Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Wirtschaftsberater Cohn verlässt Trump
International 3 Min. 07.03.2018

Wirtschaftsberater Cohn verlässt Trump

In Cohn verliert Trump einen der letzten Befürworter von Freihandel und Globalisierung in seinem direkten Beraterstab.

Wirtschaftsberater Cohn verlässt Trump

In Cohn verliert Trump einen der letzten Befürworter von Freihandel und Globalisierung in seinem direkten Beraterstab.
Foto: AFP
International 3 Min. 07.03.2018

Wirtschaftsberater Cohn verlässt Trump

Lange wurde spekuliert, jetzt ist es passiert: Trumps Wirtschaftsberater tritt zurück, ein echtes Schwergewicht. Gary Cohn stemmte sich gegen die angedrohten Strafzölle des US-Präsidenten. Brüssel berät derweil über Revanche-Zölle.

(dpa) - Ein ausgleichender Mahner geht von Bord: Inmitten der tobenden Debatte über US-Strafzölle auf ausländischen Stahl und Aluminium verlässt der oberste Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Gary Cohn, das Weiße Haus. Es sei ihm eine Ehre gewesen, seinem Land zu dienen, und er sei Trump dankbar für diese Möglichkeit, hieß es am Dienstag in einer Stellungnahme Cohns.

Trump dankte Cohn, einem früheren hochrangigen Investmentbanker bei Goldman Sachs, für seine Arbeit. Cohn war es, der Trumps nationalistischer Wirtschaftspolitik unter dem Motto „America First“ das Attribut „but not alone“ („aber nicht alleine“) beifügte. Er verlieh ihr damit zumindest ein gewisses Maß an internationaler Zusammenarbeit.

Trump kündigte noch am Abend auf Twitter an, er werde bald eine Entscheidung über die Nachfolge treffen. „Viele Menschen wollen den Job - ich werde eine weise Entscheidung treffen.“

Cohn (57) war maßgeblich an der jüngst verabschiedeten Steuerreform beteiligt, soll mit Trump aber in fast allen anderen Feldern überkreuz gelegen haben. Der Rücktritt ist der jüngste in einer historisch langen Reihe von Abgängen zu dieser Zeit einer US-Präsidentschaft.

Cohn hatte sich zuletzt bei den Strafzöllen gegen den Präsidenten gestellt. Bis zuletzt soll er versucht haben, die Position der USA gegenüber Zöllen für Einfuhren von Stahl und Aluminium aufzuweichen. Die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ berichtete, Trump habe Cohn am Dienstag bei einem Treffen im Oval Office gefragt, ob er seine Pläne für die Zölle unterstützen werde. Cohn habe ihm diese Zusicherung nicht gegeben, berichtete die Agentur unter Berufung auf zwei mit der Sache vertraute Personen.

Über Cohns Rückzug wurde seit Tagen spekuliert. Er kann als Indiz dafür gewertet werden, dass Trump sich nicht umstimmen lassen und bei seiner harten Linie auch gegen Europa bleiben will.

Trump hatte vergangene Woche Strafzölle in Höhe von 25 Prozent für Stahlimporte und 10 Prozent für Aluminiumimporte ins Spiel gebracht. Die durchschnittlichen Einfuhrabgaben beim US-EU-Warenhandel liegen deutlich darunter. Trump drohte später mit Strafabgaben auf Autos, sollte die EU als Reaktion US-Produkte mit höheren Zöllen belegen.

Die EU-Kommission berät am Mittwoch über mögliche Gegenmaßnahmen auf Zölle. Im Gespräch sind etwa Revanche-Zölle auf Bourbon-Whiskey und Harley-Davidson-Motorräder. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström wird die Überlegungen der Brüsseler Behörde präsentieren.

Es wird nicht damit gerechnet, dass die EU-Kommission konkrete Entscheidungen trifft, solange die US-Maßnahmen noch nicht in trockenen Tüchern sind. Erwartet wird eine Grundsatzerklärung.

