Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Zeichen stehen auf Versöhung: Erdogan reist zu Putin nach St. Petersburg
International 09.08.2016 Aus unserem online-Archiv

Zeichen stehen auf Versöhung: Erdogan reist zu Putin nach St. Petersburg

Vladimir Putin (r) empfängt Recep Tayyip Erdogan. Das Treffen soll die monatelange Krise zwischen der Türkei und Russland beenden.

Zeichen stehen auf Versöhung: Erdogan reist zu Putin nach St. Petersburg

Vladimir Putin (r) empfängt Recep Tayyip Erdogan. Das Treffen soll die monatelange Krise zwischen der Türkei und Russland beenden.
Foto: Reuters
International 09.08.2016 Aus unserem online-Archiv

Zeichen stehen auf Versöhung: Erdogan reist zu Putin nach St. Petersburg

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Die Türkei und Russland wollen einen Schlussstrich unter die monatelange Krise ziehen. Auf der Tagesordnung von Kremlchef Putin und dem türkischen Präsidenten Erdogan stehen auch milliardenschwere Wirtschaftsprojekte.

(dpa) - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan reist an diesem Dienstag zu Gesprächen mit dem russischen Staatschef Vladimir Putin nach St. Petersburg. Das Treffen soll eine monatelange schwere Krise zwischen den Ländern endgültig beenden. Die Türkei hatte Ende November ein russisches Kampfflugzeug im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen. Moskau verhängte daraufhin Sanktionen etwa in der Tourismusbranche gegen Ankara. Ende Juni hatte Erdogan in einem Brief sein Bedauern über den Abschuss bekräftigt.

Für den türkischen Präsidenten ist es die erste Auslandsreise seit dem Putschversuch vom 15. Juli, der ihn entmachten sollte.

Angesichts der vom Putschversuch noch einmal angeschlagenen Wirtschaft und der eskalierenden Spannungen mit der EU braucht Ankara Verbündete. Die Sanktionen, die Putin nach dem Abschuss des Jets im syrischen Grenzgebiet verhängte, trafen die Türkei hart. Russland war bis dahin nach Deutschland der wichtigste Handelspartner der Türkei. Bezeichnend ist der massive Rückgang der Touristenzahlen, nachdem Putin als Strafmaßnahme Charterflüge in das Urlaubsland stoppen ließ.

Es geht ums Geschäft

Bei dem Treffen wollen Putin und Erdogan auch über milliardenschwere Energieprojekte sprechen. Besonders interessant für EU-Mitglieder ist dabei das Projekt Turkish Stream zum Transit russischen Erdgases durch das Schwarze Meer nach Südeuropa.

Die Pipeline soll vom russischen Küstenort Anapa über die Türkei bis nach Griechenland weitergebaut werden. Die beiden geplanten Stränge haben eine Gesamtkapazität von 32 Milliarden Kubikmetern. Nach Deutschland ist die Türkei der größte Abnehmer russischen Gases.

Ein bilaterales Megaprojekt ist auch das Atomkraftwerk Akkuyu, das Russland derzeit an der Südküste der Türkei baut. Das Vorhaben hat Moskauer Medien zufolge ein Volumen von rund 20 Milliarden US-Dollar. Nach Fertigstellung betreibt Moskau den Reaktor vorerst selbst und hat von Ankara lukrative Zusagen für die Stromabnahme erhalten.

Für die türkische Tourismusbranche dürfte das Ende der Eiszeit ein Lichtblick sein. Russen gehörten vor der Krise zu den wichtigsten Urlaubergruppen in der Türkei. Nachdem Moskau die Charterflüge einstellte, brachen die Besucherzahlen fast völlig ein. Im Juni ging die Zahl verglichen mit dem Vorjahresmonat um 93 Prozent zurück.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Leitartikel: Alternativen für Erdogan
Die Entwicklung in der Türkei bereitet berechtigterweise Sorgen. Gegner eines EU-Beitritts fordern jetzt, die Verhandlungen abzubrechen. Eine gefährliche Option, zu der es glücklicherweise mehr als eine Alternative gibt.