Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Zehntausende protestieren gegen Staatschef Lukaschenko
International 18.10.2020

Zehntausende protestieren gegen Staatschef Lukaschenko

Am zehnten Wochenende in Folge demonstrierten in Belarus Tausende Menschen.

Zehntausende protestieren gegen Staatschef Lukaschenko

Am zehnten Wochenende in Folge demonstrierten in Belarus Tausende Menschen.
Foto: AFP
International 18.10.2020

Zehntausende protestieren gegen Staatschef Lukaschenko

Seit Wochen dauern die Massenproteste in Belarus an - trotz Herbstwetters und neuer Gewaltandrohung der Behörden. Viele Menschen lassen sich nicht einschüchtern. Wie reagieren die Sicherheitskräfte?

(dpa) - Zehntausende Menschen haben in Belarus bei einem neuen Protestmarsch gegen Staatschef Alexander Lukaschenko demonstriert. Sie zogen am Sonntag begleitet von einem großen Aufgebot von Polizei und Militär durch die Hauptstadt Minsk. Auch in anderen Städten gab es Aktionen. Dabei rief die Menge „Es lebe Belarus“ und „Lukaschenko in den Gefängniswagen“. Bei der als „Partisanenmarsch“ bezeichneten Demonstration wurden erneut viele Demonstranten festgenommen. In Medienberichten war von zunächst 50 Festnahmen die Rede.

Aus Minsk gab es wieder Bilder von vielen Militärfahrzeugen und Gefangenentransportern, die im Nachrichtenkanal Telegram veröffentlicht wurden. Der Machtapparat brachte erneut Wasserwerfer in Stellung. Die Sicherheitskräfte sperrten Straßen mit Stacheldraht und schwerem Gerät im Zentrum ab. Zudem gab es Berichte, dass Sicherheitskräfte Gummigeschosse in die Luft gefeuert hätten, als Demonstranten Steine geworfen hätten.

Zehnte Woche in Folge

Es ist das mittlerweile zehnte Protest-Wochenende in Folge. Die Aktionen an den Sonntagen haben besonders großen Zulauf. Die Sicherheitskräfte hatten zuletzt ihre Gangart gegen Demonstranten verschärft. Das Innenministerium drohte offen mit dem Einsatz von Schusswaffen und scharfer Munition. Die Opposition ruft dagegen stets zu friedlichen Protesten auf und verurteilt Gewalt.


Belarus' President Alexander Lukashenko takes the oath of office during his inauguration ceremony in Minsk on September 23, 2020. (Photo by Andrei STASEVICH / BELTA / AFP)
Machtkampf in Belarus: EU droht Lukaschenko persönlich Sanktionen an
Nach einem weiteren Protest-Wochenende in Belarus mit neuer Polizeigewalt verschärft die EU einmal mehr den Ton. Außenminister Asselborn begrüßt weitere EU-Sanktionen.

Metro-Stationen wurden geschlossen, damit die Menschen nicht so einfach ins Zentrum gelangen konnten. Zudem funktionierte das mobile Internet zeitweise nicht. Die Behörden wollen damit verhindern, dass sich Demonstranten etwa über Telegram verabreden und Videos von Festnahmen schnell verbreitet werden.

Seit der Präsidentenwahl am 9. August gibt es in Belarus regelmäßig Proteste. Das Land steckt in einer schweren innenpolitischen Krise. Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen nach 26 Jahren an der Macht erneut zum Sieger erklären lassen. Die Opposition sieht dagegen die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja als wahre Gewinnerin an. Sie war ins EU-Exil Litauen geflohen.


EDITORS NOTE: Graphic content / Law enforcement officers scuffle with demonstrators during a rally to protest against the Belarus presidential election results in Minsk on October 11, 2020. - Riot police swiftly detained dozens at a protest march in Belarus on October 11 after strongman leader  raised hopes for change by meeting jailed opposition figures. (Photo by STRINGER / AFP)
Belarus: Mehr als 700 Festnahmen bei neuen Protesten
Zahlreiche Menschen in Belarus gingen am Sonntag erneut auf die Straße. Es gab zahlreiche Festnahmen.

Bereits am Samstag gingen landesweit Hunderte Frauen und Studenten gegen Lukaschenko auf die Straße. Dem Innenministerium zufolge gab es dabei fast 60 Festnahmen. Auch Journalisten seien in Polizeigewahrsam gekommen, teilte der belarussische Journalistenverband mit.

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Belarus: Russland droht mit Intervention
Der autoritäre Staatschef Lukaschenko bekommt Rückendeckung aus Moskau. Kremlchef Putin hält bereits Sicherheitskräfte in Stellung. Die Opposition in Belarus ist tief besorgt.
27.08.2020, Belarus, Minsk: Demonstranten und Einsatzkräfte der Sonderpolizei OMON stehen sich am Unabhängigkeitsplatz in Minsk gegenüber. Die Demonstranten drängen weiterhin auf den Rücktritt von Präsident Lukaschenko. Foto: Ulf Mauder/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Hubschrauber an Lukaschenkos Palast
Am Präsidentenpalast von Alexander Lukaschenko in Minsk ist am Sonntagabend ein Hubschrauber gelandet. Es wird spekuliert, ob er sich in Sicherheit bringen lässt.
Tausende Menschen begaben sich am Sonntag auf die Strassen.