Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Abschied von einem Pionier
Kultur 2 Min. 03.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Abschied von einem Pionier

Als Denker und Wegbereiter der zeitgenössischen Luxemburgistik bleibt Cornel Meder in Erinnerung.

Abschied von einem Pionier

Als Denker und Wegbereiter der zeitgenössischen Luxemburgistik bleibt Cornel Meder in Erinnerung.
Foto: Archiv LW
Kultur 2 Min. 03.07.2018 Aus unserem online-Archiv

Abschied von einem Pionier

Sarah ROCK
Sarah ROCK
Er galt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der heimischen Literaturwissenschaft und Publizistik. Der Autor, Publizist, Literaturkritiker und Politiker Cornel Meder ist am Montag im Alter von 79 Jahren gestorben.

Als „Feierabend-Erzähler“ beschreibt Meder sich in den erst vor drei Wochen erschienenen Memoiren, einer Verschmelzung aus Autobiografie und Fiktion. „Das sei aber keineswegs negativ gemeint“, so Claude Conter, Direktor des „Centre national de littérature“ (CNL) in Mersch. Denn eigentlich war der studierte Germanist auf vielen Ebenen aktiv. „Meder ist Pionier der zeitgenössischen Luxemburgistik“, so Conter, „Er hat als Literaturwissenschaftler die Literatur konserviert und valorisiert. Er hat Vergessenes wieder ausgegraben und bis heute gibt es Diskurse in der luxemburgischen Literaturwissenschaft, die ohne Meders Arbeit nicht stattfinden würden.“ Durch seine Arbeit auf verschiedenen Ebenen wie der Tätigkeit als Herausgeber und Archivar – Meder war Direktor des Nationalarchivs von 1987 bis 2003 und Mitbegründer des CNL – konnte er die Literaturszene Luxemburgs mit aufbauen und organisieren. „Er hat viele Denkanstöße gegeben, wie zum Beispiel 2003 die Idee für ein neues Gebäude für das Nationalarchiv in Belval. Damit wollte Meder die verstreuten Teile des Archivs endlich zusammenbringen.“, sagt Josée Kirps, heutige Direktorin des Nationalarchivs.

Ein anderes Bestreben sei die unermüdliche Arbeit an einer besseren Zugänglichkeit zur Literatur gewesen durch höhere Auflagen und niedrigere Verkaufspreise, sagt Conter. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehört die Mitarbeit am Werk über Aline Mayrisch de Saint-Hubert und über Michel Rodange, den er selbst als „kleng a fragil – mä [...] och en zéie Brudder“ bezeichnet. Außerdem hat er zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze zu fast vergessenen luxemburgischen Autoren publiziert, denen er dadurch eine neue Plattform in der Literaturlandschaft verschaffen konnte.

Cornel Meder bei der Vorstellung seines Buches "Ronconi" im Februar 2016
Cornel Meder bei der Vorstellung seines Buches "Ronconi" im Februar 2016
Foto: Lucien Wolff

Der Dichter und Denker

Der Germanist und Historiker ist in Rümelingen aufgewachsen und hat seine Studien in Luxemburg, Leuven, Bonn, Paris und Tübingen abgeschlossen. Als Deutschlehrer arbeitete er im Escher Lycée de Garçons und wurde dann Chargé de la direction des collèges de l'enseignement moyen in Petingen und Düdelingen. 1970 wurde er zum Direktor des heutigen „Lycée technique Mathias Adam“ in Petingen ernannt. „Auch in der Schule hat Meder den literarischen Diskurs gefördert, indem er auf Lehrer, die als Schriftsteller tätig waren, aufmerksam machte, und Schüler für luxemburgische Literatur begeistern wollte“, erklärt Conter.

Der Drang, selbst zu schreiben, ließ ihm keine Ruhe: Schon 1962 veröffentlichte er die Erzählung „Renzo Pontevias Briefe“ und verschaffte sich damit den Ruf des bissigen Kritikers und Satirikers, der sich nicht davor scheute, festgefahrene Ideen spöttisch gegen den Strich zu bürsten. Denn auch politisch war Meder aktiv: Seit 1981 saß er in Differdingen für die LSAP im Gemeinderat, war Kultur- und Umweltschöffe von 1994 bis 2002 und schließlich Mitglied des Staatsrats von 1977 bis 1999. „Als Herzstück gilt die Kulturzeitschrift ,Galerie‘, die Meder 1983 ins Leben rief und deren literarische Qualität geschätzt wird“, so Kirps. Mitherausgeber ist das „Centre Culturel Differdange“, dessen Gründer Meder war und in dem er im vergangenen Juni zum 50. Jubiläum seine letzte Rede hielt.

Dass er auch im kulturellen Leben in seiner zweiten Heimat Differdingen Pionierarbeit geleistet hat, weiß die Gemeinde bis heute zu schätzen. „Er war voller Energie – ein Mensch, der sein Vorhaben stets durchgezogen hat“, erinnert sich Robert Fleischhauer, Mitglied des Redaktionskomitees der „Galerie“, „Aufgeben wollte er nie. Nach der Gründung des ,Centre Culturel‘, früher ,Volksbildungsverein‘, organisierte er zum Beispiel immer wieder Konferenzen oder Ausstellungen, die zwar anfangs kaum Anklang fanden, danach aber erfolgreich wurden. Cornel Meder war ein starker Charakter mit viel Ausdauer und Durchhaltevermögen.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Cornel Meder galt als unermüdlicher Verfechter der luxemburgischen Literatur. Sein Ziel war die "Popularisierung" der luxemburgischen Werke, so Claude Conter (CNL).
Cornel Meder bei der Vorstellung seines Buches "Ronconi" im Februar 2016
Zwanzig Jahre „Centre national de littérature“
Als das CNL am 14. Oktober 1995 im Laufe des Luxemburger Kulturjahres seine Türen offiziell eröffnete, gab es durchaus auch skeptische Stimmen. 20 Jahre später sind diese verstummt.
Zum 25-jährigen Bestehen der Fondation Servais
Im Interview zum Jubiläum einer der wichtigsten Stiftungen rund um das literarische Schaffen im  Land sieht die Präsidentin Germaine Goetzinger Handlungsbedarf in der Schule ebenso wie der Autoren- und Verlegerszene.
Germaine Goetzinger bei der Juliäumsfeier am Sonntag, dem 5. Oktober.