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126 Dollar am ersten Tag, 162 am zweiten
Kultur 2 Min. 20.08.2018 Aus unserem online-Archiv

126 Dollar am ersten Tag, 162 am zweiten

Kevin Spaceys tiefer Fall: Belästigungsvorwürfe, Rausschmiss aus "House of Cards" und jetzt ein Minusrekord an der Kinokasse.

126 Dollar am ersten Tag, 162 am zweiten

Kevin Spaceys tiefer Fall: Belästigungsvorwürfe, Rausschmiss aus "House of Cards" und jetzt ein Minusrekord an der Kinokasse.
Foto: AFP
Kultur 2 Min. 20.08.2018 Aus unserem online-Archiv

126 Dollar am ersten Tag, 162 am zweiten

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Kevin Spaceys aktueller Film "Billionaire Boys Club", der letzte, der noch vor den Vorwürfen sexueller Belästigung gegen den US-Filmstar abgedreht wurde, spielt zum Auftakt einen Minusrekord ein.

Kevin Spacey, man kann es kaum anders nennen, ist in Ungnade gefallen. Es begann mit den Vorwürfen der sexuellen Belästigung, die mehrere junge Männer Ende 2017 gegen den Film- und Serienstar ("American Beauty", "House of Cards") erhoben. Diese Nachrichten führten zu einem Outing Spaceys und einer von vielen für taktisch gehaltenen Entschuldigung via Twitter.  

Sie führten aber auch dazu, dass niemand mehr mit ihm arbeiten wollte: Ridley Scott ließ alle bereits fertigen Szenen mit Spacey aus seinem Film "Alles Geld der Welt" herausschneiden und mit Christopher Plummer neu drehen. Netflix kündigte an, die sechste Staffel der Erfolgsserie "House of Cards", in der Spacey als windiger Präsident Frank Underwood über Jahre eine Hauptrolle im besten Sinne gespielt hatte, ohne ihn zu produzieren und die Serie danach zu beenden. Es folgte nicht zuletzt die #metoo-Debatte, weil Spacey offensichtlich nicht der einzige in Hollywood war, der Grenzen überschritten hatte. 


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Dann hörte man länger nichts. Und jetzt das: Spaceys aktueller Film "Billionaire Boys Club", es ist der letzte, der noch vor den Vorwürfen abgedreht wurde, spielte am Eröffnungswochenende einen Minusrekord ein. Am vergangenen Freitag brachte der Streifen 126 Dollar in die Kassen der insgesamt zehn Kinos, die ihn zeigten, am darauffolgenden Samstag waren es 162. 

Insgesamt 287 Dollar nach zwei Tagen - das dürfte mit das schlechteste Startergebnis seit Beginn der Erhebungen sein. Das Branchenblatt "Hollywood Reporter" rechnet dem Film kaum Chancen aus, am Eröffnungswochenende die 500-Dollar-Hürde zu knacken. Bei einem durchschnittlichen Ticketpreis von 9,27 Dollar wären das nicht einmal sechs Zuschauer pro Kino - und das, obwohl Spacey in dem Indie-Film unter der Regie von James Cox nur eine Nebenrolle spielt. Selbst vor dem Hintergrund, dass "Billionaire Boys Club" bereits als Video-On-Demand veröffentlicht war, was sich ebenfalls negativ auf die Kinokassen ausgewirkt haben dürfte, ist das eine ziemlich heftige Abstimmung mit den Füßen. 

Zum Vergleich: "Memoir of War" (Originaltitel: "La Douleur"), ein französisches Weltkriegsepos von Emmanuel Finkiel mit Mélanie Thierry und Benjamin Biolay in den Hauptrollen, brachte es am vergangenen Wochenende in nur zwei Kinos auf über zehntausend Dollar.   

Premiere abseits der Metropolen

Ganz unvorbereitet traf das Schicksal die Macher des Spacey-Films allerdings nicht: "Wir hoffen, dass diese Anschuldigungen, die zum Zeitpunkt der Entstehung nicht bekannt waren und auch nur eine Person betreffen, die in 'Billionaire Boys Club' eine kleine Nebenrolle spielt, die Veröffentlichung des Films nicht negativ beeinflussen. Wir hoffen, dass die Zuschauer sich ihr eigenes Bild machen", ließ die Vertriebsfirma Vertical Entertainment im Sommer verlauten.  

Die Kinos, die den Film am Wochenende ins Programm nahmen, befinden sich an Orten wie Minneapolis, Sarasota (Florida) oder New Orleans - und nicht in den Metropolen Los Angeles oder New York.

Anschaulich und schmerzhaft werden die Zahlen erst in der vom "Hollywood Reporter" gelieferten Aufschlüsselung: 45 Dollar kamen am Freitag in Middletown, Connecticut, zusammen. In Antioch, Kalifornien waren es sogar nur neun, was mit einiger Sicherheit bedeutet, dass der Ticketkäufer alleine im Kino saß - ebenso wie in Minneapolis. 



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