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Zerrissenes Land: Abschied von US-Bürgerrechtsikone John Lewis
International 20 27.07.2020

Zerrissenes Land: Abschied von US-Bürgerrechtsikone John Lewis

Eine Ehrengarde der Vereinigten Staaten trägt den Sarg des verstorbenen Abgeordneten John Lewis.

Zerrissenes Land: Abschied von US-Bürgerrechtsikone John Lewis

Eine Ehrengarde der Vereinigten Staaten trägt den Sarg des verstorbenen Abgeordneten John Lewis.
Foto: dpa
International 20 27.07.2020

Zerrissenes Land: Abschied von US-Bürgerrechtsikone John Lewis

Michael MERTEN
Michael MERTEN
Der Abschied von Bürgerrechtsikone John Lewis wird von massiver Polizeigewalt und Eskalation in vielen Städten überschattet. Unsere Bildergalerie zeigt die Zerrissenheit der USA.

Rosenblätter haben John Lewis dort empfangen, wo vor 55 Jahren Polizisten auf ihn warteten. Langsam fuhr eine Kutsche mit dem Sarg des Bürgerrechtlers über die Edmund Pettus Brücke in Selma (Alabama). Fast hätte sein Leben dort schon 1965 geendet. Lewis zählte damals zu den Anführern des ersten Marschs von Selma nach Montgomery. Mit Tränengas und Knüppeln setzte die Polizei dem friedlichen Marsch ein Ende, fügte Lewis eine Schädelfraktur bei. 

Später schaffte es der Mann, der bei der legendären „I have a dream“-Rede an der Seite Martin Luther Kings stand, für die Demokraten in den Kongress. Am 17. Juli mit 80 Jahren an Krebs gestorben, gab es nun einen mehrtägigen Reigen an Abschiedszeremonien für Lewis, zu deren ikonischsten Momenten die Kutschfahrt zählte.

Sie können Soldaten verwenden. Sie können Feuerwehrschläuche und Wasser verwenden, aber es kann nicht gestoppt werden.

John Lewis zum Vorgehen der Polizei gegen die landesweiten Proteste.

Trauernde Passanten erwiesen dem Helden der jüngeren amerikanischen Geschichte, dessen Sarg von der Nationalflagge verhüllt war, die letzte Ehre. Die Kutschfahrt erinnert an den Abschied von George Floyd, dessen brutale Tötung durch einen Polizisten die Welt schockiert hat. 

Seitdem sind Millionen auf die Straße gegangen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren.


American Civil Rights and religious leader Dr Martin Luther King Jr (1929 - 1968) gestures emphatically during a speech at a Chicago Freedom Movement rally in Soldier Field, Chicago, Illinois, July 10, 1966. (Photo by Afro American Newspapers/Gado/Getty Images)
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Doch statt friedlichem Protest dominieren Straßenkämpfe zahlreiche US-Städte – und das Weiße Haus eskaliert mit rücksichtslosem Vorgehen, wo es versöhnen sollte. „Sie können Soldaten verwenden“, sagte John Lewis zu der Taktik Trumps. „Sie können Feuerwehrschläuche und Wasser verwenden, aber es kann nicht gestoppt werden.“

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