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Weniger Teilnehmer bei "Gilets jaunes"-Protesten in Paris
International 35 3 Min. 15.12.2018

Weniger Teilnehmer bei "Gilets jaunes"-Protesten in Paris

Bei den Protesten am Samstag wurden etwa 90 Personen festgenommen.

Weniger Teilnehmer bei "Gilets jaunes"-Protesten in Paris

Bei den Protesten am Samstag wurden etwa 90 Personen festgenommen.
Foto: AFP
International 35 3 Min. 15.12.2018

Weniger Teilnehmer bei "Gilets jaunes"-Protesten in Paris

Frankreich hat sich mit einem massiven Polizeiaufgebot auf die neuen „Gelbwesten“-Proteste vorbereitet. Doch diesmal verliefen die Proteste weitgehend friedlich.

(dpa) - An den „Gelbwesten“-Protesten in Frankreich haben sich am Samstag landesweit nach offiziellen Angaben rund 66 000 Menschen beteiligt - weniger, als vor einer Woche. In Paris fanden die Kundgebungen an verschiedenen Orten statt. Vor allem auf der Prachtstraße Champs-Élysées kam es wieder zu Spannungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, dabei wurden auch Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt. In Paris wurden nach Angaben der Polizeipräfektur mehr als 150 Personen festgenommen, davon kamen über 110 in Polizeigewahrsam. Landesweite Zahlen lagen zunächst nicht vor. 

Nach Angaben des Innenministeriums nahmen bis zum Nachmittag in der Hauptstadt 2200 Menschen an den Protesten teil, bei denen unter anderem wieder der Rücktritt von Staatspräsident Emmanuel Macron gefordert wurde. Die Demonstrationen wurden von massiven Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Allein in Paris waren 8000 Polizisten im Einsatz. Landesweit waren 69 000 Sicherheitskräfte im Dienst. Auch in Bordeaux und Toulouse kam es zu Spannungen. In Toulouse wurden nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP mehrere Menschen verletzt.


TOPSHOT - Riot police members walk forward carrefully past a flare lying on the ground during a protest of "yellow vests" (gilets jaunes) against rising costs of living they blame on high taxes in Nantes, eastern France on December 8, 2018. - French "yellow vest" demonstrators clashed with riot police in Paris on December 8, 2018 in the latest round of protests against President Emmanuel Macron, but the city appeared to be escaping the large-scale destruction of a week earlier due to heavy security. (Photo by Sebastien SALOM-GOMIS / AFP)
Macron trifft nach Protesten Vertreter aus Politik und Wirtschaft
Der französische Präsident Emmanuel Macron hat nach den erneuten „Gilets jaunes“-Protesten Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft im Élyséepalast empfangen.

Es ist das fünfte Wochenende in Folge, an dem die „Gelbwesten“ protestieren. Nach dem Terroranschlag von Straßburg am Dienstag hatte die französische Regierung an die „Gelbwesten“ appelliert, an diesem Wochenende nicht zu demonstrieren.

Am Samstag vor einer Woche hatte die Zahl der Demonstranten in Paris bis zum Nachmittag bei rund 10.000 gelegen, im ganzen Land bei 77 000. Mit mehr als 90 Festnahmen wurden den Angaben zufolge am Samstag weniger gezählt als in der Vorwoche mit 598 zur selben Zeit. Im ganzen Land waren damals etwa 2.000 Menschen festgenommen worden.

Vor der Oper Garnier organisierten „Gelbwesten“ ein Sit-in. Dabei knieten sie auf dem Boden, die Hände hinter dem Kopf - eine Anspielung auf eine Massenfestnahme von Schülern vor mehreren Tagen. Auf den Champs-Élysées demonstrierten mehrere Frauen (Femen) halb nackt als Marianne verkleidet und standen minutenlang stumm den Sicherheitskräften gegenüber. Marianne ist die Nationalfigur der französischen Republik. Auf Bildern wird sie gewöhnlich mit einer phrygischen Mütze bedeckt und mit unbedeckten Brüsten gezeigt.

Während vor einer Woche Geschäfte und viele Sehenswürdigkeiten und Museen geschlossen wurden, blieben diesmal der weltberühmte Louvre und der Eiffelturm offen. Paris solle nicht den Eindruck einer „toten“ Stadt erwecken, erklärte Polizeipräfekt Michel Delpuech.

Nach Einschätzung der französischen Regierung haben die anhaltenden Straßenblockaden und Proteste spürbaren Einfluss auf das Wirtschaftswachstum des Landes. Die französische Nationalbank hat die Wachstumserwartungen für das laufende Quartal von 0,4 auf 0,2 Prozent halbiert.

Mehrere Todesopfer durch Unfälle bei Blockaden

Seit Beginn ihrer Protestbewegung Mitte November sind mehrere Menschen durch Unfälle an Straßenblockaden der „Gelbwesten“ ums Leben gekommen. Am Freitag fuhr ein Autofahrer in der belgischen Region Erquelinnes in einen Lastwagen, der aufgrund einer Straßensperre auf französischer Seite blockiert wurde. Einen Tag zuvor war ein 23 Jahre alter „Gelbwesten“-Demonstrant im südfranzösischen Avignon von einem Lastwagen erfasst und getötet worden.

Ursprünglich richtete sich die Wut der „Gelbwesten“ gegen geplante Steuererhöhungen auf Sprit und Diesel, hohe Lebenshaltungskosten und die Reformpolitik der Mitte-Regierung von Staatspräsident Emmanuel Macron. Um den Konflikt mit den „Gelbwesten“ zu entschärfen, versprach Macron zu Wochenbeginn ein Paket mit Sofortmaßnahmen im Sozialbereich, darunter eine Erhöhung des Mindestlohns um monatlich 100 Euro. Die Maßnahmen sollen bis zu zehn Milliarden Euro kosten.

Mittlerweile haben sich die Forderungen teilweise geändert. Viele der Demonstranten protestierten in Paris für mehr direkte Demokratie. Forderungen nach Einführung eines Bürgerreferendums wurden laut – und nach dem Rücktritt Macrons.




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