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Westen reagiert mit Empörung auf Gräueltaten in Butscha
International 3 Min. 04.04.2022
Hunderte Tote

Westen reagiert mit Empörung auf Gräueltaten in Butscha

Am Montag wurde die Suche nach weiteren Opfern in Butscha fortgesetzt.
Hunderte Tote

Westen reagiert mit Empörung auf Gräueltaten in Butscha

Am Montag wurde die Suche nach weiteren Opfern in Butscha fortgesetzt.
Matthew Hatcher/SOPA Images via
International 3 Min. 04.04.2022
Hunderte Tote

Westen reagiert mit Empörung auf Gräueltaten in Butscha

In Butscha nahe Kiew wurden nach dem russischen Abzug Hunderte tote Zivilisten gefunden. Die Bilder sorgen weltweit für Entrüstung.

(dpa) - Nach dem Massaker in der Stadt Butscha bei Kiew sind ukrainischen Medienberichten zufolge deutlich mehr als 300 Leichen von Zivilisten geborgen worden. Bis Sonntagabend seien bereits 330 bis 340 leblose Körper eingesammelt worden, schrieb die Zeitung „Ukrajinska Prawda“ am Montag unter Berufung auf einen Bestattungsdienst. Am Montag wurde die Suche nach weiteren Opfern fortgesetzt. Einige Leichen seien in Hinterhöfen vergraben, hieß es.

Die Bilder aus der Vorortgemeinde der Hauptstadt, wo nach dem Abzug russischer Truppen zahlreiche Leichen von Bewohnern auf den Straßen gefunden worden waren, haben international für Entsetzen gesorgt. Zu den Berichten über die zahlreichen zivilen Opfer in Butscha schreibt die konservative Zeitung „Lidove noviny“ aus Tschechien am Montag:

„Die Ermordung von Zivilisten in Butscha schockiert die Welt. Die Ukrainer vergleichen die Gräueltat mit dem serbischen Massaker an bosnischen Muslimen in Srebrenica im Jahr 1995. Daran ist etwas dran, wenngleich in Srebrenica Tausende und in Butscha Hunderte ermordet wurden. Für den Westen wird es nun schwieriger sein, ukrainische Bitten um Hilfe abzulehnen. Zudem erschweren die Enthüllungen die laufenden Friedensverhandlungen zwischen Kiew und Moskau - besonders wenn das russische Verteidigungsministerium zynisch behauptet, dass es sich um einen ukrainischen Betrug handele und russische Soldaten niemandem auch nur ein Haar gekrümmt hätten.“

Matthew Hatcher/SOPA Images via

Die Ukraine macht für das Massaker russische Truppen verantwortlich, die die Stadt bis vor kurzem besetzt hatten. Moskau bestreitet das. Die russische Botschaft in Berlin sprach beispielsweise von einer „Inszenierung des Kiewer Regimes für westliche Medien“.

Druck auf westliche Länder wächst

Auch die Amsterdamer Zeitung „De Telegraaf“ kommentiert die Gräueltaten am Montagmorgen:

„Die Beweise für russische Kriegsverbrechen scheinen sich zu häufen. Gräueltaten sollen nicht nur in Butscha und der zerstörten Stadt Mariupol begangen worden sein. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kann nach eigenen Angaben beweisen, dass auch in anderen Regionen Zivilisten Opfer von „unsäglichen, vorsätzlichen Grausamkeiten“ geworden sind. (...)

Die schrecklichen Bilder werden den Druck auf die westlichen Länder erhöhen, mehr Sanktionen gegen Russland zu verhängen und der Ukraine stärkere Waffen zu liefern. Nach Ansicht des deutschen Vizekanzlers Habeck darf dieses „furchtbare Kriegsverbrechen“ in Butscha nicht unbeantwortet bleiben. „Es ist nur logisch, dass nun auch eine gründliche internationale Untersuchung der Verstöße gegen das Kriegsrecht und wegen der Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeleitet werden muss.“


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Die Gräuel im ukrainischen Butscha lösen Entsetzen aus
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Die liberale dänische Tageszeitung „Politiken“ (Kopenhagen) fordert indes in ihrem Kommentar den internationalen Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten: 

„Niemand außerhalb von Russlands Zensur kann noch länger Zweifel daran haben, dass schwere russische Kriegsverbrechen in der Ukraine begangen worden sind und nach wie vor begangen werden. Aber es wird immer schlimmer. Zuletzt sind es die Gräuelberichte aus Butscha, der Vorstadt von Kiew, die erschüttern. Die Liste der Vorwürfe wächst. In Bezug auf die Art der Verbrechen wird eine Grenze nach der nächsten verschoben. Erlasst deshalb einfach jetzt den internationalen Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Gebt ihm seinen Pariastatus auch auf Papier. Und baut dann das Verfahren gegen ihn und seinen inneren Kreis auf, damit kein Verbrechen übersehen wird.“

Matthew Hatcher/SOPA Images via

Am Sonntag hatte die ukrainische Seite bereits vom Fund eines Massengrabes mit etwa 280 Toten berichtet, die während der russischen Angriffe nicht würdig hätten bestattet werden können. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft kündigte eine Obduktion der Leichen an, um das Verbrechen aufzuklären. Auch internationale Ermittler sollen eingeschaltet werden. Insgesamt sollen im Kiewer Gebiet bislang die Körper von mehr als 400 toten Zivilisten geborgen worden sein.


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