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1535ºC: Ein Schmelztiegel für brodelnde Kreativität in Differdingen
Kultur 1 3 Min. 01.06.2013 Aus unserem online-Archiv

1535ºC: Ein Schmelztiegel für brodelnde Kreativität in Differdingen

Kultur 1 3 Min. 01.06.2013 Aus unserem online-Archiv

1535ºC: Ein Schmelztiegel für brodelnde Kreativität in Differdingen

Der Schmelzpunkt des Eisens liegt bei 1535 Grad Celsius - und so nennt sich eine neue Arbeitsstätte für „im Kopf jung gebliebene Kreative“. wort.lu sprach mit Tania Brugnoni, Leiterin dieses Projektes in Differdingen.

(vac) - Zwei Dinge sind – in der heutigen Zeit und im Großherzogtum wohl umso mehr – wahrer Luxus: Raum und Zeit. Beides wird – zudem noch auf dem sprichwörtlichen „silbernen Tablett“ – in nächster Zukunft kreativen Köpfen dank „1535o C“, das derzeit in Differdingen auf die Schienen gebracht wird, geboten. Wir trafen Tania Brugnoni, Leiterin des Projektes, auf einem Areal, dessen Warnhinweise in geraumer Zeit „Unbefugten ist der Zutritt strengstens geraten“ lauten soll.

„Der Schmelzpunkt des Eisens liegt bei 1 535 Grad Celsius – und die Wahl dieses Namens symbolisiert nicht nur die Erwartungen, die wir in das Projekt setzen – sprich, dass er zum brodelnden Schmelztiegel für kreative Köpfe wird –, sondern ist zudem auch noch eine Reverenz an seine vorherige Nutzung“, erklärt uns Tania Brugnoni, als sie uns mit einem energischen Händedruck und einem gewinnenden Lächeln inmitten des geschäftigen Treibens empfängt. Dass die Verwurzelung der Struktur in der industriellen Vergangenheit des Gebäudes nicht nur ein werbewirksames Argument für einen derzeit durchaus „hippen“ Postindustrialismus ist, stellt man schnell bei einem Rundgang fest: Der Kurs ist klar in Richtung Zukunft gesetzt, doch die sprichwörtliche „Seele“ des Ortes ist noch immer überall spürbar. „Wir haben zwar beispielsweise beschlossen, eine doppelte Verglasung anzubringen, doch werden die bestehenden Fensterrahmen soweit wie möglich erhalten“, führt Tania Brugnoni aus, während sie unseren Fotografen Modell steht und gleichzeitig den gerade eingetroffenen Elektriker freundlich einweist. Auch die vor Ort noch befindlichen Maschinen werden nicht verschrottet, sondern später auf die einzelnen Gebäude verteilt. Nicht von ungefähr schwingt, standorttreu, ein Hauch von Weltkulturerbe Völklinger Hütte mit.

Dabei entsteht hier nicht gerade etwa ein zur Konservierung gedachtes Freilichtmuseum, sondern eine neue Arbeitsstätte für „im Kopf jung gebliebene Kreative“, wie Brugnoni erklärt. Darunter fallen die unterschiedlichsten Zünfte – Maler, Bildhauer, Fotografen, Grafiker, Designer, Architekten ... können sich hier mit ihren Werkstätten und Büros einmieten und das auch noch zum – wahrlich unschlagbaren! – Preis von sechs Euro pro Quadratmeter.

„1535o C“: Das sind rein rechnerisch insgesamt 16 000 Quadratmeter, verteilt auf drei Gebäude des ArcelorMittal-Konzerns, der sie für 900 000 Euro für die kommenden 30 Jahreder Gemeinde Differdingen verpachtet hat. Neben dem Teil, in dem „1535oC“ entsteht, werden noch in der letzten vom Stahlriesen genutzten Halle die eindrucksvollen Wolkenkratzer-Träger gegossen, doch bald wird eine Umgehungsstraße die Nabelschnur zwischen beiden Arealen durchtrennen, um den drei „1535oC“-Gebäuden ein neues Leben zu gewähren.

Die zwischenmenschliche „Chimie“ ist ausschlaggebend

Die zehnjährige Erfahrung, die die junge diplomierte Kunst-Restauratorin aus ihrer Arbeit in der Kulturabteilung der Gemeinde mitbringt, kommen ihr hier durchweg zugute. So ist ihr die Vernetzung des „1535o C“ dann auch auf nationaler und internationaler Ebene überaus wichtig: „Direkter Kontakt ist das A und O!“, stellt sie bestimmt fest.

„Es ist uns nicht nur wichtig, dass sich später hier bestenfalls gemeinsamen Projekte unter den zusammengebrachten Kreativen entwickeln, gleichermaßen wichtig ist uns, eine Brücke zu den Differdinger Bewohnern und über das Territorium der Stadt und gar des Landes hinaus in die Großregion zu schlagen“, erklärt uns die Leiterin. Nicht von ungefähr werden die von der Gemeinde angebotenen Kurse bald im „1535o C“ abgehalten werden, und ein Café soll Besucher auf das Gelände locken.

Damit für die Zukunft auch die besten Voraussetzungen gegeben sind, nimmt sich die Leiterin die notwendige Zeit, mit allen Interessenten persönlich ein Gespräch zu führen: „Ein solides Bewerbungsdossier allein tut es nicht, denn es verrät nur bedingt etwas über das Menschliche“, meint sie entschieden, „Und vor allem in kreativen Bereichen ist diese 'Chimie' ausschlaggebend!“ Zumindest um die braucht man sich bei der genau richtigen Mischung von pragmatischer Sachlichkeit und ansteckender Begeisterung der Leiterin keine Sorgen zu machen!

Interessenten können über die Webseite Einsicht in das Projekt erhalten. Bei Interesse kann man über Tel. 58 77 1-1535 oder tania.brugnoni@differdange.lu Kontakt mit Tania Brugnoni aufnehmen.