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Woodward-Buch: drastische Einblicke ins Weiße Haus
Das Erscheinungsdatum 11. September ist sicher kein Zufall: "Fear" von Bob Woodward.

Woodward-Buch: drastische Einblicke ins Weiße Haus

AFP
Das Erscheinungsdatum 11. September ist sicher kein Zufall: "Fear" von Bob Woodward.
International 2 Min. 11.09.2018

Woodward-Buch: drastische Einblicke ins Weiße Haus

Es ist längst nicht das erste Enthüllungswerk über die Administration von Donald Trump: Aber der Autor Bob Woodward, seines Zeichens „Watergate“-Enthüller, hat die vermutlich höchste Glaubwürdigkeit bisheriger Autoren. Und seine Zeilen haben es in sich.

(dpa) - Die Veröffentlichung des neuen Buches von „Watergate“-Enthüller Bob Woodward hat neue Fragen zur Sicherheitspolitik von Donald Trump aufgeworfen. Der US-Präsident soll dem am Dienstag im US-Buchhandel erschienenen Werk „Fear - Trump In The White House“ zufolge nur mit Mühe von dem Vorhaben abgebracht worden sein, die Familienangehörigen der US-Soldaten in Südkorea nach Hause zu holen. Das wäre ein sicheres Zeichen für Nordkorea gewesen, dass ein US-Militärschlag bevorsteht und hätte zu drastischen Reaktionen führen können - bis hin zu einem Erstschlag Nordkoreas.


Zwischenbilanz der Trump-Regierung: "Ich dachte, es wäre leichter"
Donald Trump spielt die 100-Tage-Marke als "künstliche Messlatte“ herunter, die nur für die Presse wichtig sei. Im Wahlkampf hat er aber selbst einen „100 Day Action Plan“ herausgegeben: Seinen „Vertrag mit dem amerikanischen Wähler“.

Der republikanische Senator Lindsay Graham soll Trump überzeugt haben, eine entsprechende Nachricht in seinem Lieblingsmedium Twitter nicht abzusetzen. Der Autor sagte in einem Fernsehinterview zu seinen Recherchen beim Sender NBC: „Ich habe noch nie zuvor ein Fall gesehen, dass ein Präsident so realitätsfern ist.“

"Du bist ein verdammter Lügner"

Das 420 Seiten starke Buch des Pulitzer-Preisträgers Woodward hatte bereits in der vergangenen Woche mit seinen Einblicken in das Innenleben des Weißen Hauses Wellen geschlagen. Trump selbst hatte es kurz vor der Veröffentlichung noch per Twitter als Machwerk geschmäht, das nichts als Lügen beinhalte. Das Buch endet mit einem Satz, den sein früherer Anwalt John Dowd angeblich auf Trump gemünzt, ihm aber nie selbst gesagt haben soll: „Du bist ein verdammter Lügner.“


US President Donald Trump reads from an article praising his administration as he answers a journalist during a meeting with sheriffs at the White House in Washington, DC, on September 5, 2018. - Trump was responding to an anonymous "senior official" who wrote an op-ed article entitled "I Am Part of the Resistance Inside the Trump Administration" in The New York Times on September 5. (Photo by NICHOLAS KAMM / AFP)
„Widerstand“ gegen Trump im eigenen Haus?
Ein anonymer Regierungsmitarbeiter schreibt einen explosiven Gastbeitrag in der „New York Times“. Demnach leisten er und andere in der Verwaltung aktiv Widerstand gegen Präsident Trump. Der tobt - und will wissen, wer das geschrieben hat.

Allerdings zitiert Woodward - oft namentlich genannt - aktuelle und frühere Politiker des Weißen Hauses wie den früheren Wirtschaftsberater Gary Cohn und den aktuellen Stabschef John Kelly. Die Informationen stammen nach eigener Darstellung des Autors aus „Hunderten Stunden Interviews“ mit Leuten, die ihr Wissen aus erster Hand hätten. Nur einen Tag nach dem Erscheinen der ersten Buchauszüge in der „Washington Post“ hatte die „New York Times“ mit einem Gastbeitrag einer anonymen Quelle aus der Trump-Administration nachgelegt und damit das Weiße Haus weiter in Aufruhr versetzt.

Anarchie und Chaos

Woodward beschreibt die Situation mit drastischen Worten: Von „Anarchie“ ist die Rede und von „Chaos“. Hochrangige Mitarbeiter, wie der ehemalige Wirtschaftsberater Gary Cohn hätten Trump mit heimlichen Sabotage-Akten von Fehlhandlungen abgehalten.

Trumps erster Stabschef, Reince Priebus, wird von Woodward mit den Worten zitiert: „Wenn man eine Schlange, eine Ratte, einen Falken und ein Kaninchen und einen Hai und eine Robbe in einen Zoo ohne Wände steckt, dann fängt es an, hässlich und blutig zu werden. Genau das passiert.“ Trumps neuer Stabschef, John Kelly, ein früherer General, sagte in Bezug auf die Handelsbeziehungen zu Südkorea laut Woodward: „Der Präsident versteht wirklich nichts davon. Er weiß nicht, wovon er spricht.“


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Trump beim Arzt: Stabiles Genie, kerngesund
Trump, nach eigener Aussage ein stabiles Genie, bekommt von seinem Leibarzt ein Superzeugnis ausgestellt. Körperlich und geistig sei alles in bester Ordnung. Nur etwas schwer sei der Präsident.

In einer Passage des Buches wird auch die Gesundheit des Präsidenten angesprochen. Sein inzwischen entlassener Leibarzt Ron Jackson habe empfohlen, den Stress für Trump zu reduzieren und die Zahl der Meetings pro Tag auf das unbedingt Nötige herunterzufahren.


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