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Zweites TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten: Harte Bandagen
International 2 5 Min. 10.10.2016

Zweites TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten: Harte Bandagen

Ein wohl nur symbolischer Händedruck nach der Debatte.

Zweites TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten: Harte Bandagen

Ein wohl nur symbolischer Händedruck nach der Debatte.
Foto: REUTERS
International 2 5 Min. 10.10.2016

Zweites TV-Duell der US-Präsidentschaftskandidaten: Harte Bandagen

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Hillary Clinton und Donald Trump schenken sich nichts. Wegen einer Affäre um sexistische Äußerungen in Bedrängnis, geht Trump im zweiten TV-Duell um das Weiße Haus in die Offensive. Er droht ihr sogar damit, sie ins Gefängnis zu bringen.

(dpa) - In einem hitzig geführten TV-Duell im Kampf um das Weiße Haus haben sich Hillary Clinton und Donald Trump gegenseitig mit herben Vorwürfen überzogen. Der Republikaner Trump, zuletzt wegen sexistischer Äußerungen aus dem Jahr 2005 in die Defensive geraten, forderte sogar eine Haftstrafe für seine Gegnerin wegen ihres Umgangs mit ihren dienstlichen E-Mails als US-Außenministerin.

In dem Skandal um das Ende vergangener Woche aufgetauchte Video mit sexistischen Äußerungen zeigte sich Trump reuig. «Ich schäme mich», sagte er über die frauenfeindlichen Bemerkungen. Er achte Frauen. «Niemand respektiert Frauen mehr als ich», sagte Trump. Seine Äußerungen bezeichnete er als «Umkleidekabinen-Gespräche». Trump hatte in dem Video unter anderem erklärt, als «Star» könne er sich Frauen gegenüber alles erlauben, auch den Griff an ihre Geschlechtsteile.

Sehen Sie hier das besagte Video:

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Clinton erklärte, die Äußerungen seien bezeichnend für Trumps Persönlichkeit. «Jedem, der (das Video) gehört hat, ist klar, dass das genau ausmacht, wer er ist», sagte die 68-Jährige. Trump habe Frauen beleidigt. Er habe zudem Migranten, Afroamerikaner, Latinos, Behinderte, Muslime und andere verbal ins Visier genommen.

Die beiden Duellanten gingen scharf miteinander ins Gericht.
Die beiden Duellanten gingen scharf miteinander ins Gericht.
Foto: AFP

Die Demokratin Clinton bezichtigte Trump ihrerseits mehrmals, falsche Angaben zu machen. «Was Sie von Donald hören, ist wieder nicht wahr. Er lebt in einer parallelen Realität», sagte Clinton.

Laut einer Blitzumfrage des Senders CNN gewann die Demokratin die Debatte mit 57 Prozent. Der Republikaner kam auf 34 Prozent. Clinton schnitt damit fünf Prozentpunkte schlechter ab als in der ersten Debatte.

"Drei gegen einen"

Trump redete sich zu Anfang der 90-minütigen Debatte mehrmals in Rage, musste von den Moderatoren unterbrochen werden, weil er die vereinbarte Redezeit überzogen hatte. Der Immobilienmilliardär fühlte sich daraufhin schlecht behandelt. «Es ist drei gegen einen», sagte Trump, als die Moderatoren Anderson Cooper und Martha Raddatz baten, beim Thema zu bleiben.

Clinton gab ihrerseits Versäumnisse beim Umgang mit ihren E-Mails in ihrer Zeit als Außenministerin zu. «Es war ein Fehler», sagte sie zu der Praxis, dienstliche E-Mails als US-Außenministerin von einem privaten und nicht gesicherten Server zu versenden. Ihr Kontrahent Donald Trump hatte zuvor bei der zweiten Fernsehdebatte der beiden Präsidentschaftskandidaten herbe Vorwürfe gegen Clinton vorgebracht. Die ehemalige Ministerin und First Lady müsse inhaftiert werden.

Drohung mit Sonderermittler

Am Ende drohte er ihr damit, eine neue Untersuchung einzuleiten, sollte er die Wahl gewinnen. «Ich werde den Generalstaatsanwalt bitten, einen Sonderermittler damit zu beauftragen, diese Sache anzuschauen, weil es nie zuvor so viele Lügen gab, so viel Betrug», erklärte Trump. Das FBI hatte seine Ermittlungen zu der Affäre mit der Bewertung «grob fahrlässig» abgeschlossen, aber keine strafbare Handlung oder Absicht gesehen.

In der Debatte um die Behandlung von Muslimen in den USA forderte Clinton mehr Toleranz. «Meine Vision von Amerika ist ein Amerika, in dem jeder einen Platz hat.» Trump bekräftigte dagegen, dass Muslime vor deren Einreise in die USA «extrem» überprüft werden müssten. Die Anschläge von Paris, Orlando und San Bernardino zeigten, wie groß die Gefahr durch radikale islamische Terroristen sei.

