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Wer bekommt den Friedensnobelpreis?
International 3 Min. 05.10.2018

Wer bekommt den Friedensnobelpreis?

Das Osloer Nobel-Kommitée nennt nur die Anzahl der Nominierungen, nicht die Namen. Die werden nur bekannt, wenn sich die Vorschlagenden selbst an die Öffentlichkeit wenden.

Wer bekommt den Friedensnobelpreis?

Das Osloer Nobel-Kommitée nennt nur die Anzahl der Nominierungen, nicht die Namen. Die werden nur bekannt, wenn sich die Vorschlagenden selbst an die Öffentlichkeit wenden.
Foto: AFP
International 3 Min. 05.10.2018

Wer bekommt den Friedensnobelpreis?

Alle Jahre wieder: an einem Freitag im Oktober schaut die Welt in die beschauliche norwegische Hauptstadt. In Oslo wird der oder die Friedensnobelpreisträger bekanntgegeben. Und alle Jahre wieder beginnen bereits Wochen zuvor die Spekulationen. Auch 2018 bildet da keine Ausnahme. Welchen Namen wird Berit Reiss-Andersen, die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, am Freitag um Punkt 11 Uhr verkünden?

Von Helmut Steuer (Stockholm)

Wenn es nach Henrik Urdal geht, ist die Entscheidung klar: Das Welternährungsprogramm (WFP – World Food Progamme) wird den diesjährigen Friedensnobelpreis erhalten. Der Direktor des renomierten Osloer Friedensforschungsinstituts PRIO hat vergangene Woche, wie schon in den Jahren zuvor, seine Top-5-Liste veröffentlicht. Auf Platz Eins liegt die WFP. „Die Bekämpfung des Hungers ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, erklärt Urdal. „In einer Situation, in der die globale Polarisierung zunimmt, wäre der Friedensnobelpreis für das Welternährungsprogramm ein deutliches Signal, sich für die dringensten Probleme der Welt stärker als bisher zu engagieren“.

Der PRIO-Chef gibt seit vielen Jahren seine Tipps zum Friedensnobelpreis ab, allerdings mit bescheidenem Erfolg: Nicht ein einziges Mal hat er bislang mit seinen Prophezeiungen richtig gelegen. In seiner diesjährigen Top 5-Liste taucht auch wieder Denis Mukwege auf. Der kongolesische Arzt, der sich für vergewaltigte Frauen einsetzt und Behandlungszentren eröffnet hat, gilt seit Jahren als ein Favorit auf den Preis. 2013 erhielt er bereits den Alternativen Nobelpreis für seinen Engagement. Ein Jahr später wurde er mit dem Sacharow Preis des Europäischen Parlaments geehrt. Am Freitag, Punkt 11 Uhr, werden wir wissen, ob das möglicherweise ein Ausschlusskriterium für den Friedensnobelpreis ist. Mukwege könnte nach Ansicht von Urdal den Friedensnobelpreis zusammen mit der jesitischen Rechtsanwältin Nadia Murad und der #MeToo-Gründerin Tarana Burke erhalten. Alle drei haben sich gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt engagiert.

Weitere Kandidaten des Friedensforschers Urdal sind die Organisationen SOS Mediterranée, die den Preis für ihre Einsätze zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer zusammen mit den Ärzten ohne Grenzen und dem International Rescue Committee erhalten könnten. Urdal nennt außerdem Oby Ezekwesili, einen der Transparency International-Gründer, als möglichen Preisträger. Der ehemalige Bildungsminister von Nigeria hat sich einen Namen als vehementer Kämpfer gegen die Korruption gemacht. Als fünften Kandidaten sieht Urdal die Reporter ohne Grenzen, die sich seit Jahren dem Kampf für die Pressefreiheit verschrieben haben.

In der norwegischen Presse gelten auch die Ministerpräsidenten von Griechenland und Mazedonien, Alexis Tsipras und Zoran Zaev, als mögliche Kandidaten. Beide Politiker haben sich bemüht, den langjährigen Namensstreit zwischen Mazedonien und Griechenland zu lösen. Ob nach dem misslungenen Referendum über die Namensänderung am vergangenen Wochenende die beiden Politiker aber noch aktuell für den Preis sind, darf bezweifelt werden.

Kim-Jong-Un als Preisträger?

In norwegischen Medien wird auch in diesem Jahr wild über mögliche Preisträger spekuliert. Die russischen Menschenrechtsaktivisten Ljudmila Aleksejeva, Svetlana Gannusjkina und die Organisation Memorial gehören ebenso zu den möglichen Kandidaten wie die Weißhelme aus Syrien.

Bei den britischen Buchmachern rangieren hingegen der nordkoreanische Machthaber Kim-Jong-Un und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in ganz oben. Sie hatten im vergangenen Monat Friedensverhandlungen aufgenommen.

Das Fünf-köpfige Nobelkomitee hüllt sich aber wie immer in Schweigen. Eine leichte Aufgabe wird die Entscheidung für die vom norwegischen Parlament ernannten Komitee-Mitglieder nicht. In diesem Jahr müssen sie insgesamt 329 Nominierungen durchgehen. 217 Personen und 112 Organisationen wurden für den Preis vorgeschlagen. Vorschlagsberechtigt sind unter anderem ehemalige Preisträger, Parlamentsabgeordente, Regierungsmitglieder und Universitätsprofessoren.

Das Osloer Nobel-Kommitée nennt nur die Anzahl der Nominierungen, nicht die Namen. Die werden nur bekannt, wenn sich die Vorschlagenden selbst an die Öffentlichkeit wenden. US-Präsident Donald Trump gehört zu den Nominierten, denn zwei Parlamentarier der rechtspopulistischen norwegischen Fortschrittspartei haben ihn vorgeschlagen. Allerdings ging ihr Vorschlag nach dem 31. Januar, der Nominierungsfrist, ein und kann damit zumindest für dieses Jahr nicht berücksichtigt werden.

Die Entscheidungen, den Friedensnobelpreis an amtierende Staatsoberhäupter oder Regierungschefs zu vergeben, ist immer wieder kritisiert worden. Häufig wurde bemängelt, dass das Nobelkomitee in Oslo parteipolitisch nicht unabhängig ist, da die fünf Mitglieder von Parteien vorgeschlagen und gewählt werden. Und das Osloer Nobelkomitee hat mit seinen politischen Entscheidungen in der Vergangenheit wenig Glück gehabt.

1994 erhielten der Palästinenserführer Yasser Arafat, der israelische Premier Yitzhak Rabin und sein Außenminister Shimon Peres den Friedensnobelpreis. Der Nahostkonflikt wurde jedoch nicht gelöst. Auch die Vergabe des Preises an den ehemaligen US-Präsidenten Barrack Obama nur wenige Monate nach seiner Antseinführung wurde scharf kritisiert. „Seit wann erhält man den Friedensnobelpreis für Versprechen anstatt für Taten?“, fragten mehrere Kommentatoren in Norwegen. Um Punkt 11 Uhr an diesem Freitag wird der Name des diesjährigen Friedensnobelpreisträgers bekanntgegeben. Bis dahin darf weiter spekuliert werden. Wie alle Jahre zuvor.


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