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WHO-Bericht gibt Fledermäusen Schuld am Corona-Virus
International 3 Min. 29.03.2021

WHO-Bericht gibt Fledermäusen Schuld am Corona-Virus

In einem Bericht der WHO-Experten ist das Virus von Fledermäusen über ein anderes Tier auf den Menschen übergegangen.

WHO-Bericht gibt Fledermäusen Schuld am Corona-Virus

In einem Bericht der WHO-Experten ist das Virus von Fledermäusen über ein anderes Tier auf den Menschen übergegangen.
Foto:shutterstock
International 3 Min. 29.03.2021

WHO-Bericht gibt Fledermäusen Schuld am Corona-Virus

Woher stammt das Coronavirus? Wenn das klar ist, können ähnliche Pandemien künftig verhindert werden. Die Suche nach dem Ursprung hat auch mit dem Ex-US-Präsidenten Trump zu tun.

(dpa) - Der Ursprung der weltweiten Coronapandemie liegt aller Wahrscheinlichkeit nach im Tierreich. Diese mehrfach geäußerte These hat am Montag die niederländische Virologin Marion Koopmans als Kernaussage eines Berichts über die Herkunft des Virus bekräftigt. 

Die Wissenschaftlerin war teil eines nicht unumstrittenen Expertenteams, das im Januar und Februar in China im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach Spuren des Virus suchte. Die wahrscheinlichste Route sei, dass das Virus von Fledermäusen über ein anderes Tier auf den Menschen übergegangen sei, sagte Koopmans im niederländischen Rundfunk. Es sei dagegen sehr unwahrscheinlich, dass das Virus aus einem Labor stamme.

Die Experten des WHO-Teams wollen ihren Abschlussbericht am Dienstag zuerst den 194 WHO-Mitgliedern erläutern und dann veröffentlichen. Einige Medien haben vorab aus Entwürfen zitiert. Die Experten waren unter anderem in Wuhan, wo das Virus erstmals nachgewiesen wurde.

Alle Hypothesen sind auf dem Tisch

WHO-Chef Tedros Adhanom

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus wollte sich am Montag noch nicht zu Einzelheiten äußern. Er betonte aber mehrfach: „Alle Hypothesen sind auf dem Tisch und müssen weiter untersucht werden.“


This handout picture made available by the World Health Organization (WHO) shows WHO Director-General Tedros Adhanom Ghebreyesus delivering remarks following the speech of US President's chief medical adviser during a World Health Organization (WHO) executive board meeting on January 21, 2021 in Geneva. - In a dramatic about-turn, the new US administration on January 21, 2021 thanked the World Health Organization for leading the global pandemic response and vowed to remain a member. "The United States also intends to fulfil its financial obligations to the organisation," top US scientist Anthony Fauci, who has been named President Joe Biden's chief medical adviser, told a meeting of the WHO's executive board. (Photo by Christopher Black / World Health Organization / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO/ CHRIS BLACK/ WORLD HEALTH ORGANIZATION" - NO MARKETING - NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS
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Koopmans wies die Darstellung zurück, dass die Wissenschaftler in China nicht frei hätten arbeiten können. Das hätten sie und das Team nicht so erfahren. „Es ging nun einmal um eine sehr komplexe Untersuchung“, sagte Koopmans. Daran seien sehr viele Menschen aus vielen Bereichen beteiligt gewesen. Dann könne man nicht einfach schnell alle Daten erwarten. „So funktioniert das nicht.“

Trumps Aussagen verzögerten den Besuch von Experten

Die WHO-Expertenreise nach China war im geopolitischen Umfeld mit den Spannungen zwischen den USA und China von Anfang an höchst heikel. Der frühere US-Präsident Donald Trump sprach vom „Wuhan-Virus“ oder „China-Virus“ und warf China vor, die weltweite Ausbreitung nicht rechtzeitig gestoppt zu haben. Peking war deshalb um so mehr darauf bedacht zu verhindern, als Urheber der Pandemie an den Pranger gestellt zu werden. 


Marion Koopmans speaks during a press conference to wrap up a visit by an international team of experts from the World Health Organization (WHO) in the city of Wuhan, in China's Hubei province on February 9, 2021. (Photo by Hector RETAMAL / AFP)
Kontroverse um WHO-Mission
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So hat China den Besuch der unabhängigen Experten monatelang hinausgezögert. Um die Teilnehmer und das genaue Arbeitsprogramm wurde ewig gefeilscht.

Team-Leiter Peter Ben Embarek räumte spezielle Arbeitsbedingungen ein. „Die Politik stand immer im Raum“, sagte der dänische Wissenschaftler der Zeitschrift „Science“. „Wir hatten zwischen 30 und 60 Kollegen, und viele von ihnen waren keine Wissenschaftler, nicht aus dem Bereich öffentliche Gesundheit.“ Das WHO-Team umfasste 17 Experten, die die Arbeit teils aus dem Ausland unterstützten.

Virus aus dem Labor „extrem unwahrscheinlich“

Das Team hatte zum Ende der Mission Anfang Februar gesagt, es sei „extrem unwahrscheinlich“, dass das Virus aus einem Labor in Wuhan entwichen sei. Kritiker argwöhnten, dass dies auf chinesischen Druck hin passierte. In „Science“ verteidigte Embarek die Einschätzung. 


19.03.2021, Hessen, Königstein: Koordinierungshelferin Victoria Anschütz steht bei einem Pressetermin im Labor des neuen mobilen Testcenters am Königsteiner Taunusgymnasium und bereitet die Auswertung eines Corona-Schnelltests vor. Das neue Fahrzeug zur SARS-CoV-2-Testung kann bei einem Ausbruchsgeschehen an Schulen innerhalb von 24 Stunden vor Ort eingesetzt werden. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Das Team habe von dritter Seite keine belastbaren Hinweise erhalten, um anderslautende Vermutungen zu stützen. Er fügte hinzu: „Die Tatsache, dass die die Hypothese als extrem unwahrscheinlich eingestuft wird, heißt nicht, dass sie unmöglich ist. Wir schließen diese Tür nicht.“

China pocht darauf, auch in anderen Ländern nach einem möglichen Ursprung des Virus zu suchen. Die Regierung propagiert die These, das Virus könne auch aus dem Ausland über tiefgefrorene Lebensmittel nach China eingeschleppt worden sein. Auf einigen Importprodukten waren Viren gefunden worden. Das hat Embarek aber schon mehrfach als höchst unwahrscheinlich zurückgewiesen. Es stelle sich allenfalls die Frage, ob die Viren über den lokalen Handel mit Tiefkühlprodukten aus Südchina nach Wuhan gebracht wurden, sagte er Mitte Februar.


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