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Wien: Behörden hatten wichtige Hinweise vor Terroranschlag
International 3 Min. 04.11.2020 Aus unserem online-Archiv

Wien: Behörden hatten wichtige Hinweise vor Terroranschlag

Schwerbewaffnete Einsatzkräfte kontrollieren in der Wiener Innenstadt eine Person.

Wien: Behörden hatten wichtige Hinweise vor Terroranschlag

Schwerbewaffnete Einsatzkräfte kontrollieren in der Wiener Innenstadt eine Person.
Foto: Roland Schlager/APA/dpa
International 3 Min. 04.11.2020 Aus unserem online-Archiv

Wien: Behörden hatten wichtige Hinweise vor Terroranschlag

Die Vorgeschichte des Anschlags von Wien gewinnt an Brisanz. Die Behörden in der Slowakei hatten den österreichischen Fahndern einen wichtigen Tipp gegeben.

(dpa) - Der beim Terrorangriff in Wien erschossene Attentäter war zuvor der slowakischen Polizei bei einem versuchten Munitionskauf aufgefallen. Das erklärte eine Polizeisprecherin am Mittwoch dem slowakischen TV-Nachrichtensender TA3.

Die Polizeidirektion in Bratislava schrieb auf Facebook: „Die slowakische Polizei erhielt im Sommer die Information, dass verdächtige Personen aus Österreich versuchten, in der Slowakei Munition zu kaufen. Es gelang ihnen aber nicht, den Kauf zu realisieren.“ Die Information sei unverzüglich der Polizei in Österreich übermittelt worden. Weitere Angaben wolle man nicht machen, um die Ermittlungen in Österreich nicht zu gefährden.


Policemen patrol on November 3, 2020 close to a crime scene in Vienna after a shooting. - A huge manhunt was under way Tuesday, November 3, 2020 after gunmen opened fire on November 2, 2020 at multiple locations across central Vienna, killing at least four people in what Austrian Chancellor Sebastian Kurz described as a "repulsive terror attack". (Photo by HERBERT PFARRHOFER / APA / AFP) / Austria OUT
Luxemburger in Wien: "Eine Freundin musste sich verstecken"
Wien steht noch ganz unter dem Eindruck des Anschlags vom Montagabend. Ein Luxemburger, der seit elf Jahren dort lebt, berichtet, wie Freunde und er die Situation wahrnehmen.

Die oppositionelle SPÖ forderte vom Wiener Innenministerium daraufhin Aufklärung. „Was ist mit diesen Informationen dann passiert? Wie kann es sein, dass der Innenminister dann nicht sofort tätig wurde?“, fragte der SPÖ-Fraktionschef Jörg Leichtfried. Als Reaktion auf den Terroranschlag in Wien wird der Nationalrat an diesem Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammentreten. Dabei wollen Bundeskanzler Sebastian Kurz, Vizekanzler Werner Kogler, Innenminister Karl Nehammer und Justizministerin Alma Zadič Erklärungen abgeben.

In den vergangenen Jahren waren wiederholt Waffen mit slowakischen Registriernummern bei Terroranschlägen und anderen Straftaten in Europa verwendet worden. Auch die deutsche Polizei fand bei Razzien im vergangenen Jahr illegale Waffen slowakischen Ursprungs.

Bei der Terrorattacke am Montagabend waren vier Menschen getötet worden, darunter auch eine 24-jährige deutsche Kellnerin. Auch ein 39-Jähriger und eine 44 Jahre alte Frau jeweils aus Österreich wurden erschossen, wie die Polizei der österreichischen Nachrichtenagentur APA sagte. Viertes Todesopfer ist ein 21-jähriger Mazedonier. Ein Großteil der zahlreichen Verletzten stammen aus Österreich, aber auch Staatsbürger aus Luxemburg, Deutschland, der Slowakei, Afghanistan, Bosnien und Herzegowina befinden sich darunter.


03.11.2020, Österreich, Wien: Besucher verlassen nach einer Vorstellung das Burgtheater am abgesperrten Ring. Bei einem Terrorangriff in der Wiener Innenstadt sind am Abend mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Die Attacke von Wien geht nach den Worten von Österreichs Innenminister Nehammer auf das Konto mindestens eines islamistischen Terroristen. Foto: Herbert Neubauer/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Wiener Anschlag: Luxemburger Student auf Weg der Besserung
Bei dem Terroranschlag in Wien war auch ein Luxemburger Student angeschossen worden. Die gute Nachricht: Er befindet sich auf dem Weg der Besserung.

Wie Außenminister Jean Asselborn am Mittwochmorgen bestätigte, ist der luxemburgische Student, der bei dem Anschlag von einer Kugel in die Schulter getroffen wurde, auf dem Weg der Besserung. „Das Schlimmste ist überstanden, er ist auf dem Weg der Besserung“, so Asselborn dem „Luxemburger Wort“ gegenüber.

Neun Minuten nach Beginn der Attacke erschossen Polizisten den 20-jährigen Angreifer. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) teilte am Dienstagabend mit, ein „Soldat des Kalifats“ habe den Anschlag verübt. Ob er einen oder mehrere Komplizen hatte, blieb zunächst nicht abschließend geklärt. 14 Menschen aus seinem Umfeld waren vorläufig festgenommen worden.

Sebastian Kurz (ÖVP), Bundeskanzler von Österreich, kommt zu einer Ansprache anlässlich des Terroranschlags in der Wiener Innenstadt.
Sebastian Kurz (ÖVP), Bundeskanzler von Österreich, kommt zu einer Ansprache anlässlich des Terroranschlags in der Wiener Innenstadt.
Foto: Helmut Fohringer/APA/dpa

Die österreichischen Sicherheitsbehörden müssen sich Fragen stellen lassen, warum der österreichisch-nordmazedonische Doppelstaatler den Anschlag überhaupt verüben konnte. Der 20-Jährige war im April 2019 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 22 Monaten Haft verurteilt worden, nachdem er versucht hatte, nach Syrien auszureisen und sich dort dem IS anzuschließen. Statt im Juli 2020 wurde er aber bereits Anfang Dezember 2019 vorzeitig entlassen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sagte im ORF: „Die Entscheidung, dass der Täter freigelassen wurde, war definitiv falsch.“ Wichtig sei nun die Suche nach Komplizen. „Der Terrorist ist nicht vom Himmel gefallen, es muss Menschen gegeben haben, die ihn verführt und radikalisiert haben.“ Er forderte mehr Engagement der EU gegen den politischen Islam, der die Freiheit und das europäische Lebensmodell gefährde. Am Mittwoch herrschte in Österreich der zweite von insgesamt drei Tagen Staatstrauer für die Opfer des Terrorakts.


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