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Zehntausende Kinder in Australien missbraucht
International 2 Min. 15.12.2017 Aus unserem online-Archiv
Offizieller Bericht

Zehntausende Kinder in Australien missbraucht

Die Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses Peter McClellan und Jennifer Coates (r.) stellen ihren Abschussbericht vor.
Offizieller Bericht

Zehntausende Kinder in Australien missbraucht

Die Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses Peter McClellan und Jennifer Coates (r.) stellen ihren Abschussbericht vor.
Foto: AFP
International 2 Min. 15.12.2017 Aus unserem online-Archiv
Offizieller Bericht

Zehntausende Kinder in Australien missbraucht

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Fünf Jahre lang hat sich eine offizielle Kommission mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern in Australien beschäftigt. Jetzt legt sie ihren Abschlussbericht vor. Die Opfer: Zehntausende. Die katholische Kirche Australiens bittet um Verzeihung.

(dpa) - In Australien sind über einen Zeitraum von Jahrzehnten hinweg mehrere zehntausend Kinder in kirchlichen und staatlichen Einrichtungen sexuell missbraucht worden. Dies geht aus dem am Freitag vorgestellten Abschlussbericht einer offiziellen Ermittlungskommission hervor. Die genaue Zahl von Opfern ist nicht bekannt. Geschätzt wird, dass etwa 60.000 Menschen Anspruch auf Entschädigung geltend machen können.

Wörtlich heißt es in dem Bericht: „Zehntausende Kinder in vielen australischen Einrichtungen wurden sexuell missbraucht. Die genaue Zahl werden wir nie wissen.“ Die Kommission war 2012 von der damaligen Premierministerin Julia Gillard eingerichtet worden, nachdem eine Reihe von schweren Missbrauchsfällen bekannt geworden waren. Ihr Nachfolger Malcolm Turnbull sprach von einer „nationalen Tragödie“.

Insgesamt berichtet die Kommission von Missbrauchsfällen in 4000 verschiedenen Einrichtungen, zum Beispiel in staatlichen und kirchlichen Schulen, bei Pfadfindern oder katholischen Jugendgruppen. Vielfach waren Geistliche und Lehrer die Täter. Kommissionschef Philip Reed sagte, es gebe „keine einfache Erklärung“ dafür, wie es dazu kommen konnte.

Vorschläge zur Verhinderung

Die Kommission machte auch mehr als 400 Vorschläge, mit denen verhindert werden soll, dass sich Fälle in einem solchen Ausmaß wiederholen. Dazu gehört, dass sich künftig strafbar macht, wer von Sexualvergehen an Kindern weiß und diese nicht anzeigt. Zudem soll eine nationale Behörde zum Schutz von Kindern eingerichtet werden. An Kindergärten und Grundschulen soll künftig früher gewarnt werden. 

Außerdem fordert die Kommission, das Beichtgeheimnis zu lockern, damit Priester Fälle sexuellen Missbrauchs anzeigen können, von denen sie im Beichtstuhl erfahren. Eine weitere Empfehlung ist die, das verpflichtende Zölibat für katholische Priester abzuschaffen.

Die Kosten der Untersuchung werden auf insgesamt etwa 500 Millionen australische Dollar (mehr als 320 Millionen Euro) geschätzt. Insgesamt wurden mehr als 1,2 Millionen Dokumente gesichtet.

Kirche nimmt Schlussfolgerungen ernst - oder auch nicht

Australiens katholische Kirche hat sich bei den Opfern von sexuellem Missbrauch durch Geistliche entschuldigt. Der Erzbischof von Melbourne, Denis Hart, versprach am Freitag, dass die Schlussfolgerungen der Kommission zum Missbrauch von Kindern „sehr ernst“ genommen würden. „Im Namen der katholischen Bischöfe und religiösen Führer erneuere ich unsere uneingeschränkte Entschuldigung an die Betroffenen für dieses Leid.“

Die Forderung der Kommission, das Beichtgeheimnis zu lockern, lehnte der Erzbischof jedoch ab. Für die katholische Kirche sei das Beichtgeheimnis von großer Bedeutung, sagte Hart. Falls Geistliche dagegen verstießen, drohe ihnen die Exkommunikation, also der Ausschluss aus der Kirche. Harts Amtsbruder aus Sidney, Antony Fisher sagte, das Ende des Zölibats würde "nicht notwendigerweise" das Ende des Missbrauchs bedeuten. 


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