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"Zehnmal skeptischer als zuvor"
International 2 Min. 02.05.2017 Aus unserem online-Archiv
EU-Kommissionspräsident Juncker bei Theresa May

"Zehnmal skeptischer als zuvor"

Bei dem Treffen in der Downing Street verging Jean-Claude Juncker das Lachen, schreibt die FAS.
EU-Kommissionspräsident Juncker bei Theresa May

"Zehnmal skeptischer als zuvor"

Bei dem Treffen in der Downing Street verging Jean-Claude Juncker das Lachen, schreibt die FAS.
Foto: REUTERS
International 2 Min. 02.05.2017 Aus unserem online-Archiv
EU-Kommissionspräsident Juncker bei Theresa May

"Zehnmal skeptischer als zuvor"

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Bei den Brexit-Verhandlungen kündigt sich eine harte Linie zwischen der Europäischen Union und Großbritannien an. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker musste dies bei einem Arbeitsessen mit Theresa May erfahren.

(vb) – Bei den Brexit-Verhandlungen kündigt sich eine harte Linie zwischen der Europäischen Union und Großbritannien an. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker musste dies bei einem Arbeitsessen mit Theresa May erfahren.

Wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet, war Juncker nach dem Gespräch„tief schockiert“. Der Zeitung zufolge soll er zum Abschluss gesagt haben: „Ich verlasse Downing Street zehnmal skeptischer als ich zuvor war.“

Die britische Premierministerin Theresa May sei sich noch nicht darüber klar, welche gewaltigen Probleme der Brexit aufwerfe, schreibt die FAS.

Sie soll sich gegen zentrale Forderungen aus den Verhandlungsleitlinien gestellt haben, die ein EU-Sondergipfel am Samstag billigte: die Aufteilung der Gespräche in zwei Phasen und eine rasche Einigung über die Schlussrechnung für Großbritannien nach mehr als 40 Jahren EU-Mitgliedschaft.

May bestand laut „FAS“ darauf, von Anfang an auch über das gewünschte Freihandelsabkommen für die Zeit nach dem Brexit zu reden. Die EU will zuerst die Bedingungen der Trennung klären. May soll auch gesagt haben, ihr Land schulde nach EU-Recht den anderen Staaten kein Geld. Die Kommission geht von 60 bis 65 Milliarden Euro aus.

Juncker: Brexit kann kein Erfolg werden

Nach dieser Aussage hätte sich das Gesprächsklima rapide verschlechtert. So habe Brexit-Minister David Davis eingewandt, die EU hätte bald keine rechtlichen Mittel mehr, Großbritannien auf die Zahlung der Brexit-Rechnung zu verklagen. Juncker bestätigte dies, fügte aber hinzu, wenn die EU-Länder auf den Brexit-Kosten sitzen blieben, wären sie wohl kaum bereit, ein Freihandelsabkommen mit Großbritannien zu schließen.

Den zweckoptimistischen Aufruf Theresa Mays „Let's make Brexit a success“ konterte Juncker mit der Einschätzung, der Brexit könne kein Erfolg werden. Schließlich sei Großbritannien nach dem Austritt ein gewöhnlicher Drittstaat und nicht einmal Mitglied der Zollunion wie die Türkei.

Aufklärung per Aktenordner

Laut FAS ist auch bei einem weiteren wichtigen Punkt keine Einigung in Sicht. Eine Einigung über die Rechte der Briten in Europa und der EU-Bürger in Großbritannien steht noch in weiter Ferne. Theresa May äußerte die realitätsferne Hoffnung, man könne dies nur zwei Wochen nach den Unterhauswahlen schon abhaken. Juncker klärte sie mit kiloschweren Aktenordnern darüber auf, dass die Regelungen wohl 1000 Seiten oder mehr umfassen werden.

Wie die FAS aus Junckers Umfeld erfahren hat, rechnet man bei seinen Beratern „mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent, dass die Brexit-Verhandlungen scheitern“.


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