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Yücel schreibt aus der U-Haft
International 2 Min. 01.03.2017 Aus unserem online-Archiv
Aus dem türkischen Gefängnis

Yücel schreibt aus der U-Haft

"Tageslicht! Frische Luft! Richtiges Essen! Tee und Nescafé! Rauchen!" - Der Brief von Yücel aus der U-Haft in Istanbul.
Aus dem türkischen Gefängnis

Yücel schreibt aus der U-Haft

"Tageslicht! Frische Luft! Richtiges Essen! Tee und Nescafé! Rauchen!" - Der Brief von Yücel aus der U-Haft in Istanbul.
Foto: Screenshot Twitter @uniwave
International 2 Min. 01.03.2017 Aus unserem online-Archiv
Aus dem türkischen Gefängnis

Yücel schreibt aus der U-Haft

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Die internationale Politik ist über die Verhaftung des Journalisten Deniz Yücel empört. Völlig offen ist, wie lange Yücel in Untersuchungshaft bleiben muss. Von dort kam jetzt ein handschriftlicher Brief.

(dpa/tom) - Der in der Türkei inhaftierte Korrespondent der deutschen Tageszeitung "Die Welt", Deniz Yücel, ist in das Gefängnis in Silivri westlich von Istanbul verlegt worden. „Dort dürfte er seine weitere Untersuchungshaft verbringen“, berichtete die „Welt“.

Nach 13 Tagen in Polizeigewahrsam in Istanbul war am Montagabend Untersuchungshaft gegen den deutsch-türkischen Journalisten verhängt worden.

Im Polizeigewahrsam war es Yücel nicht erlaubt, Stift und Papier zu benutzen. Ein erstes Lebenszeichen mit Beschreibung der Zustände musste er seinem Anwalt diktieren. Während einer Zwischenstation im Gefängnis Metris hat er jetzt einen handschriftlichen Brief an seine Unterstützer geschrieben, den die "Welt" veröffentlichte. Die Bedingungen in der Untersuchungshaft seien besser.  

„Es mag sich merkwürdig anhören, aber mir kommt es so vor, als hätte ich ein kleines Stück meiner Freiheit zurückgewonnen. [...] Und obwohl sie mich meiner Freiheit beraubt, bringen mich das Verhör und die Urteilsbegründung noch immer zum Lachen. Ich muss jetzt abbrechen. Aber ich danke allen Freunden, Verwandten, Kollegen, und allen, die sich für mich einsetzen. Glaubt mir: Es tut gut, verdammt gut.“

Zunächst war Yücel ins Istanbuler Gefängnis Metris gebracht worden. Am Mittwoch wurde er in die rund 80 Kilometer entfernte Haftanstalt Silivri gebracht. Ihm wird Propaganda für eine terroristische Vereinigung und Aufwiegelung der Bevölkerung vorgeworfen.

Kritische Stimmen

Unterdessen erhöhen Politiker nicht nur aus Deutschland den Druck auf die Türkei. Die EU-Kommission forderte Ankara zur Einhaltung rechtsstaatlicher Prinzipien auf. EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn sagte der „Welt“ (Mittwoch), die Europäische Kommission sei sehr besorgt über die große Zahl an Verhaftungen von Journalisten in der Türkei und die selektive Anwendung der Anti-Terror-Gesetzgebung. „Der Fall von Deniz Yücel zeigt leider, wie berechtigt diese Sorgen sind.“ Die EU habe wiederholt betont, dass die Türkei als Kandidatenland die höchsten demokratischen und rechtsstaatlichen Standards einhalten müsse, insbesondere was die Meinungs- und Medienfreiheit betreffe.

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte, das Verhältnis beider Länder „steht gerade vor einer der größten Belastungsproben in der Gegenwart“. Der Bundestag soll sich in der kommenden Woche mit dem Fall befassen.

„Die Kollegen wissen, dass die türkische Regierung sie als Geiseln genommen hat.“

Derweil schloss der regierungskritische türkische Journalist Can Dündar aus, dass inhaftierte Kollegen in der Türkei vor der Volksabstimmung über die Einführung eines Präsidialsystems freigelassen werden könnten. „Die Kollegen wissen, dass die türkische Regierung sie als Geiseln genommen hat“, sagte Dündar der „Welt“ (Mittwoch). „Vor dem Referendum am 16. April gibt es meines Erachtens keine Chance auf Freilassung.“

Auf der Rangliste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen" lag die Türkei schon vor dem im Juli 2016 verhängten Ausnahmezustand auf Platz 151 von 180 Staaten. Dutzende regierungskritische türkische Journalisten sitzen in Haft.

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