Schlupflöcher ausgenutzt

Trump gab zu, Schlupflöcher im Steuersystem der USA ausgenutzt und damit 916 Millionen Dollar gespart zu haben. Hillary Clinton habe dies als Senatorin in New York selbst ermöglicht. «Die Leute, die ihr all das Geld geben, wollen das so», sagte der Milliardär mit Blick auf Clintons reiche Parteispender.

Clinton erklärte nach der Debatte: «Ich war überrascht von der Lawine absoluter Unwahrheit.» Trump äußerte sich zunächst nicht. Sein Vizekandidat Mike Pence gratulierte ihm zu seinem Auftritt. Am Samstag hatte er den Präsidentschaftskandidaten für seine sexistischen Aussagen kritisiert.

Lesen Sie heir einige Zitate aus dem Duell:

Clinton:

  • "Ich war überrascht von der Lawine absoluter Unwahrheit". (Clinton nach der zweiten TV-Debatte auf CNN über den Auftritt ihres Konkurrenten Donald Trump)

  • "Ich denke, wir können hinsichtlich erneuerbarer Energien die Supermacht des 21. Jahrhunderts sein." Clinton über erneuerbare Energien.
  • "Seine Kinder sind unglaublich fähig und ergeben und das sagt eine Menge über Donald."
  • «Russland hat entschieden, wen es als Präsidenten der USA sehen will - und das bin nicht ich.»
  • «Ich will Präsidentin für alle Amerikaner sein.»
  • «Alles was er gerade gesagt hat, ist absolut falsch. Ich bin nicht überascht.»

Trump:

  • "Ich werde den Generalstaatsanwalt bitten, einen Sonderermittler damit zu beauftragen, diese Sache anzuschauen, weil es nie zuvor so viele Lügen gab, so viel Betrug". (zu Clintons E-Mail-Affäre.)
  • «Abe hat nie gelogen. Das ist der große Unterschied zwischen Abraham Lincoln und Dir.»
  • «Glauben Sie mir: Sie hat gewaltigen Hass in ihrem Herzen.»
  • «Sie ist eine Kämpferin. (...) Sie gibt nicht auf.»
  • «Sie ist eine Minute über der Zeit und Sie stoppen sie nicht. Wenn ich eine Sekunde über der Zeit bin, stoppen Sie mich.»
  • «Das wird das größte Trojanische Pferd aller Zeiten sein.»( über Hillary Clintons Pläne, mehr Flüchtlinge ins Land zu holen)
  • «Obamacare ist ein totales Desaster und muss aufgehoben und ersetzt werden.»(über die von Obama eingeführte Krankenversicherung)

Sehen Sie hier die Debatte in voller Länge:

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Was war anders als beim ersten Mal?

  • DER HANDSCHLAG: Anders als beim ersten Mal reichen sich beide zu Beginn nicht die Hände. Am Ende der Debatte holen sie es dann doch noch nach.
  • DAS ÜBERTHEMA: Trump konnte es nicht kleinreden; die sexistischen Äußerungen aus einem alten Video waren ein zentrales Thema des Abends, schon zu Beginn. Das dürfte hängen bleiben.
  • DIE ANKLAGENDEN FRAUEN: Trump hatte sie eingeladen: Frauen, die den Ex-Präsidenten Bill Clinton sexueller Übergriffe bezichtigen. Sie saßen im Publikum, aber auch Clintons Tochter Chelsea. Als Bill Clinton den Saal betrat, wirkte sein Blick angespannt.
  • TRUMPS AUFTRITT: Er war besser vorbereitet als beim letzten Mal und bemühte sich sichtlich darum, präsidialer zu erscheinen. Hin und wieder gelang es ihm aber nicht. Zu Beginn schien er nervös, das schüttelte er aber nach und nach ab, als er in die Offensive ging.
  • DER TONFALL: Beide wurden sehr schnell persönlich, teils aggressiv. Sie bezichtigten sich gegenseitig der Lüge, sprachen sich die Eignung für das Präsidentenamt ab, warfen sich moralisches Versagen vor - vielleicht ein Omen für den Wahlkampfendspurt.
  • CLINTONS SCHWÄCHE: Die Demokratin hatte ihren Widersacher nicht so eindeutig im Griff wie beim ersten Duell. Hatte sie in Hempstead Trumps Angriffe noch elegant auf Distanz gehalten, ging sie diesmal mit ihm in den Nahkampf. Die Folge: Blessuren für beide.
  • DAS «TOWN-HALL»-FORMAT: In St. Louis durften neben den Moderatoren auch die Zuschauer Fragen stellen - sowohl aus dem Saal als auch online. Die letzte Frage, ob die Kandidaten am jeweils anderen auch etwas Positives sehen, schien besonders gelungen. Trump lobte Clintons Kämpferherz, Clinton Trumps Kinder.

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