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100.000 Euro für den Koekkoek
Kultur 3 Min. 03.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Nationalmuseum bittet Bürger um Spenden

100.000 Euro für den Koekkoek

"Luxemburgische Landschaft mit Burgruine Fels (Larochette)" (1848) von Barend Cornelis Koekkoek soll als nationales Erbe gesichert werden.
Nationalmuseum bittet Bürger um Spenden

100.000 Euro für den Koekkoek

"Luxemburgische Landschaft mit Burgruine Fels (Larochette)" (1848) von Barend Cornelis Koekkoek soll als nationales Erbe gesichert werden.
Foto:MHNA
Kultur 3 Min. 03.05.2016 Aus unserem online-Archiv
Nationalmuseum bittet Bürger um Spenden

100.000 Euro für den Koekkoek

Daniel CONRAD
Daniel CONRAD
Spendenaufruf vom Nationalmuseum: Um die historische Darstellung von Larochette des niederländischen Meisters Koekkoek ankaufen zu können, sollen Bürger spenden. Das Motto: "Jeder Cent zählt".

Von Daniel Conrad

Zum ersten Mal in der Geschichte des Museums lanciert das Nationalmuseum einen breiten Spendenaufruf für ein Werk, das als nationales Erbe in seinen Schutz kommen soll: Um die historische Darstellung von Fels des niederländischen Meisters Barend Cornelis Koekkoek anzukaufen, sollen die Bürger spenden. Das Motto: "Jeder Cent zählt".

Konkret handelt sich um "Luxemburgische Landschaft mit Burgruine Fels (Larochette)" aus dem Jahr 1848. Ein deutscher Sammler, dessen Identität vom Museum geschützt wird, bietet das Werk nun dem MNHA an. Natürlich hätte der Sammler es auch in ein Auktionshaus geben können. Aber dieser sei selbst Mäzen und sehe das Werk in den Händen des Luxemburger Nationalmuseums lieber, so Direktor Michel Polfer -  selbst wenn mit einem freien Verkauf wahrscheinlich mehr Geld für den Koekkoek zusammenkäme.

Genaue Kaufsumme bleibt geheim

Eine genaue Summe für den Kauf nennt Polfer nicht – und der soll auch geheim bleiben. Schon aber aus den erzielten Auktionspreisen aus dem letzten Jahrzehnt für Koekkoeks Kunst dürfte es sich mindestens um einen hohen sechsstelligen, im schlimmsten Fall Millionen-Betrag drehen. "Diese Art von Kunst ist auf dem Markt sehr begehrt. Das ist jetzt eine einzigartige Gelegenheit, diesen Schatz ankaufen zu können", so der Museumsdirektor.

Aktuell ist das Bild als Leihgabe im Nationalmuseum zu sehen.
Aktuell ist das Bild als Leihgabe im Nationalmuseum zu sehen.
Foto: MNHA

"Die erforderliche Investition übersteigt jedoch bei weitem das Ankaufsbudget des Museums." [Anm. d. Red.: jährlich rund 350.000 Euro] "Deshalb starten wir – nach dem Beispiel anderer öffentlicher Institutionen wie dem Louvre oder der National Gallery – einen Aufruf zur Kulturförderung im Rahmen einer Crowdfunding-Aktion, in der Überzeugung, dass das Publikum die nationale Bedeutung dieser Maßnahme ermisst und uns in unseren Ankaufsbemühungen unterstützt", so Polfer

Bis zum 1. November 2016 will das Museum so mindestens 100.000 Euro für das Werk von privaten Einzelspendern und Unternehmen zusammenbekommen. Zumindest soll damit die Bevölkerung beim Ankauf mithelfen - andererseits aber auch ein Verantwortungsbewusstsein für das nationale Erbe in der breiten Bevölkerung geschaffen werden und das Mäzenatentum wieder stärker in das Blickfeld der Kulturfinanzierung rücken.

Auftragswerk des niederländischen Königs und luxemburgischen Großherzogs Wilhelms II.

Aber warum ist dieses Werk im Vergleich zu anderen so wichtig? Dazu erklärte Museumsdirektor Michel Polfer in einer Pressekonferenz:  "Das Werk gehört zu einem Zyklus großer luxemburgischer Landschaften, die Wilhelm II. in Auftrag gab, nach einer Luxemburg-Reise im Jahr 1845 und zu der er den Künstler eingeladen hatte. Heute sind nur noch vier der acht Gemälde bekannt. Es bietet sich hier also eine einzigartige Gelegenheit, eine romantische luxemburgische Landschaft, in die staatlichen Sammlungen aufzunehmen, die von einem der größten Landschaftsmaler seiner Epoche geschaffen wurde, ein Werk von außerordentlicher künstlerischer Qualität und historischer Bedeutung."

Im Vordergrund des Gemäldes spielt sich eine kleine Szene ab.
Im Vordergrund des Gemäldes spielt sich eine kleine Szene ab.
Foto: MNHA

Und das Kulturministerium? Staatssekretär Guy Arendt sieht diese Initiative als richtigen Weg. Das Budget sei festgeschrieben. Sondermittel oder eine Art Kredit für den Ankauf habe man nicht diskutiert: "Die Ankaufsentscheidungen trifft nicht das Ministerium, sondern das Museum und bekommt dafür seine Dotation. Wenn das Museum nun der Überzeugung ist, dass da etwas angekauft werden muss, das seine Mittel übersteigt, ist es legitim einen Aufruf an die Bevölkerung zu richten."

Nur "moralische Unterstützung" aus dem Kulturministerium

Hauptsächlich leiste das Ministerium bei diesem Projekt "moralische Unterstützung". Und ja, er sehe dieses Modell der Bürgerbeteiligung nicht nur auf die Kultur beschränkt.

Für interessierte Spender hat der FOCUNA eigens eine Spendenhomepage unter http://www.mnha.lu/tousmecenes eingerichtet. Für kleinere Bargeldspenden ist sogar  eine Spendenbox im Museumsraum, in dem das Werk aktuell als Leihgabe zu sehen ist, eingerichtet. Je nach Höhe der Spenden winken auch einige Vorteile - unter anderen können Beträge über 50 Euro von der Steuer abgesetzt werden. Zudem werden die Spender auf Wunsch auch namentlich genannt und zu Veranstaltungen rund um das Projekt eingeladen. Unternehmen bekommen ab einer Summe von 10.000 Euro und mehr gar Möglichkeiten für Empfänge im Kulturhaus am Fischmarkt.

Und was passiert, wenn das Geld nicht zusammenkommt? Noch ist Museumsleiter Polfer zuversichtlich. Gesetzt den Fall, das Museum müsste seinen gesamten Anschaffungsetat einsetzen und bekäme 100.000 Euro aus Bürgerhänden zusammen, läge man gerade einmal bei 450.000 Euro. Wie dann den Rest auftreiben? Man werde schon mit dem Sammler einig, vielleicht könnte man eine Art Finanzierung auf Jahre aushandeln, so Polfer. Doch jetzt starte erst einmal der Spendenaufruf.

In einem Video des Museums zur Kampagne erklärt Direktor Polfer das Werk im  Detail und wieso diese Art der Beteiligung der Bürger notwendig ist: