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Zum Ende des Heiligen Jahres ein Kardinalskonsistorium: Die Barmherzigkeit bleibt
International 7 Min. 19.11.2016 Aus unserem online-Archiv

Zum Ende des Heiligen Jahres ein Kardinalskonsistorium: Die Barmherzigkeit bleibt

Papst Franziskus öffnet 2015 die Heilige Pforte im Petersdom und somit das Heilige Jahr.

Zum Ende des Heiligen Jahres ein Kardinalskonsistorium: Die Barmherzigkeit bleibt

Papst Franziskus öffnet 2015 die Heilige Pforte im Petersdom und somit das Heilige Jahr.
Foto: AFP
International 7 Min. 19.11.2016 Aus unserem online-Archiv

Zum Ende des Heiligen Jahres ein Kardinalskonsistorium: Die Barmherzigkeit bleibt

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
Zum Abschluss des Heiligen Jahres findet das dritte Kardinalskonsistorium von Papst Franziskus statt: Die Kirche wird nicht nur dezentralisierter, sondern auch jünger. Was bleibt vom Jubiläumsjahr? Damit befasst sich Bischofsvikar Abbé Tom Kerger. Mit dem Konsistorium setzt sich Anne Chevalier auseinander.

Barmherzigkeit – ein Wort, das in diesem außerordentlichen Heiligen Jahr, das Papst Franziskus für 2015-2016 ausgerufen hatte und welches jetzt am Sonntag zu Ende gehen wird, in zahlreichen Predigten, Artikeln, Ansprachen, Büchern und Begegnungen unzählige Male wiederholt wurde.

Die Botschaft wird dabei wohl sicher angekommen sein: die Barmherzigkeit Gottes ist das „pulsierende Herz des Evangeliums“ (Misericordiae vultus Nr. 12), und diese Barmherzigkeit in den leiblichen und geistigen Werken zum Ausdruck zu bringen und allen Menschen zu zeigen, ist die Aufgabe eines jeden Christen.

Ein Rückblick, der prägen kann

Wenn am kommenden Sonntag in der Petersbasilika in Rom die letzte der Heiligen Pforten geschlossen wird und damit das Heilige Jahr offiziell zum Abschluss kommt, dann ist es sicherlich auch an der Zeit, einen Rückblick zu halten. Während die einen v. a. an Zahlen interessiert sind, sind andere darauf bedacht, die Tragweite und die Folgen des Heiligen Jahres zu untersuchen. Dabei kann man feststellen, dass die Begeisterung ganz unterschiedlich ausfällt.

Während Erzbischof Rino Fisichella, der Präsident des mit der Durchführung des Heiligen Jahres beauftragten Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, mit Bewunderung von den weit über 20 Millionen Pilgerinnen und Pilgern spricht, die allein die Heilige Pforte von Sankt Peter in diesem Jahr durchschritten haben, klagen z. B. die Hoteliers und Restaurantbesitzer über das Ausbleiben des erhofften Andrangs.

Abbé Tom Kerger
Abbé Tom Kerger
Foto: Anouk Antony

Während die einen Theologen sich darüber freuen, dass die Barmherzigkeit (endlich) vor Regeln und Gerechtigkeit den Vorrang erhalten habe, klagen andere Theologen über eine Verwässerung der kirchlichen Lehre und eine falsche Hoffnung, die hier verkündet worden sei. Während die Medien sehr wirksam Papst Franziskus und seine vielen Begegnungen mit den „Menschen an den Rändern der Gesellschaft“ (wie die Treffen mit Flüchtlingen, Strafgefangenen, Obdachlosen, usw.) wirksam in Szene setzen, bedauern andere die mangelnde Nachhaltigkeit von solchen Begegnungen.






Ein Ruf, der bleibt

was Papst Franziskus mit seinen Gesten eigentlich zeigen und erreichen möchte: dass dahinter der alle Menschen liebende Gott steht, und dass ich auf diese mir geschenkte Liebe Gottes auch durch ein erneuertes Leben aus dem Glauben antworte."


Was wird also vom Heiligen Jahr der Barmherzigkeit bleiben? Einige Bischöfe haben bereits in jeweils ähnlichen Worten bekräftigt: „Wenn auch die heiligen Pforten der Barmherzigkeit geschlossen werden, die Pforte der Barmherzigkeit im Herzen Gottes, und auch in unseren Herzen, wird immer offen bleiben!“ In der Tat wird die Verkündigung und Praxis der Kirche, wie bereits vorher, so auch jetzt nicht mehr an der gelebten Barmherzigkeit vorbeikommen.

Zumindest das Wort bleibt tief verankert, und es ist sicherlich ein Verdienst des Jubiläumsjahres, dass sich die Kirche immer weiter hieran messen lassen muss. Doch geht es auch so weit, dass die Menschen nicht nur die Barmherzigkeit für sich in Anspruch nehmen wollen, wenn es ihnen gerade passt, selbst aber sich schwer damit tun, die Barmherzigkeit für andere auch konkret zu leben im Alltag – z. B. Thema Flüchtlinge?

Kann die bloße Bewunderung für einen Mann in höchstem Amt, der doch so volksnah sich zeigt und auf die Menschen an den Rändern zugeht, soweit gehen, dass sie hierin das erkennen kann, was Papst Franziskus mit seinen Gesten eigentlich zeigen und erreichen möchte: dass dahinter der alle Menschen liebende Gott steht, und dass ich auf diese mir geschenkte Liebe Gottes auch durch ein erneuertes Leben aus dem Glauben antworte, ja, antworten muss?

Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit behält sicherlich auch nach seinem Abschluss seinen dringlichen Ruf an alle, die Barmherzigkeit Gottes anzunehmen, weiter zu teilen und konkret zu leben – ein Auftrag für alle, ein Leben lang.

Abbé Tom Kerger, Bischofsvikar, Verantwortlicher für das Heilige Jahr im Erzbistum Luxemburg


Zum Abschluss, ein Konsistorium

17 neue Kardinäle aus allen Kontinenten werden heute in Rom kreiert

(AC) - Mit dem Abschluss der Feiern zum Zweiten Vatikanischen  Konzil, 2015, begann das Heilige Jahr der Barmherzigkeit, und fast zeitgleich  mit dessen Ende – am morgigen Christkönigssonntag – begeht Papst Franziskus heute sein drittes Konsistorium zur Schaffung neuer  Kardinäle. Auch diese Versammlung steht für die  voranschreitende, wenn auch behutsame Umbildung des Kardinalskollegiums, und es zeichnet sich eine weitere Ausweitung der  Katholischen Kirche zu den Entwicklungs- und Schwellenländern ab, manche Beobachter sprechen gar von einer Revolution.

Die 17 zukünftigen Purpurträger stammen aus den fünf Kontinenten, wobei diejenigen aus Europa in der Minderheit sind –, ganz im Zeichen einer Weltkirche sowie der Kirche der Armen und abseits der Tradition. Mit diesen Ernennungen hat auch die Weltkirche ganz klar Vorrang vor dem Vatikan. Nur einer der Neuen gehört der Kurie an: der gebürtige Ire Kevin Joseph Farrell (69), emeritierter Bischof von Dallas und ernannter Präfekt der im Zuge der Familiensynode geschaffenen Behörde für Laien, Familie und Leben. Die Erzbistümer von Mailand und Turin gehen leer aus, die Kirche in Italien überhaupt, wenn man von der Ernennung des Altbischofs von Novara, Renato Corti (80), absieht.

Die beiden anderen Kardinäle aus dem alten Kontinent sind der Erzbischof von Madrid, Carlos Osoro Sierra (71), und der Erzbischof von Mecheln-Brüssel, Belgien, Jozeph De Kesel (69), der kaum ein Jahr im Amt ist und der den schwer in die Kritik geratenen Erzbischof André-Joseph Léonard abgelöst hat.

Zum ersten Mal ein Kardinal

Bemerkenswert ist weiter, dass zum ersten Mal Geistliche mit dem purpurnen Birett ausgezeichnet werden in Ländern, in denen es noch nie Kardinäle gab, und zwar Pater John Ribat (59), M.S.C., Erzbischof von Port Moresby, Papua-Neuguinea, Patrick D’Rozario (73), Erzbischof von Dhaka, Bangladesch, sowie die emeritierten Bischöfe Sebastian Koto Khoarai, (87), O.M.I., Mohale's Hoek, Lesotho, und Anthony Soter Fernandez (84), Kuala Lumpur, Malaysia.

Da ist noch Dieudonné Nzapalainga, (49), C.S.Sp., Erzbischof von Bangui, Zentralafrika, der 2015 für den Einsatz gegen den Bürgerkrieg in der Zentralafrikanischen Republik und für die Verständigung zwischen den Religionen den Aachener Friedenspreis erhalten hat und der ab heute der jüngste Kardinal des gesamten Kollegiums sein wird. Klare Friedenszeichen im interreligiösen Dialog setzte auch Papst Franziskus, als er 2015 in Bangui zu Besuch war, eröffnete er im vorab die Heilige Pforte der Kathedrale und begrüßte einen Imam sowie einen Repräsentanten der evangelikalen Kirche.

Drei der Ausgezeichneten stammen außerdem aus Lateinamerika, aus den Bistümern Mérida,Venezuela, mit Baltazar Enrique Porras Cardozo (72), und Tlaneplatla, Mexiko, mit Carlos Aguiar Retes (66). Besonders zu beachten ist die Nominierung des Brasilianers Sérgio da Rocha (57), Erzbischof von Brasilia, der zu den Organisatoren der für 2018 angekündigten Jugendsynode gehört. Eine weitere Ernennung betrifft Bischof Maurice Piat (75), Port Louis, Mauritius.

Zu den neuen„Prinzen“der Kirche gehören ebenfalls zwei US-amerikanische Erzbi-schöfe. Joseph William Tobin (64), C.SS.R., vor zwei Wochen zum Erzbischof von Newark ernannt, war bis zum Oktober 2012 der zweite Mann der Vatikanischen Behörde für die Orden. Der Erzbischof von Chicago, Blase Joseph Cupich (67), gilt als ein treuer Gefolgsmann von Papst Franziskus. Diese Ernennungen erhalten nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten eine besondere Brisanz, ist doch die US-Bischofskonferenz USCCB alles andere als begeistert von dessen angekündigte Flüchtlingspolitik und hat diese Besorgnis schon geäußert.

Unerwartete Akzente

Und dann gibt es noch die einzelnen Nominierungen, mit denen der Papst weitere ungewohnte aber klare Akzente setz, wie z. B. im Falle des Geistlichen Ernest Simoni (88). FranziskushattedenPriester2014beiseinemBesuch in Albanien kennengelernt.Dieser war 18 Jahrelang ein Gefangener des kommunistischen Regimes gewesen und wird nun mit achtundachtzig zum Kardinal erhoben.Und die Wahl von Mario Zenari (70),der als Kardinal weiterhin seinen Botschafterposten in Syrien behalten wird,–ein weiteres absolute und den Flüchtlingen gelten. Das Kardinalskollegium verkörpert zunehmend den Kurs des Papstes und schreibt sich so in eine Kontinuität ein. Von den neu Ernannten – darunter auch Ordensleute – sind 13 von 17 unter 80 Jahren alt, also zur Papstwahl berechtigt: die Kirche (an ihrer Spitze) wird nicht nur dezentralisierter, sondern auch jünger. Dies spiegelt ihre Lebendigkeit, ihren Willen zur Sichtbarkeit und zur Beschreitung neuer Wege der Weitergabe ihrer Botschaft,wofür auch das nächste große Event, das im Vatikan mit der Jugendsynode „Die Jugend, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ im Oktober 2018 schon ansteht, spricht.

Programm

Heute, 11 Uhr: Konsistorium im Petersdom

Sonntag, 20.11.: Heilige Messe mit Papst Franziskus zum Christkönigsfesttag und zum Ende des Jahres der Barmherzigkeit




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Es ist die zentrale Botschaft von Papst Franziskus: Barmherzigkeit. Die Gläubigen ruft er auf, sich auch nach dem Ende des Heiligen Jahres notleidenden Menschen zuzuwenden. An seine neuen Kardinäle appelliert Franziskus, sich nicht von Feindseligkeiten anstecken zu lassen.
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17.02.2015 Luxembourg, Clémency, Tom Kerger,  photo Anouk Antony
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