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Womöglich 97 Tote durch Anschläge in Ankara: Proteste gegen türkische Regierung
International 2 Min. 11.10.2015 Aus unserem online-Archiv

Womöglich 97 Tote durch Anschläge in Ankara: Proteste gegen türkische Regierung

Tausende Menschen protestierten am Samstag in Istanbul und anderen Städten gegen die Regierung.

Womöglich 97 Tote durch Anschläge in Ankara: Proteste gegen türkische Regierung

Tausende Menschen protestierten am Samstag in Istanbul und anderen Städten gegen die Regierung.
Foto: REUTERS
International 2 Min. 11.10.2015 Aus unserem online-Archiv

Womöglich 97 Tote durch Anschläge in Ankara: Proteste gegen türkische Regierung

Die Anschläge am Samstag in Ankara haben womöglich 97 Menschen das Leben gekostet. Nach Schätzungen versammelten sich am Sonntag rund tausend Menschen auf dem Sihhiye-Platz, um der Opfer zu gedenken.

(dpa/rr) - Der Doppelanschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara hat womöglich 97 Menschen das Leben gekostet. Diese Zahl nannte die prokurdische Partei HDP am Samstagabend. Die türkische Regierung spricht von 95 Toten und 246 Verletzten. Bislang war von 86 Toten und 186 Verletzten die Rede gewesen.

Bei einer von der HDP mitorganisierten Friedensdemonstration war es am Samstagvormittag in kurzem Abstand zu zwei Explosionen gekommen. Bislang hat sich niemand zu den Anschlägen bekannt. Die HDP wirft der Regierungspartei AKP vor, mitverantwortlich für das Attentat zu sein. Zu der Bluttat kam es drei Wochen vor Neuwahlen für das Parlament.

Nach dem Terroranschlag gedachten in der Hauptstadt Ankara zahlreiche Menschen der Opfer. Nach Schätzungen versammelten sich am Sonntag rund tausend Menschen auf dem Sihhiye-Platz, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.

Nach Angaben der pro-kurdischen HDP trieb die Einsatzpolizei am Sonntag eine Delegation aus Abgeordneten und Gewerkschaftlern auseinander, als diese Nelken vor dem Anschlagsort ablegen wollten.

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Der Anschlag war der schwerste in der Geschichte der Türkei. Für den 1. November sind in der Türkei Neuwahlen angesetzt.

Tausende Demonstranten gedachten der Opfer des schlimmsten Terroranschlags in der Geschichte der Türkei.
Tausende Demonstranten gedachten der Opfer des schlimmsten Terroranschlags in der Geschichte der Türkei.
AFP


"Ihr seid Mörder"

"Das ist kein Angriff auf die Einheit unseres Landes oder dergleichen, sondern ein Angriff des Staates auf das Volk", sagte der Co-Vorsitzende der HDP, Selahattin Demirtas. "Ihr seid Mörder. An euren Händen klebt Blut." Demirtas kritisierte, die AKP-Regierung habe weder den Anschlag auf prokurdische Aktivisten im Juli im südtürkischen Suruc noch den auf eine HDP-Wahlveranstaltung im Juni in der Kurdenmetropole Diyarbakir aufgeklärt. Den Anschlag in Suruc mit 34 Toten hatte die Regierung der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zugeschrieben, die sich aber nie zu der Tat bekannte.

Demonstrationen gegen Regierung

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan äußerte sich zu dem jüngsten, verheerenden Anschlag in Ankara und erklärte: "Ich verurteile diesen abscheulichen Angriff zutiefst, dessen Ziel die Einheit, Solidarität und der Frieden unseres Landes gewesen ist." Erdogan versprach eine Aufklärung des Anschlags. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte: "Es gibt sehr starke Hinweise darauf, dass dieser Anschlag von zwei Selbstmordattentätern verübt worden ist."

Nach dem Anschlag in Ankara demonstrierten am Samstagabend in der Millionenmetropole Istanbul Tausende Menschen gegen die Regierung. Sie skandierten "Dieb - Mörder - Erdogan". In Sprechchören wurde die verbotene kurdische Arbeiterpartei zu Vergeltungsaktionen aufgefordert. Internetnutzer berichteten, der Zugang zu sozialen Medien wie Twitter sei erschwert oder ganz unmöglich.

Asselborn: "Grauenhafter Anschlag"

Nichts könne diese grauenhafte Tat rechtfertigen, sagte Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn. In einer Stellungnahme bekundete er der Türkei die Solidarität Luxemburgs in ihrem Kampf gegen den Terrorismus. Den Familienangehörigen der Opfer sprach er sein Beileid aus. Im Namen der Luxemburger Regierung bekundete er dem türkischen Volk und den Autoritäten seine Anteilnahme. 

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