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Zehn Tote und ein Vermisster: Zugunglück in Bayern: Es war menschliches Versagen
International 14 2 Min. 09.02.2016 Aus unserem online-Archiv

Zehn Tote und ein Vermisster: Zugunglück in Bayern: Es war menschliches Versagen

International 14 2 Min. 09.02.2016 Aus unserem online-Archiv

Zehn Tote und ein Vermisster: Zugunglück in Bayern: Es war menschliches Versagen

Kerstin SMIRR
Kerstin SMIRR
In Bad Aibling in Oberbayern sind am Dienstagmorgen zwei Züge zusammengestoßen. Die erschütternde Bilanz: Mindestens zehn Tote und zahlreiche Verletzte. Grund für den verheerenden Zusammenstoß war menschliches Versagen.

(dpa) - Die Ursache für das schwere Zugunglück in Bayern ist nach ersten Ermittlungen „menschliches Versagen“. Wer genau für das Unglück verantwortlich zu machen ist, war zunächst nicht bekannt.

Bei dem schwersten Zugunglück in Bayern seit gut 40 Jahren sind am Dienstag im oberbayerischen Bad Aibling mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Zwei Nahverkehrszüge waren im morgendlichen Berufsverkehr auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim frontal ineinander gekracht. Dabei wurden 18 Menschen schwer und 63 Reisende leicht verletzt, wie die Polizei mitteilte. 

Eine weitere Person werde noch in den Zugwracks vermisst. „Wir haben wenig Hoffnung, diese lebend zu bergen“, sagte ein Polizeisprecher.

Als die Züge am Morgen gegen 6.45 Uhr zusammenstießen und sich die Triebwagen ineinander verkeilten, entgleiste einer der Züge und mehrere Waggons kippten zur Seite. „Der eine Zug hat sich förmlich in den anderen hineingebohrt und die Kabine des zweiten Zuges komplett auseinandergerissen“, berichtete Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in Bad Aibling (Landkreis Rosenheim) betroffen. „Das sind Bilder, die einen natürlich auch sehr stark emotional belasten, weil man sich nicht vorstellen kann, dass solche Unglücke auch bei uns vorkommen können.“

Die Ursache für den Unfall auf der auch Mangfalltalbahn genannten Strecke war zunächst unklar. Sie wird mithilfe des „Punktförmigen Zugbeeinflussungssystems“ kontrolliert - „ein System, das automatisch dafür sorgen soll, dass das Aufeinandertreffen von Zügen nicht stattfindet, indem Züge zwangsgebremst werden, wenn sie unberechtigt auf einer Strecke sind, Signale überfahren oder Ähnliches“, schilderte Dobrindt. Das System war erst in der vergangenen Woche ohne Auffälligkeiten im Rahmen einer Routineuntersuchung kontrolliert worden.

Die Bergungsarbeiten gestalteten sich extrem schwierig, weil die Unglücksstelle in einem Waldstück an einer Hangkante neben dem Flüsschen Mangfall liegt. Ein Großaufgebot von rund 700 Rettungskräften mit zahlreichen Hubschraubern und Krankenwagen kümmerte sich um die Verletzten. Hilfe kam selbst aus Österreich.

Hubschrauber brachten die Schwerverletzten in Krankenhäuser, wo sämtliche planmäßigen Operationen sofort abgesagt wurden, um Kapazitäten für die Versorgung der Opfer zu schaffen. Die zahlreichen Leichtverletzten wurden zunächst in einer Sammelstelle versorgt. Dabei half auch die Wasserwacht, die die Opfer auf das gegenüberliegende und besser erreichbare Ufer brachte.

Die Bergwacht war ebenfalls im Einsatz. Zum Teil zogen die überwiegend ehrenamtlichen Helfer die Opfer auch in Bergungssäcken mit Winden an den Hubschraubern hoch und flogen sie an das andere Ufer. Die Bevölkerung wurde zum Blutspenden aufgerufen.

Es ist das schlimmste Zugunglück in Deutschland seit Januar 2011. Damals starben zehn Menschen, als ein Nahverkehrszug bei Oschersleben in Sachsen-Anhalt mit einem Güterzug zusammenstieß. In Bayern liegt ein schlimmeres Unglück bis 1975 zurück, als bei Warngau zwei Eilzüge frontal zusammenstießen und 41 Menschen starben.



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