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Zentralrat der Juden kritisiert fehlenden Schutz in Halle
International 3 Min. 09.10.2019

Zentralrat der Juden kritisiert fehlenden Schutz in Halle

Blick auf den jüdischen Friedhof und die Synagoge in Halle an der Saale, wo sich das Drama am Mittwoch abspielte.

Zentralrat der Juden kritisiert fehlenden Schutz in Halle

Blick auf den jüdischen Friedhof und die Synagoge in Halle an der Saale, wo sich das Drama am Mittwoch abspielte.
AFP
International 3 Min. 09.10.2019

Zentralrat der Juden kritisiert fehlenden Schutz in Halle

„Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös“, teilte Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster am Mittwochabend mit.

Policemen climb over a wall of the Jewish cemetery close to the site of a shooting in Halle an der Saale, eastern Germany, on October 9, 2019. - At least two people were shot dead on October 9, 2019 on a street in Halle, police said, with witnesses saying that the synagogue was among the gunmen's targets as Jews marked the holy day of Yom Kippur. One suspect was captured but with a manhunt ongoing for other perpetrators, security has been tightened in synagogues in other eastern German cities while Halle itself was in lockdown. (Photo by Sebastian Willnow / dpa / AFP) / Germany OUT
Halle: Zwei Menschen vor Synagoge erschossen
Ausnahmezustand in Halle: Unbekannte erschießen mitten in der Stadt zwei Menschen und flüchten. Auch im benachbarten Landsberg fielen Schüsse.

 

(dpa) - Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat nach dem Angriff auf eine Synagoge in Halle/Saale schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. „Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös“, teilte Schuster am Mittwochabend mit. „Diese Fahrlässigkeit hat sich jetzt bitter gerächt.“ Nur glückliche Umstände hätten ein Massaker verhindert, sagte Schuster in Würzburg. 

Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland.
Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland.
Foto: dpa

Mit Blick darauf, dass am vergangenen Freitag in Berlin ein Mann mit Messer vor einer Synagoge gestoppt wurde, appellierte Schuster zudem an strengeres Vorgehen der Justiz nach Angriffen und Angriffsversuchen. In letzter Zeit sei eine „Verschiebung der roten Linie“ zu beobachten und auf Worte folgten Taten, sagte Schuster.  

Zwei Tote

Bei dem Angriff am Mittwochnachmittag hatte der Täter zwei Menschen erschossen. Die Leiche einer Frau lag nahe einer Synagoge, ein Mann wurde in oder an einem Döner-Imbiss getötet. Außerdem soll der Täter selbstgebastelte Sprengsätze vor der Synagoge abgelegt und versucht haben, in das jüdische Gotteshaus zu gelangen. Zwei Menschen wurden verletzt.

Die Tat von Halle am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur habe die jüdische Gemeinschaft auf das Tiefste in Sorge versetzt und verängstigt, so Schuster. „Zuallererst sind wir jedoch erschüttert, dass zwei Menschen von dem skrupellosen Täter umgebracht wurden. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt ihren Angehörigen. Ebenso sorgen wir uns um die Verletzten und wünschen ihnen rasche und vollständige Genesung.“    

Bei dem Angriff am Mittwochnachmittag hatte der Täter zwei Menschen erschossen. Die Leiche einer Frau lag nahe einer Synagoge, ein Mann wurde in oder an einem Döner-Imbiss getötet. Außerdem soll der Täter selbstgebastelte Sprengsätze vor der Synagoge abgelegt und versucht haben, in das jüdische Gotteshaus zu gelangen. In der Synagoge feierten zu dem Zeitpunkt 70 bis 80 Menschen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. In mehreren deutschen Städten wurde der Schutz von Synagogen verstärkt.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, warf der Polizei eine zu langsame Reaktion beim versuchten Angriff auf die Synagoge vor. „Die waren zu spät vor Ort“, sagte Privorozki in einem Video, das am Mittwoch vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus auf Twitter veröffentlicht wurde. Mindestens 10 Minuten hätten sie gebraucht, als er angerufen und gesagt habe: „bewaffneter Anschlag gegen die Synagoge“.

Privorozki machte deutlich, dass mehrfach auch in Sachsen-Anhalt der Wunsch nach Polizeischutz für Synagogen geäußert worden sei - „genauso wie in großen Städten wie Berlin, München Frankfurt“.    

EU-Kommissionspräsident ruft zum Handeln auf

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat nach dem Angriff auf die Synagoge in Halle/Saale einen eindringlichen Appell an die europäische Öffentlichkeit gerichtet. „Der zunehmende Antisemitismus muss alle Europäerinnen und Europäer zum Handeln aufrufen“, schrieb er am Mittwochabend über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Er sei „zutiefst schockiert“ über die Nachricht von den mörderischen Anschlägen.

„Meine Gedanken und Gebete sind bei den Familien und Freunden der Opfer und der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und ganz Europa, die in den letzten Jahren immer wieder Ziel antisemitischer Angriffe wurde“, schrieb der Luxemburger weiter. „Wir stehen an diesem Tag in Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft.“    

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Mittwochabend an einer Solidaritätsveranstaltung an der Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin teilgenommen.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Mittwochabend an einer Solidaritätsveranstaltung an der Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin teilgenommen.
Foto: AFP



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