Wer sind die Attentäter von Brüssel?
Wer sind die Attentäter von Brüssel?
(ks/dpa/afp) - Die Anschläge am Flughafen von Brüssel und einer Metrostation im Europaviertel der belgischen Hauptstadt gehen auf das Konto von mindestens vier Attentätern. Drei von ihnen wurden von Überwachungskameras in der Abflughalle aufgenommen. Die Ermittler bestätigten bisher, dass es sich bei einem der Männer um Ibrahim El Bakraoui handelte. Laut Medienberichten sprengte er sich fast zeitgleich mit Najim Laachraoui in die Luft. Ein dritter Verdächtiger konnte bisher nicht identifiziert werden und befindet sich auf der Flucht (auf dem Foto oben rechts in der hellen Jacke).
An der Metrostation Maelbeek löste Ibrahims Bruder Khalid wenig später Sprengstoff aus. Möglicherweise hatte er einen Komplizen. Diese Medieninformation wurde von den Ermittlern bisher nicht bestätigt.
Was wissen wir bis jetzt über die Attentäter? Ein Überblick.
Najim Laachraoui
Najim Laachraoui ist laut Medienberichten einer der Selbstmordattentäter, die sich am Flughafen Zaventem in Brüssel in die Luft sprengten. Der 24-Jährige wurde in Marokko geboren, wuchs jedoch im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek auf und besitzt die belgische Staatsangehörigkeit.
Er besuchte sechs Jahre lang das katholische Lyzeum Sainte-Famille in Schaerbeek. "Er hatte einen klassischen Werdegang: Er besuchte den allgemeinen Zweig, hat nie eine Klassenstufe wiederholt. Es gibt keine disziplinarischen Einträge", sagte die Schuldirektorin Veronica Pellegrini gegenüber der französischen Zeitung "Libération". Nach seinem Abschluss 2009 soll er ein Studium im Fach Elektromechanik begonnen haben. Dieses soll er im Februar 2013 unterbrochen haben, um unter dem Namen Abou Idriss für den Islamischen Staat in Syrien zu kämpfen.
Der 24-Jährige wurde am 9. September 2015 an der österreichisch-ungarischen Grenze an Bord eines Mercedes kontrolliert. In dem Wagen befanden sich zudem Salah Abdeslam und Mohamed Belkaid, der am Dienstag von der Polizei bei einer Hausdurchsuchung im Brüsseler Stadtteil Forest getötet wurde. Salah Abseslam, der am Freitag in Molenbeek verhaftet wurde, soll die Vorbereitungen für die Anschläge mit 130 Toten in November 2015 in Paris maßgeblich unterstützt haben.
Die Ermittler gehen davon aus, dass Laachraoui und Belkaid am Abend der Anschläge von Paris in telefonischem Kontakt mit einigen der Selbstmordattentäter standen.
Wenige Tage nach den Anschlägen von Paris wurden beide in einer Brüsseler Filiale von Western Union von einer Überwachungskamera gefilmt. Sie überwiesen Hasna Aït Boulahcen, der Kusine des damals auf der Flucht befindlichen Paris-Attentäters Abdelhamid Abaaoud, 750 Euro, damit sie ein Versteck für Abaaoud findet. Aït Boulahcen und Abaaoud starben bei einem Polizeieinsatz am 18. November in Saint-Denis, als die Polizei das Versteck umstellte.
Öffentlich gesucht wurde Laachraoui schon seit Dezember, erst nach Abdeslams Festnahme wurde aber seine wahre Identität bekannt. Unter dem Namen Soufiane Kayal hatte er ein Haus in Auvelais bei Namur angemietet, das einige Attentäter vom 13. November nutzten. Auch in einem Versteck in Schaerbeek, wo die Sprengstoffgürtel für diese Anschläge angefertigt wurden, hinterließ Laachraoui seine Spuren.
Ibrahim El Bakraoui
Die belgischen Ermittler haben Ibrahim El Bakraoui als einen der Selbstmordattentäter am Flughafen in Brüssel identifiziert. Er wurde am 9. Oktober 1986 in Brüssel geboren und besaß die belgische Staatsangehörigkeit.
Im Jahr 2010 wurde er zu neun Jahren Haft verurteilt, weil er nach einem Raubüberfall mit einer Kalaschnikow auf Polizisten geschossen hatte. 2014 kam er unter Auflagen auf freien Fuß - offenbar trotz negativer Beurteilung der Gefängnisdirektion.
Zu dieser Zeit gewann der Islamische Staat im Irak und in Syrien an Boden. Tausende junge Dschihadisten begaben sich in die Region, darunter Ibrahim.
El Bakraoui wurde im Juni 2015 in der Türkei nahe der syrischen Grenze festgenommen und in die Niederlande ausgewiesen. "Wir wurden erst gewarnt, nachdem das Flugzeug (mit El Bakraoui) in Schiphol gelandet war“, sagte Belgiens Justizminister Koen Geens mit Blick auf den niederländischen Flughafen in der Nähe von Amsterdam. Dies sei zu spät gewesen. Die Niederlande sahen keinen Anlass, den Mann festzuhalten. Sie seien nicht über den Grund der Ausweisung informiert worden, sagte Justizminister Ard van der Steur. Zu dem Zeitpunkt sei er auch nicht in den Datenbanken der niederländischen und internationalen Ermittler registriert gewesen.
Die Ermittler fanden am Mittwoch in Schaerbeek eine Botschaft, die Ibrahim auf seinem Computer hinterließ. Darin erklärte er, gehetzt zu sein und keinen Ausweg mehr zu wissen. Er werde überall gesucht, sei nicht mehr in Sicherheit und wolle nicht im Gefängnis enden.
Khalid El Bakraoui
Der jüngere Bruder von Ibrahim wurde am 12. Januar 1989 in Brüssel geboren. Der Belgier sprengte sich in einem Zugabteil der Brüsseler Metro in die Luft, als diese in der Station Maelbeek hielt.
Auch der 27-Jährige war den Behörden bereits bekannt. 2011 wurde er zu einer fünfjährigen Haftstrafe wegen des gewaltsamen Diebstahls von Autos verurteilt.
Khalid stand zudem wegen Terrorismusvorwürfen auf der Interpol-Fahndungsliste. Er wurde verdächtigt, jene Wohnung unter falscher Identität angemietet zu haben, die die Polizei am Dienstag im Brüsseler Stadtteil Forest durchsuchte und bei der es zu einer Schießerei kam, infolge der Belkaid starb.
Zudem soll er den Mietvertrag für eine Wohnung in Charleroi unterschrieben haben, von der aus einige Attentäter sich im November auf den Weg nach Paris machten.
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