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Wenn das Lachen im Hals steckenbleibt

Wenn das Lachen im Hals steckenbleibt

Foto: Showtime
International 2 3 Min. 19.02.2018

Wenn das Lachen im Hals steckenbleibt

Amerikas Satiriker tun sich schwer mit Donald Trump. Das gilt auch für Stephen Colbert, dessen Zeichentrick-Serie „The Cartoon President” sich daran abarbeitet, aus einer Karikatur eine Karikatur zu machen.

Von LW-Korrespondent Thomas Spang (Washington)

Die Kritiker in den USA versuchen händeringend etwas Positives zu finden, was sie über den Ausflug des brillanten Satirikers in die Welt des Zeichentrickfilms schreiben können. Denn niemand anderem gelingt es so gut wie Colbert als Gastgeber der „Late Show”, täglich die Absurdität dieser Präsidentschaft zu enthüllen.   

Seit Februar 2018 ist die Animationsserie „The Cartoon President” auch auf diversen Bezahlsendern zu sehen.
Seit Februar 2018 ist die Animationsserie „The Cartoon President” auch auf diversen Bezahlsendern zu sehen.
Foto: Showtime

So gibt es Lob für Jeff Bergmans Stimmen-Animation des zweidimensionalen Trump. Andere halten die Darstellung von Randfiguren wie dem Berater des Präsidenten, Stephen Miller, als Sendbote des Satans für gelungen. Auch die Idee, Trumps Söhne Eric und Donald Jr. als Reinkarnation von „Beavis & Butthead” zu präsentieren, sorgt für Schmunzeln. 

Doch von Ausnahmen abgesehen, bleibt den meisten amerikanischen Kritikern der zehnteiligen Serie „The Cartoon President” das Lachen irgendwie im Halse stecken. 

US-Präsident Trump und seine Regierung sind Dauerthema in Stephen Colbert's Sendung „The Late Show”.
US-Präsident Trump und seine Regierung sind Dauerthema in Stephen Colbert's Sendung „The Late Show”.
Foto: AFP

Die Rezeption im deutschsprachigen Raum, wo die Folgen im Bezahlfernsehen von „Sky” mit Untertiteln in amerikanischer Originalversion angelaufen sind, mag anders sein, weil das Geschehen weit weg ist. Doch wer in den USA lebt und die Politik vor Ort verfolgt, weiß, dass die gezeichneten Figuren zuweilen hinter ihren Vorlagen im wirklichen Leben zurückstehen. 

So haben Sie den US-Präsidenten noch nie gesehen

Der wahre Trump, der im Bademantel im Bett Cheeseburger mampft und sich daran erfreut, wie „Fox & Friends” ihm huldigen, ist absurder als der Comic-Präsident, der in der ersten Folge von den liebedienerischen FOX-Moderatoren mit dem Satz geweckt wird: „Es ist 6 Uhr in der früh, Mr. Präsident. Stehen Sie auf und strahlen Sie. Ich liebe Sie”.

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Das funktioniert genauso wenig wie die Szene im Lageraum des Weißen Hauses, wo Trump im Kreise seiner Generäle versucht, dem Offizier mit dem „nuklearen Football” die Codes für den Start einer Atomrakete zu entreißen. 

Verglichen mit den echten Tweets Trumps, in denen er dem „kleinen Raketenmann” Kim Jong Un droht, er habe nicht nur einen Atomknopf, sondern einen, der auch funktioniere, wirkt die Episode in „The Cartoon President” läppisch. 

Nervende, peinliche Selbstinszenierungen

Colbert, der das ambitionierte Projekt in Kooperation mit Chris Licht, Matt Lapin, Tim Luecke und RJ Fried für den zur CBS-Gruppe gehörenden Bezahlkanal „Showtime” umsetzte, schafft in der Zeichentrick-Folge nicht, was ihm im Mitternachtsfernsehen besser gelingt: Etwas aus dem Charakter des Präsidenten herauszuarbeiten, das nicht bloß eine blasse Kopie der Karikatur ist, zu der sich Trump selber gemacht hat.

Daran haben sich zuvor schon andere abgearbeitet, wie z.B. Alex Baldwin, der Trump auf „Saturday Night Live” parodierte. Doch die Witze über seine blonde Super-Tolle, kleinen Hände oder die mit Ahnungslosigkeit gepaarte Angeberei nerven inzwischen so sehr wie die peinlichen Selbstinszenierungen des Präsidenten.

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Der Grund liegt auf der Hand. Satire arbeitet unter anderem mit Übertreibungen. Wenn der „erfolgreichste Präsident jemals” täglich ganz ernsthaft selber über seine Großartigkeit spricht, lässt sich das an Lachhaftigkeit kaum mehr überbieten.

Das gilt übrigens auch für die sprichwörtlich „komischen” Figuren um Trump herum, wie Ben Carson, Jeff Sessions oder Sarah Huckabee-Sanders, deren kuriose Ergebenheit so offenkundig ist, dass sie in „The Cartoon President” mehr wie die zeichnerische Umsetzung lebender Personen erscheinen. 

Vertrottelt, aber harmlos

„The Cartoon President” leidet durchweg unter der bedrückenden Nähe zu ihrem Objekt. Das nimmt der Satire ihren Biss. Die Zeichentrick-Serie ist so etwas wie die animierte Version des Bestsellers „Fire and Fury”. Sie lässt Trump mehr zu einer  Figur wie in „The Family Guy” werden - ein wenig vertrottelt, aber harmlos. 

Genau das aber ist dieser Präsident nicht. Und niemand sieht das klarer als Colbert selbst, der in der „Late Show” kürzlich zeigte, wie Satire treffender sein könnte. Er mag sich das vom französischen Präsidenten Francois Macron abgeschaut haben, der Trump mit der Einladung zu einer Parade umgarnte. Aber es funktioniert.    

Colbert forderte den Narzissten im Weißen Haus in der „Late Show” auf, Sonderermittler Robert Mueller in der Russland-Affäre Rede und Antwort zu stehen. „Sie können das!”, sagte er mit ernster Mine. „Sie sind ein brillantes, milliardenschweres Genie! Sie sind besser und schlauer als all diese Clowns, die ihre Karrieren mit Ermittlungen verplempern.” Er sei schlauer als seine Anwälte, lockt Colbert Trump. „Sagen Sie aus, seien Sie einfach Sie selbst!” 

Die Serie besteht aus zehn 30-minütigen Folgen und widmet sich den „Missgeschicken” des amtierenden US-Präsidenten.
Die Serie besteht aus zehn 30-minütigen Folgen und widmet sich den „Missgeschicken” des amtierenden US-Präsidenten.
Foto: Showtime



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