In Cohn verliert Trump einen der letzten Befürworter von Freihandel und Globalisierung in seinem direkten Beraterstab. Dies könnte auch Auswirkungen auf die laufenden Verhandlungen über das Freihandelsabkommen Nafta mit den Nachbarn Mexiko und Kanada haben. Ohne Cohn dürfte sich Trumps Politik weiter verhärten.

Cohns Abgang ist für das Lager der sogenannten Globalisten im Weißen Haus, zu denen auch das Paar Ivanka Trump und Jared Kushner gerechnet wird, eine schwere Niederlage. Zwei Stunden vor Cohns Rückzug hatte Trump verkündet: „Glauben Sie mir, jeder möchte im Weißen Haus arbeiten.“ Es gebe dort kein Chaos, sondern nur viel Energie.

Trump hatte mit seiner Ankündigung die Angst vor einem internationalen Handelskonflikt geschürt. Politiker und Wirtschaftsführer in aller Welt äußerten ihre Besorgnis über eine solche Auseinandersetzung.

Der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Holger Bingmann, sagte der „Heilbronner Stimme“ (Mittwoch): „Die Komplexität der weltweiten Handels- und Finanzströme mit enorm vielen Akteuren macht die Situation so gefährlich.“

Die internationale Stahlbranche trifft sich am Mittwoch in Düsseldorf. Ein Strafzoll insbesondere für Stahl könnte dabei nach Einschätzung der IG Metall Arbeitsplätze auch in Deutschland in Gefahr bringen. „Wir gehen davon aus, dass es Beschäftigungseffekte haben wird“, sagte der Stahl-Experte der IG Metall, Heiko Reese, vor der Handelsblatt-Jahrestagung Stahl. Zu der zweitägigen Tagung werden unter anderem der Chef der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff sowie Manager der Stahlkonzerne Salzgitter, ArcelorMittal, Tata Steel und Voestalpine erwartet.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Trumpsches Säbelrasseln
Donald Trump will Strafzölle. Der Streit um Stahl und Aluminium droht zu eskalieren. Ein möglicher Handelskrieg wäre die Folge. Der wäre für niemand von Vorteil. Es gäbe nur Verlierer.
US-Präsident Donald Trump bekräftigt seine Absicht Strafzölle für Stahl und Aluminium einzuführen.
"Wir haben drei Optionen"
Die Stahlindustrie ist für Luxemburg nach wie vor wichtig. Zahlreiche Beschäftigte könnten jetzt unter Druck geraten, wenn Donald Trump mit seinem Handelskrieg ernst macht. Außenminister Jean Asselborn erklärt, wie die EU Trumps Strafzölle kontern will.
Tatenlos bleiben ist für Jean Asselborn keine Option.
Trump bekräftigt Strafzoll-Pläne
Trump hält unbeirrt an seinen Strafzoll-Plänen fest. Ausnahmen für Verbündete soll es nicht geben. Derweil kommt neue scharfe Kritik aus Berlin.
Trump hatte die Strafzölle auf Stahl sowie Aluminium in der vergangenen Woche angekündigt. Am Samstag legte er dann mit seiner Drohung an die Adresse der europäischen Autoindustrie nach. Eine Umsetzung würde die deutschen Automobilhersteller besonders schwer belasten.
Angriff auf Google und Co.
Die Steuerregeln sind veraltet. Internetgiganten wie Google und Facebook bezahlen deshalb kaum Steuern. Jetzt nimmt die EU-Kommission ihre Umsätze durch Werbung ins Visier. Streit mit den USA ist vorprogrammiert. Auch Luxemburg ist nicht begeistert.
MOUNTAIN VIEW, CA - JANUARY 30: A sign is posted outside of Google headquarters on January 30, 2014 in Mountain View, California. Google reported a 17 percent rise in fourth quarter earnings with profits of $3.38 billion, or $9.90 a share compared to $2.9 billion, or $8.62 per share one year ago.   Justin Sullivan/Getty Images/AFP
== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.