), Sonntag 17 Uhr. Tickets unter www.luxembourg-ticket.lu.


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