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Wichtige Arbeiter sollen leichter über EU-Grenzen kommen
International 30.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Wichtige Arbeiter sollen leichter über EU-Grenzen kommen

An den deutsch-luxemburgischen Grenzübergängen finden seit 16. März Kontrollen statt, was mitunter zu langen Staus führte.

Wichtige Arbeiter sollen leichter über EU-Grenzen kommen

An den deutsch-luxemburgischen Grenzübergängen finden seit 16. März Kontrollen statt, was mitunter zu langen Staus führte.
Foto: Pierre Matgé
International 30.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Wichtige Arbeiter sollen leichter über EU-Grenzen kommen

Wegen der Corona-Krise finden auch innerhalb des Schengen-Raumes vielerorts Grenzkontrollen statt. Mitarbeitern im Gesundheitswesen sowie Erntehelfern soll nun eine schnellere Durchfahrt ermöglicht werden.

(dpa/jt) - Zehntausende Erntehelfer und Altenpfleger sollen nach neuen Leitlinien der EU-Kommission möglichst freie Fahrt an den innereuropäischen Grenzen haben. Sie sollten wie Ärzte, Feuerwehrleute, Polizisten, Lastwagenfahrer, Beschäftigte der Lebensmittelbranche und einige andere Berufe als „systemrelevant“ eingestuft werden, erklärte die Brüsseler Behörde am Montag. Für sie alle sollen an der Grenze spezielle Schnellverfahren eingeführt werden. Das schließe verhältnismäßige Gesundheitskontrollen ein.

Kommissionschefin Ursula von der Leyen verwies darauf, dass in der EU 1,5 Millionen Menschen in einem Staat leben und in einem anderen arbeiten. Wegen der Einführung von Grenzkontrollen und Reisebeschränkungen in der Corona-Krise hatten diverse Branchen Alarm geschlagen, unter anderem Bauern, die normalerweise Saisonarbeiter aus Osteuropa beschäftigen. Auch mehrere Hunderttausend Pflegekräfte aus den östlichen EU-Staaten arbeiten in westlichen Mitgliedsländern.

Von der Leyen verwies auf Beschäftigte, die jetzt akut im Kampf gegen das Virus gebraucht würden. Sie nannte das Beispiel von Klinikpersonal in Luxemburg, das meist in Frankreich und Belgien wohne und keineswegs wegen Grenzkontrollen Stunden zu spät kommen könne. Dass auch Grenzpendler aus Deutschland in luxemburgischen Kliniken und Pflegezentren arbeiten und mitunter wegen Kontrollen an der Grenze in Staus feststeckten, erwähnte die frühere deutsche Verteidigungsministerin nicht. 

Die Kommissionschefin betonte auch: „Wir brauchen Lebensmittel in den Geschäften und auf unserem Tisch.“ Jene, die sie produzieren, müssten sich frei über die Grenzen bewegen können.


Deutsche Grenze: Kleinere Übergänge schließen
Angekündigt war es bereits, nun folgen auch Taten: An den kleineren Grenzübergängen zu Deutschland sieht man mittlerweile die ersten Sperrvorrichtungen.

Für die Saisonarbeiter soll nach Empfehlung der Kommission gelten, dass die EU-Staaten sich zum Bedarf in Fachgremien austauschen und Verfahren einführen, wie die Arbeiter reibungslos über die Grenzen kommen. Beschäftigte, die für wichtige Pflanz- und Erntearbeiten gebraucht würden, sollten wie systemrelevante Arbeitskräfte behandelt werden, hieß es. Gesundheitsschutz müsse gewährleistet sein.

Im EU-Binnenmarkt gilt Freizügigkeit und Grenzkontrollen sind im Schengenraum eigentlich nicht vorgesehen. In der Coronavirus-Krise hatten dennoch viele EU-Staaten einseitig Kontrollen eingeführt. Die anfangs kilometerlangen Lastwagenstaus sind inzwischen nach Angaben der Kommission deutlich kürzer geworden. Vielerorts betrügen die Wartezeiten nun weniger als zehn Minuten, sagte ein Sprecher.


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